Zwei smarte Fitnessuhren von Garmin im Dauertest

Fit durch den Sommer - Tracker von Garmin im Test

15.07.2017
Von Thomas Bergbold
Es gibt Bereiche, in die keine Apple Watch kommt, nicht nur bedeutende Tiefen. Zwei Geräte von Garmin im Dauertest.

Im März 2016 hatten wir bereits die beiden Fitnessuhren Vivofit und Fenix 3 von Garmin einem kurzen Test unterzogen. Jetzt wollten wir wissen, wie sich der Nachfolger des Vivofit über einen Zeitraum von einem Jahr schlägt. Als zweites Gerät haben wir diesmal die Vivoactive HR ausgesucht und über sechs Monate einen Test unterzogen.

Die Fitnessuhr Vivofit setzt auf Minimalismus.
Die Fitnessuhr Vivofit setzt auf Minimalismus.
Foto: Garmin

Für die meisten Menschen ist ihre Uhr ihr täglicher Begleiter. Daher ist es sinnvoll, seine Fitnessaktivitäten mit jener Uhr, die man ohnehin schon trägt, auch zu protokollieren. Mit dem schlanken Vivofit 3 erhält man hier die Minimalkonfiguration: Einen Schrittzähler, der die Schritte und die Wegstrecke protokolliert und für den Sport die Aufzeichnung von Aktivitäten. Beides erfolgt automatisch im Hintergrund und ansonsten ist der Vivofit einfach nur eine schlanke Uhr.

Sehr viel größer - sogar richtig wuchtig - ist die Vivoactive HR. Sie bietet zusätzlich die Auswahl an 10 Sportarten und einen integrierten Pulsmesser. Mit ein Grund, warum die Uhr so dick ausfällt.

Vivofit 3: Unauffälliger Begleiter

Die Vivofit 3 ist der Nachfolger, der von uns zu letzte getesteten Vivofit 1. Die Formensprache ist gleich geblieben und gefällt durch ihr schlankes unauffällige Gehäuse. Die auffälligsten Änderungen sind der neue Sicherungsmechanismus am Armband und das Display. Während bei der alten Version zur Sicherung vor einem versehentlichen Öffnen des Armbandes, eine einfache Sicherung übergeschoben wurde, ist jetzt im Schloss eine Drehverriegelung integriert. Konnte man beim Vivofit 1 die Sicherung schon mal verlieren, ist das jetzt nicht mehr möglich.

Armbänder in verschiedenen Farben sorgen dafür, das für jeden was Passendes dabei ist.
Armbänder in verschiedenen Farben sorgen dafür, das für jeden was Passendes dabei ist.
Foto: Garmin

Das Display hat sich leider in einem wesentlichen Punkt nicht verbessert sondern verschlechtert, es ist kleiner geworden. Konnte man beim alten Modell noch toll die Uhrzeit erkennen, ist das jetzt für Menschen mit Lesebrille nicht mehr möglich. Praktisch ist aber, das man verschiedene Designs für die Uhr einstellen kann. Das Display verfügt jetzt über eine Hintergrundbeleuchtung und zeigt, wie beim Vorgänger auch, die Anzahl der Schritte, den Kalorienverbrauch, die Distanz und das Datum an. Der Schlaf wird auch wieder überwacht. Umgeschaltet wird zwischen den Informationen mit dem großen Taster unterhalb des Display.

Die wesentlichen Neuerungen stecken unter dem Gehäuse. So hat Garmin neue und für Sportler wichtige Funktionen hinzu gefügt. Da ist zum einen das Aufzeichnen von Aktivitäten. Dazu drückt man einfach so lange den Taster, bis eine Stoppuhr mit „Start“-Beschriftung zu sehen ist. Jetzt zeichnet die Vivofit das Training auf, also die Schritte und wenn man den optionalen Brustgurt trägt, auch die Herzfrequenz.

Das Vivofit 3 macht nicht nur beim Sport, sondern auch als normale Uhr eine gute Figur. Nachteilig ist nur das kleine Display.
Das Vivofit 3 macht nicht nur beim Sport, sondern auch als normale Uhr eine gute Figur. Nachteilig ist nur das kleine Display.
Foto: Thomas Bergbold

Im Gegensatz zu den größeren Garmin-Wearabels versucht die Vivofit die Aktivität selbst zu erkennen. Bei den anderen Modellen wählt der Benutzer aktiv die entsprechende Aktivität, zum Beispiel Laufen.

