Nahfunktechnik in Smartphones

FAQ - Was ist was bei NFC?

20.01.2015
Von 
Dr. Harald Karcher ist freier Autor in München. Er testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.

Wo liegt die Hauptanwendung von NFC?

NFC ist sehr preiswert und bietet ein gewaltiges Einsatzpotential für die Vereinfachung von Identifizierungs- und Kopplungsvorgängen mit kleinen Datenmengen.

Just wegen dieser Eigenschaften hat man das sichere Bezahlen mittels NFC-Handy oder NFC-Plastikkarte, sprich die mobile NFC-Geldbörse, auf neudeutsch Mobile Wallet, zunächst als Hauptanwendung für NFC gesehen. Der Charme von NFC liegt, neben sehr geringen Kosten, in der einfachen Bedienbarkeit für den User: Man muss nur kurz das NFC-Handy oder die NFC-Karte an die NFC-Kasse halten, und schon ist der Zahlungsvorgang fertig. Hier fallen auch oft die Begriffe Tap & Pay oder One-Touch-Pay. Es gibt rund um den Globus schon seit 2006 etliche interessante NFC-Projekte.

Integriert: In den letzten Jahren haben immer mehr Smartphones aktive NFC-Module ab Werk unter die Rückwand bekommen, so auch das LG G2 Handy auf dem Foto. Sie können mit stromlosen, passiven NFC-Tags im Wert von unter einem Euro kommunizieren, im Bild rot, unten.
Integriert: In den letzten Jahren haben immer mehr Smartphones aktive NFC-Module ab Werk unter die Rückwand bekommen, so auch das LG G2 Handy auf dem Foto. Sie können mit stromlosen, passiven NFC-Tags im Wert von unter einem Euro kommunizieren, im Bild rot, unten.
Foto: Harald Karcher

Der flächendeckende Take-Off einer derart neuen Bezahl-Infrastruktur dauert allerdings Monate und Jahre. Hinter dem trivialen NFC-Bezahlen verbirgt sich nämlich ein komplexer Kreislauf, bei dem Banken, Kreditkarten-Institute, Smartphone-Hersteller, Mobilfunk-Provider, Secure-SIM-Karten-Hersteller, App-Entwickler, sowie möglichst viele NFC-Akzeptanstellen in möglichst vielen Kaufhäusern, Restaurants, Cafés, Taxen, Tankstellen, Buslinien und Bahnbetrieben zusammen spielen müssen. Außerdem muss auch der Handy-User das neue NFC-Verfahren akzeptieren und eventuelle Sicherheitsbedenken überwinden; das braucht seine Zeit.

Derweil haben sich viel simplere Anwendungen für NFC ergeben: Etwa Tap & Print, sprich Dranhalten & Drucken, direkt vom Smartphone auf den NFC-Drucker. Oder Tap & Play mit Dranhalten & Musik abspielen, direkt vom Handy auf den NFC-Lautsprecher. Oder Tap & Send: Fotos von einem NFC-Smartphone zu einem anderen NFC-Gerät senden. Dabei dient NFC aber nur als Koppelungs- und Verbindungs-Assistent für weitaus schnellere Funksorten, wie etwa Bluetooth oder WLAN: Über letztere laufen dann die großen Dateien.

Die weiteren NFC-Anwendungsmöglichkeiten sind schier uferlos: Lagerverwaltung, Identifizierung von Tieren, Bezahlen von Kleinbeträgen, Zutrittskontrolle, Personenidentifizierung, NFC-Tags mit Links zu passenden Informationen an Sehenswürdigkeiten, Schaufenstern oder Ladenregalen. Unterstützung von Fabrik-Automation, Heim-Automation oder beruflicher und persönlicher Tages-Organisation.

Kann man NFC nachrüsten?

Fast alle wichtigen aktuellen Top-Smartphones sind schon ab Werk mit aktiven NFC-Modulen ausgestattet. Auch Apple setzt beim neuen iPhone 6 und iPhone 6 Plus die NFC-Technologie ein. Nicht selten sitzt die NFC-Antenne an der Rückwand-Innenseite von Smartphones und Tablets. Bei Laptops sitzt die NFC-Antenne oft rechts vom Touchpad unter der rechten Handballenauflage.

