Finanzierung digitaler Projekte

Finanzielle Hürden bei der Digitalisierung überwinden

13.07.2020
Anzeige  Wer Digitalisierungsprojekte umsetzen möchte, benötigt dafür ein entsprechendes Budget. Doch gerade kleine und mittelständische Firmen tun sich oft schwer, die finanziellen Mittel aufzubringen. Ein Ausweg können zum Beispiel staatlich geförderte Kredite mit attraktiven Konditionen sein.
Digitalisierung ist nicht nur für Großunternehmen ein wichtiges Thema, sondern auch für kleine und mittelständische Firmen. Bei der Finanzierung können staatlich geförderte Kredite eine wertvolle Hilfe sein.
Digitalisierung ist nicht nur für Großunternehmen ein wichtiges Thema, sondern auch für kleine und mittelständische Firmen. Bei der Finanzierung können staatlich geförderte Kredite eine wertvolle Hilfe sein.
Foto: Gettyimages_pixelfit/E+

Mittelständische Unternehmen in Deutschland setzen in immer stärkerem Maße auf die Digitalisierung. So haben zwischen 2016 und 2018 40 Prozent der Unternehmen Digitalisierungsprojekte abgeschlossen. Das belegt der KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2019. Allein im Jahr 2018 investierten mittelständische Firmen etwa 19 Milliarden Euro in die Digitalisierung.

Dies ist allerdings nur ein Bruchteil der Summe, die Mittelständler für traditionelle Innovationen und Investitionen ausgeben. Ein Grund dafür ist, dass die Finanzierung von Projekten im Bereich Digitalisierung mit speziellen Herausforderungen verbunden ist.

Mittelständische Unternehmen finanzieren digitale Projekte überwiegend aus Eigenmitteln. Für Investitionen greifen sie in stärkerem Maße auf Bankkredite zurück.
Mittelständische Unternehmen finanzieren digitale Projekte überwiegend aus Eigenmitteln. Für Investitionen greifen sie in stärkerem Maße auf Bankkredite zurück.
Quelle: KFW-Mittelstandspanel 2019

Eigenmittel statt Bankkredite

Fakt ist, dass der Mittelstand häufiger auf Eigenmittel zurückgreift, um Digitalisierungsvorhaben zu finanzieren. Eine Studie der KfW ergab, dass 87 Prozent der mittelständischen Firmen Digitalisierungsvorhaben aus internen Mitteln finanzieren, nur sieben Prozent mit Bankkrediten. Bei Investitionen beträgt der Anteil der Kredite hingegen 34 Prozent.

Der KfW-Volkswirt Dr. Volker Zimmermann, erklärt, warum diese Diskrepanz besteht: "Der Erfolg von Digitalisierungsvorhaben ist im Voraus oftmals unsicher. Außerdem können die Erfolgsaussichten von einem externen Geldgeber in der Regel schlechter beurteilt werden als vom Unternehmen selbst. Fällt es einer Firma zusätzlich noch schwer, die notwendigen Sicherheiten zu stellen, sind Banken weniger bereit, solche Vorhaben zu finanzieren."

Projekte verzögern sich

Für Unternehmen, die digitalisieren möchten, kann sich dies in mehrfacher Hinsicht nachteilig auswirken. Ein Kredit kommt nicht oder nur über einen Teilbetrag zustande. Wird ein solches Darlehen gewährt, ist es zudem häufig teurer als für Investitionen.

Unternehmen machen daher Abstriche an Digitalisierungsprojekten oder strecken diese über einen längeren Zeitraum. "Insgesamt bedeutet dies, dass die Unternehmen weniger als ursprünglich geplant für ihre Digitalisierung ausgeben", stellt Dr. Zimmermann fest.

Dr. Volker Zimmermann, Volkswirt bei KfW Research und dort für die Bereiche Innovationsgeschehen, -finanzierung und -förderung zuständig
Dr. Volker Zimmermann, Volkswirt bei KfW Research und dort für die Bereiche Innovationsgeschehen, -finanzierung und -förderung zuständig
Foto: KfW Bankengruppe

Finanzielle Förderung schafft Abhilfe

Um dem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Initiativen und Ansatzpunkte. Dazu gehören auch staatlich geförderte Kredite. "Verbilligte Förderkredite senken die Finanzierungskosten für das Unternehmen. Zudem erhöhen Risikoübernahmen durch eine Förderbank die Bereitschaft von Kreditinstituten, solche Digitalisierungskredite zu gewähren", erläutert Volker Zimmermann.