Eine weitere Neuerung ist die Move IQ Aktivitätserkennung. Sie erkennt anhand des Bewegungsmusters automatisch Aktivitäten und zeichnet sie auf, auch wenn man den Startknopf nicht gedrückt hat. Erkannt werden Aktivitäten wie Gehen, Laufen, Radfahren und Schwimmen. Dabei wird auch der Start und das Ende automatisch erkannt.

Wie man das von allen Garmin-Wearabels gewohnt ist, erinnert einen die Vivofit, wenn man sich zu wenig bewegt mit einem Inaktivitätsbalken. Er wird alle 15 Minuten länger und nach einer Stunden ertönt ein unauffälliger Alarm. Verschiedene Armbänder machen wie üblich aus einer eher unauffälligen Uhr einen Lifestyle-Begleiter.

Empfehlung

Wir konnten über ein Jahr einen sehr guten Eindruck von der Vivofit 3 gewinnen. Sie ist ein wunderbar unauffälliger Begleiter, der zuverlässig die Aktivitäten protokolliert, wobei Radfahrern nicht immer erkannt wurde. Eventuell waren wir aber auch nicht sportlich genug unterwegs. Immerhin: Die Apple Watch erkennt keinerlei Rad-Aktivitäten von selbst. Als Uhr macht die Vivofit leider keinen so guten Eindruck, auch wenn man die Anzeige konfigurieren kann, ist die Uhrzeit einfach zu klein. Das wäre ein wichtiger Punkt für die Version 4. Für Sportler, die keine sportartenspezifische Analyse mit GPS-Koordinaten benötigen, reicht die Vivofit 3. Mehr brauchen Gelegenheitssportler eigentlich nicht. Die Analyse über die Connect App und die entsprechende Homepage sind sehr praktisch und aufschlussreich.

Die Batterielaufzeit von einem Jahr konnten wir jedoch nicht erreichen. Im täglichen Einsatz mit ein bis zweimal wöchentlich Sport, war nach rund sechs Monaten Schluss. Das ist aber immer noch ein respektabler Wert. Vor allem im Vergleich zu den Mitbewerbern, die oft nur ein paar Wochen erreichen.

Vivofit 3

Hersteller:

Garmin

Preis:

€ 100,-

Note:

1,6 gut

Vorzüge:

sehr gute Funktionen, lange Batterielaufzeit, sehr leicht, guter Tragekomfort

Nachteile:

sehr kleines Display

Straßenpreis (bei Amazon):

ab € 53,-

Vivoactive HR: Preisgünstige Smartwatch

Die große Vivoactive HR ist mehr als nur ein Fitnesstracker, sie ist eine richtige Smartwatch. Das bedeutet: Neben den Fitness- und Sportfunktionen kann sie beispielsweise das Wetter, Meldungen vom Smartphone anzeigen oder die Actioncam VIRB von Garmin steuern. Sie ist also eine richtige Erweiterung des Smartphones.

Modernes Design und eine tolle Ausstattung, das zeichnet die Vivoactive HR aus.
Modernes Design und eine tolle Ausstattung, das zeichnet die Vivoactive HR aus.
Foto: Garmin

Das große Display prägt das Erscheinungsbild der Vivoactive HR und wie wir es vom Smartphone her gewohnt sind, erfolgt die Bedienung ebenso mit Wischen und Tippen. Durch vertikales Wischen blättert man durch die Anzeige. Beispielsweise die Uhrzeit, die Aktivitäten des Tages, die aktuelle Herzfrequenz, die Schritte oder gelangt zu den Smartphone-Nachrichten. Welche Seiten mit Informationen zu sehen sind, lässt sich konfigurieren. Wie bei allen Fitnessuhren von Garmin erfolgt dies über die App auf dem Smartphone. Zusätzliche gibt es noch zwei Tasten am unteren Rand des Displays. Mit der rechten Taste gelangt man zur Auswahl der Aktivitäten und die linke Taste ist zum Zurückkommen. Das hat man nach kurzer Zeit verinnerlicht und ist viel einfacher als beim Topmodell Fenix.