NFC lässt sich sehr preiswert von den Herstellern verbauen. Daher wird NFC künftig in noch mehr Geräten drin sein, das muss man kaum noch selber nachrüsten. So viel zu den aktiven NFC-Geräten.

Der passivere NFC-Kommunikations-Partner, etwa ein NFC-Tag, muss nicht so intelligent sein wie das NFC-aktive-Handy und muss auch keine eigene Stromversorgung haben.

Deshalb kann man NFC-Chips und NFC-Antennen auch sehr preiswert in einem Aufkleber, in einer Plastikkarte oder in einem Schlüsselanhänger verbauen. NFC-Tag-Aufkleber gibt es für Endkunden im Internet-Versand schon unter einem Euro pro Stück. Sie werden durch Induktion vom Smartphone her mit Strom versorgt, aber nur so lange, wie sich das Gerät ganz nah am Tag befindet. Auf solche Tags kann der Handy-User binnen weniger Minuten auch selber eigene URLs, Navi-Adressen, NFC-Visitenkarten, Befehle und ganze Aktions-Folgen programmieren.

Solche passiven NFC-Tags kann man sehr preiswert "nachrüsten": zum Beispiel das Büro, das Auto und die halbe Wohnung mit Tags tapezieren, um das Gedächtnis zu entlasten oder den Alltag zu automatisieren. Oder NFC-Tags hinter Wandbilder kleben, damit das Handy die auf dem Foto gezeigte Person bei Berührung mit dem Smartphone anwählt.

Die extrem einfache Konstruktion und die günstigen Preise unterhalb von einem Euro erschließen den passiven NFC-Tags schier endlose Einsatz-Phantasien in Büros, Fabriken, Lägern, Handelsregalen, Krankenhäusern, Smart Homes und Smart Cities, die mit der ursprünglichen NFC-Vision vom drahtlosen Bezahlen nicht mehr viel zu tun haben.

Wie läuft das Pairing bei NFC?

Man legt das NFC-Handy auf die NFC-Kasse, und die Koppelung samt Zahlung erfolgt automatisch ohne bewusstes Pairing durch den User. Legt man ein NFC-Smartphone auf den NFC-Drucker, dann verbinden sich die beiden und es wird beispielsweise das gerade angezeigt Foto ausgedruckt. Also Handy kurz Dranhalten - und die Verbindung baut sich von selber auf: So einfach kann man auch NFC-fähige Kopfhörer, Lautsprecher, Headsets, Navi-Systeme, Freisprechanlagen, Fitnessarmbänder, Laptops, Tablets und Fernseher mit NFC-fähigen Smartphones verkoppeln. Soweit die graue Theorie.

In der Praxis muss man - unter anderem - erst mal lernen, wo die NFC-Antenne im eigenen Handy genau sitzt. Bei einigen Nokia Lumia Smartphones etwa sitzt die Antenne ganz "oben". Bei einigen getesteten LG-Smartphones saß der NFC-Sensor dagegen mittig unter dem Handy-Rücken.

Gerade bei sehr großen Smartphones muss man aufpassen, dass die irgendwo verbaute NFC-Antenne auch wirklich ganz dicht an den NFC-Tag des Kommunikations-Partners heran kommt, sonst passiert unter Umständen überhaupt nichts, wegen der extrem kurzen Reichweite von NFC. Beispiel: Man muss das Lumia 920 mit dem oberen Teil an eine ganz gestimmte Stelle des NFC-Kopfhörers von Monster halten, damit sich die beiden Kurzstrecken-Funker auch wirklich verkoppeln können. Auf manchen Geräten findet man ein kleines "N" gedruckt oder eingraviert: Just hinter diesem NFC-Symbol alias NFC-Touchpoint sollte dann auch meistens die NFC-Antenne sitzen. (cvi)