Zu diesen Förderkrediten zählt zum Beispiel der ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit der KfW. Dieser richtet sich an mittelständische Unternehmen, die damit eine Vielfalt an digitalen Projekten umsetzen können, zum Beispiel

  • die vollumfängliche Vernetzung von ERP- und Produktionssystemen;

  • die Entwicklung datenbasierter Dienstleistungen;

  • die Entwicklung und Implementierung eines IT- und/oder Datensicherheitskonzepts;

  • den Aufbau digitaler Plattformen sowie die Einführung digitaler Vertriebskanäle;

  • alle betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Digitalisierung.

Pro Vorhaben können Kredite zwischen 25.000 Euro und 25 Millionen Euro beantragt werden. Neben Investitionen lassen sich so auch Betriebsmittel, inklusive der Personalkosten, finanzieren. Durch den ergänzenden Förderzuschuss können Unternehmen zusätzlich profitieren. Im Fall dieses Kredits übernimmt die KfW außerdem einen Teil des Risikos gegenüber der Bank. Dies erhöht die Chance, dass eine Bank bereit ist, ein solches Vorhaben zu unterstützen.

Weilburger Graphics digitalisiert die Produktion

Wie mittelständische Unternehmen mithilfe eines KfW-Kredits zukunftsweisende Projekte umsetzen können, zeigen folgende Beispiele. Im ersten Fall stand der Lackhersteller Weilburger Graphics vor der Herausforderung, seine Produktionsanlage zu modernisieren. Nach Machbarkeitsstudie und Planung veranschlagte das Unternehmen Gesamtkosten in Höhe von sieben Millionen Euro. Diese Investition finanzierte Weilburger Graphics zu einem Teil mit einem Kredit der KfW.

Dank der hochmodernen neuen Anlage sind die Mitarbeiter nun in der Lage, auf einem Tablet oder Bildschirm die Produktion von Farben und Lacken zu steuern. Die Firma kann statt 14.000 Tonnen 22.000 Tonnen Lack im Jahr herstellen - und das mit deutlich kürzeren Produktionszeiten. Dies ist eine gute Basis dafür, dass das 140-jährige Traditionsunternehmen auch künftig im internationalen Wettbewerb bestehen kann.

Der Lackhersteller Weilburger Graphics konnte durch die Investition in eine hochmoderne Produktionsanlage die Kapazitäten erhöhen und neue Arbeitsplätze schaffen.
Der Lackhersteller Weilburger Graphics konnte durch die Investition in eine hochmoderne Produktionsanlage die Kapazitäten erhöhen und neue Arbeitsplätze schaffen.
Foto: Media TV

Pinion erweitert Fertigung von High-Tech-Getrieben

Deutlich jünger als Weilburger Graphics ist das schwäbische Unternehmen Pinion. Es wurde 2005 von Michael Schmitz und Christoph Lermen, zwei begeisterten Mountainbikern, gegründet. Ihre Vision war es, eine Fahrradschaltung zu entwickeln, die so intuitiv, präzise und verschleißfrei funktioniert wie bei einem Sportwagen.

Nach einer hochpreisigen Produktlinie wollte Pinion mit der C-Linie auch ein Getriebe für Räder der gehobenen Mittelklasse anbieten - mit Erfolg: "Wir produzieren heute eine fünfstellige Zahl von Getrieben pro Jahr und haben damit unsere Produktion mehr als verdoppelt", sagt Thomas Raith, der die Geschäftsführung seit 2018 ergänzt.

Seit 2018 ergänzt Thomas Raith als dritter Pinion-Geschäftsführer das Gründer-Duo Michael Schmitz und Christoph Lermen.
Seit 2018 ergänzt Thomas Raith als dritter Pinion-Geschäftsführer das Gründer-Duo Michael Schmitz und Christoph Lermen.
Foto: Pinion

Die erste Wachstumsphase konnte das Unternehmen auch dank Fördermitteln der KfW erfolgreich realisieren. Insgesamt knapp über 675.000 Euro investierte der Getriebehersteller über ein KfW-Darlehen in die Erweiterung seiner Fertigungskapazitäten.

Nun will Pinion seine Getriebe auch für den Einsatz in E-Bikes und E-Fahrzeugen ausrichten. Das Ziel: Das Unternehmen möchte sich zu einem führenden Anbieter für hochwertige Schaltungen für City-, Trekking- und Pendler-Fahrräder sowie Cargo-Bikes weiterentwickeln.

Fazit

Weilburger Graphics und Pinion sind nur zwei von vielen Beispielen dafür, wie mittelständische Unternehmen mithilfe der KfW die Finanzierung von innovativen Projekten sicherstellen können. Das gilt nicht nur für die Entwicklung neuer digitaler Angebote, sondern auch für die Modernisierung vorhandener Geschäftsprozesse und Produktionsanlagen.