Sehr gut ist auf der Unterseite der Vivoactive HR der Herzfrequenzmesser zu erkennen. Direkt daneben sind die Kontakte für das Ladegerät.
Sehr gut ist auf der Unterseite der Vivoactive HR der Herzfrequenzmesser zu erkennen. Direkt daneben sind die Kontakte für das Ladegerät.
Foto: Garmin

Wie auch die Vivofit 3 fungiert die Vivoactive HR als komfortabler Fitnesstracker. Zusätzlich zu den Schritten, dem Kalorienverbrauch und der Strecke, protokolliert die Vivoactive HR auch die Stockwerke und die Intensitätsminuten. Aus dem Namenzusatz HR lässt sich noch eine weitere Funktion ableiten, der Herzfrequenzmesser. Alle Informationen sind schön groß auf dem Display ablesbar und über mehrere Seiten verteilt. Da ist es sehr positiv, dass das Display auch bei Sonnenlicht sehr gut abzulesen ist.

Die besondere Eigenschaft, die aus der Vivoactive HR eine richtige Sportuhr macht, sind die Aktivitäten für Indoor- und Outdoorsportarten. Ob Wandern, Laufen, Golf, Radfahren, Winter- oder Wassersport, die Vivoactive HR bietet für insgesamt zehn Sportarten angepasste Aktivitäten. Das kennt man auch vom Topmodell von Garmin, der Fenix. Im Gegensatz zu diesem ist die Vivoactive HR jedoch nur bis 50 Metern Tiefe wasserdicht.

Die großen Ziffern und die verschiedenen Uhrendarstellungen, machen aus der Vivoactive HR auch eine ganz normale Uhr für jeden Tag.
Die großen Ziffern und die verschiedenen Uhrendarstellungen, machen aus der Vivoactive HR auch eine ganz normale Uhr für jeden Tag.
Foto:

Die Benutzung ist ganz einfach. Mit der rechten Taste gelangt man zur Auswahlseite der Aktivitäten. Mit Wischen und Tippen sucht man sich die passende Sportart aus und startet die Aufzeichnung wieder mit der rechten Taste.

Die Übersicht “Mein Tag” zeigt kurz und knapp die bis zu dieser Zeit gegangenen Stockwerke, die zurückgelegten Schritte und die dabei errechnete verbrannten Kalorien.
Die Übersicht “Mein Tag” zeigt kurz und knapp die bis zu dieser Zeit gegangenen Stockwerke, die zurückgelegten Schritte und die dabei errechnete verbrannten Kalorien.
Foto:

Bei den Outdoorsportarten benötigt die Vivoactive HR ein paar Sekunden Zeit, um die GPS-Koordinaten zu empfangen. GPS ist im Outdoorbereich sehr praktisch, wenn man die genaue Strecke oder Route nochmals nachverfolgen möchte. Man kann aber auch die Route exportieren und in einem Navi weiterverwenden. Hierzu muss man allerdings den Onlinezugang über den Web-Browser auf Garmin Connect nutzen.

Zu den Smartwatch-Funktionen gehören zum Beispiel die Darstellung des aktuellen Wetters.
Zu den Smartwatch-Funktionen gehören zum Beispiel die Darstellung des aktuellen Wetters.
Foto:

Die Funktion „Auto Pause“, hat die Vivoactive HR ebenfalls von der Fenix geerbt. Ist man beispielsweise gerade beim Laufen und unterbricht für ein paar Gymnastikübungen, dann stoppt die Aufzeichnung. Automatisch startet die Aufzeichnung beim Loslaufen wieder, so dass man später keine Verfälschungen bei der Geschwindigkeits- und Laufzeitermittlung hat. Das ist sehr praxisnah und durchdacht, der Apple Watch fehlt bekanntlich ein derartiger Automatismus.

