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Fiorina stößt auf heftigen Widerstand der HP-Anleger

03.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Knapp zwölf Monate nach dem umstrittenen Merger mit Compaq ist es HP offenbar immer noch nicht gelungen, das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen. Das deuten zumindest die Ereignisse auf der Jahreshauptversammlung am gestrigen Mittwoch an: Presseberichten zufolge forderte ein institutioneller Anleger, dass das HP-Board bei künftigen Abfindungszahlungen für Führungskräfte die Genehmigung der Aktionäre einholen müsse, insbesondere wenn der "Golden Handshake" das 2,99-fache Grundgehalt plus Bonus übersteigt. Auslöser für den Antrag war mit einiger Wahrscheinlichkeit das üppige Abschiedsgeschenk für den ehemaligen HP-President Michael Capellas im November vergangenen letzten Jahres. Unternehmenschefin Carly Fiorina hatte damals argumentiert, die Höhe der Abfindung sei bereits zu Capellas Zeiten als Compaq-CEO festgelegt worden.

Der Konzern könne auch in Zukunft auf derartige Mittel nicht verzichten, um keinen Wettbewerbsnachteil bei der Werbung von Topmanagern zu verbuchten, kritisierte Fiorina den Antrag auf der Hauptversammlung. Die darauf folgende Abstimmung fiel jedoch so knapp aus, dass die Stimmen erneut ausgezählt werden müssen. Das Ergebnis soll nachgereicht werden.

Selbst wenn es Fiorina letztendlich gelungen sein sollte, die Mehrheit der Anleger auf ihre Seite zu bringen, bedeutet die knappe Entscheidung allerdings, dass ein Großteil der Aktionäre gegenüber den Entscheidungen des Verwaltungsrats ein gewisses Misstrauen hegen. Als klaren Sieg für das Management ist dagegen die Entscheidung zu werten, auch in Zukunft die Kosten der Aktienoptionen für Mitarbeiter nicht in die Bilanz aufzunehmen. Zustimmung fand außerdem ein Antrag, demzufolge sich das Board künftige Abwehrmaßnahmen gegen feindliche Übernahmen von den Aktionären genehmigen lassen muss. Der Verwaltungsrat hatte bereits im Januar einen als "Poison Pill" (Giftpille) bekannten Notfallplan außer Kraft gesetzt. (mb)