Scopevisio

FiBu aus der Cloud - zum Preis einer App

20.05.2010
Von  und
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Bettina Dobe ist Journalistin in München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media- sowie Gesundheitsthemen spezialisiert. 
Deutsche Startups im ITK-Umfeld gibt es nur wenige. Eines davon ist der Cloud-Serviceanbieter Scopevisio. Seine Vision: Buchhaltung aus dem Netz für jedermann - benutzerfreundlich, skalierbar und zum kleinen Preis.

Hinter Scopevisio stecken Leute mit Erfahrung. Die Firmengründer Jörg Haas und Rüdiger Wilbert haben schon vor Jahren die GWI AG in die Top-10 der deutschen Softwarehäuser geführt. Das Geschäftsmodell bestand darin, große Kliniken mit Client-Server-Software auszustatten. Die Unternehmer verkauften die GWI 2004 an die Agfa-Gevaert-Gruppe - für rund 350 Millionen Euro. Jetzt stecken sie über ihre Investment-Gesellschaft HW Partners einen Teil des Geldes in das Cloud-Startup Scopevisio.

Nach dem Verkauf der GWI AG will er nun den Cloud-markt aufmischen: Dr. Rüdiger Wilbert.
Nach dem Verkauf der GWI AG will er nun den Cloud-markt aufmischen: Dr. Rüdiger Wilbert.

Technische Basis für die Software ist eine komplett neu entwickelte Finanzbuchhaltungssoftware, in die das Gründerteam knapp 30 Millionen Euro investierte. Die Software ist inzwischen fertig und wurde von PriceWaterhouse Coopers testiert (GoB und GDPdU). Sie läuft in einem zertifizierten Rechenzentrum in Frankfurt am Main, das von der Telecity Group betrieben wird.

Die Weichen für den Großangriff auf Softwarehäuser wie Lexware oder Sage KHK, so glaubt Vorstandsmitglied Michael Rosbach, sind gestellt: "Wir wollen ein Pionier sein und vorneweg laufen!". Basis für den künftigen Erfolg sei die Tatsache, dass man von Anfang an auf eine homogene, ausschließlich für das Cloud-Modell entwickelte Business-Software setze, um die herum nun Angebote wie Kunden- und Projekt-Management oder auch Business-Intelligence-Komponenten entstünden. Zum anderen habe - unüblich für Geschäftssoftware - von der ersten Minute der Entwicklung an die Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund gestanden. Die Finanzsoftware sei so gestaltet worden, dass ein Gutteil der Funktionalität für den einfachen Anwender verborgen bleibe und nach Bedarf aktiviert werden könne.

Keine Servicetruppen auf die Kunden hetzen

"Das Spannende an Cloud Computing ist, die Software so zu bauen, dass die Kunden reduzierte Dienste bekommen und von den Servicetruppen der Anbieter unbehelligt bleiben", betont Wilbert, der Architekt der neuen Software. "Minimalistisch, schlank, reduziert. Es geht um Usability", so Wilbert. Im SaaS-Markt habe Erfolg, wer es schaffe, die "wichtigen Business-Funktionen vernünftig anzubieten". Ein Financial-Backbone, das ordnungsgemäße Buchführung, Konsolidierung etc. beherrsche, sei dafür die Voraussetzung. Wilbert gesteht: "Wir haben einen SAP-Klone als Anschauungsobjekt gekauft, letztendlich aber alles selber gemacht."

Die Scopevisio-Services nehmen derzeit sieben Kliniken in Anspruch, den Anbietern zufolge mit gutem Erfolg. Branchenangebote für das Gesundheitswesen, wo die Gründer ihre Wurzeln haben, aber auch für Hotels, die Freizeitbranche, den Immobilienmarkt und Bauunternehmen sollen den Anfang machen. Angepeilt werden aber auch kleine Unternehmer wie etwa Handwerker und Ärzte, die mit Berufseditionen versorgt werden sollen, sowie mittelständische Betriebe.

Will Pionier sein: Michael Rosbach, Vertriebsvorstand der Scopevisio AG.
Will Pionier sein: Michael Rosbach, Vertriebsvorstand der Scopevisio AG.
Foto: ScopeVisio

Einen Vorteil für die Cloud-Lösung sieht Rosbach auch in der Erleichterung, die Kunden in der Abwicklung ihrer Prozesse mit Steuerberatern hätten. "Briefe erfassen, Vorkontierung, Einscannen von Dokumenten - das sind Aufgaben, die heute Steuerberater erledigen, obwohl sie dafür eigentlich nicht da und zu teuer sind." Die permanente Absprache zwischen Steuerberatern und Kunden könnten entfallen, wenn beide mit denselben Daten auf demselben System arbeiteten. Für Steuerberater bestehe der besondere Vorteil darin, künftig auch überregional Kunden zu adressieren - also "die Datev-Idee über ihre Kunden zu stülpen".

Scopevisio bietet seine Software ab August 2010 für Freiberufler und Kleinstbetriebe in der einfachsten Ausführung kostenlos an. Kunden können dabei maximal zwei User anmelden und 1000 Vorgänge - beispielsweise Ausgangsrechnung oder Zahlungseingang buchen - in Anspruch nehmen. Wollen sie mehr Services in Anspruch nehmen, können sie sich für eine der kostenpflichtigen Editionen entscheiden, die je nach Nutzeranzahl und Vorgängen monatlich zwischen zehn und 50 Euro kosten. Die Geschäftsidee basiert außerdem darauf, die Kunden für weitere zahlungspflichtige Angebote zu interessieren: So lassen sich beispielsweise Online-Banking via HBCI oder das Einlesen gescannter Dokumente via OCR-Software gegen Gebühr hinzu buchen.

Schon Ende nächsten Jahres hofft Scopevisio mindestens 5000 Kunden zu zählen. Im Jahr 2016 soll die Umsatzmarke dann die 100-Millionen-Euro-Grenze überschritten werden. Diese Kalkulation basiert auf der Annahme, dass mit diesem kostengünstigen und international ausgerichteten Angebot weltweit schnelles Wachstum möglich sein müsse. Mit der Web-basierenden Software könnten Anwender schließlich überall bedient werden - auch wenn sie ein iPhone, iPad, Netbook oder Ähnliches nutzen. Scopevisio hofft also auch, dem Mobility-Trend gerecht zu werden. (hv)
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