Empfehlung

Die Vivoactive HR ist uns ein wenig ans Herz gewachsen. Als Smartwatch macht sie ihre Aufgabe ordentlich, um Energie zu sparen, haben wir uns nur auf die Anzeige von Nachrichten beschränkt. Dann hielt die Vivoactive HR mehr als eine Woche durch. Das ist doch sehr angenehm, vor allem, wenn man sie auch als Uhr im Alltag trägt. Sehr gut ist hierbei die Konfigurierbarkeit, so kann man die Fitnessuhr sehr gut auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Was im Übrigen auch für die anderen Modelle von Garmin gilt.

Eine andere Smartwatch-Anzeige sind die eingegangenen Meldungen auf dem Smartphone.
Eine andere Smartwatch-Anzeige sind die eingegangenen Meldungen auf dem Smartphone.
Foto:

Als Sportuhr haben wir im Vergleich zur Fenix 3 aus unserem letzten Test nichts vermisst. Ob jetzt beim Skilanglauf, Nordic Walking oder Wandern, die Bedienung und nachträgliche Auswertung inklusive GPS-Daten haben uns überzeugt. Man muss sich aber erst intensiv mit der App und dem Onlinedienst Connect beschäftigen. Vor allem die letzte Überarbeitung des Onlinedienstes hat die Bedienung noch komplizierter gemacht. Die Bedienung über Wischen und den zwei Tasten ist bei der Vivoactive HR wesentlich einfacher und intuitiver als bei der Fenix-Baureihe.

Leistungssportler werden sich an dem Herzfrequenzmesser erfreuen.
Leistungssportler werden sich an dem Herzfrequenzmesser erfreuen.
Foto:

Als Sportler weiß man sicher den eingebauten Herzfrequenzmesser zu schätzen. Beim täglichen Tragen ist dieser aber gewöhnungsbedürftig, da er Druckstellen auf der Haut hinterlässt. Das Armband hingegen ist sehr angenehm und die Verstellung klassisch, wie bei einem normalen Uhrenarmband.

Etwas irritiert waren wir von dem Schrittzähler. Vom Vivofit waren wir es gewohnt, dass er in jeder Lebenslage zuverlässig die Schritte zählt. Nicht so der Vivoactive HR. Wenn nach einer Stunde Kinderwagenschieben nur rund 2000 Schritte auf dem Zähler stehen, kann da was nicht stimmen. Und in der Tat, hält man den Griff von Kinderwagen oder Babyjogger fest, werden nur selten Schritte gezählt. Lässt man den Griff los oder steckt die Vivoactive HR in die Tasche, werden die Schritte wieder zuverlässig gezählt.

Damit die Uhr auch Wasserdicht sein kann, setzt Garmin auf eine spezielle Klammer mit Kontakten zum Laden. Daher sollte man auf Reisen das Ladegerät nicht vergessen.
Damit die Uhr auch Wasserdicht sein kann, setzt Garmin auf eine spezielle Klammer mit Kontakten zum Laden. Daher sollte man auf Reisen das Ladegerät nicht vergessen.
Foto:

Outdoorfreunde werden auch an dem Gehäuse aus Kunststoff und dem Display einen Haken finden. Zwar ist die Anzeige schön groß und auch ohne Lesebrille gut zu sehen, doch es sieht immer verschmiert aus. Um es vor Kratzer zu schützen, liegt das Display ein weniger tiefer im Gehäuse, das dadurch einen kleinen Rand bildet. Was gegen Kratzer gut ist, ist aber schlecht für Schmutz. Es bildet sich also ein kleiner Rand mit Hautzellen oder anderen Partikeln. Das Kunststoffgehäuse blieb trotz pfleglichen Umgangs nicht ohne Kratzer. In der Summe ist die Vivoactive HR eine alltagstaugliche, vollwertige Smartwatch und Fitnessuhr für Sportler, zu einem fairen Preis.

Vivoactive HR

Hersteller:

Garmin

Preis:

€ 270,-

Note:

1,9 gut

Vorzüge:

sehr guter Funktionsumfang als Sportuhr, automatische Synchronisierung, große Uhren-Anzeige, für eine Smartwatch lange Akkulaufzeit,

Nachteile:

sehr dick wegen Herzfrequenzmesser, Push-Meldungen klein, nicht kratzfest

Straßenpreis (bei Amazon):

ab € 200,-

(Macwelt)