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Von der Ente zum Hoax

Falschmeldungen im Netz sind nicht tot zu kriegen

29.12.2009
Das Internet hat einem Phänomen zum globalen Durchbruch verholfen: dem Hoax, einst Falschmeldung oder auch Ente genannt. Manche Hoaxes sind humorvoll, andere schlicht schädlich.

Die Warnung war gut gemeint, doch leider an der Sache vorbei: Ende November warnte die Polizei in Gotha vor einer neuen Betrugsmasche. Verbrecher würden Kleinstbeträge auf zufällig erzeugte Kontonummern überweisen. "Erfolgt keine Fehlermeldung, heißt das "das Konto existiert"", warnen die Ermittler - und dann buchten die Betrüger Geld ab. Viele Verbände und später auch Medien griffen die Warnung auf und verbreiteten sie weiter. Doch tatsächlich handelte es sich bei ihr wohl um eine eine Falschmeldung, die sich mit rasender Geschwindigkeit verbreitet - vor allem im Internet.

Meist werden solche "Hoaxes" - englisch für Schabernack oder Falschmeldung - per E-Mail weitergeleitet. Wenige Klicks und schon haben die nächsten zehn Leute den Kettenbrief im Posteingang. Die Klassiker warnen vor neuen Computerviren oder suchen nach Knochenmarkspendern. Oder es wird gar versprochen, am Vermögen von Microsoft-Gründer Bill Gates beteiligt zu werden - wenn man die Mail an 20 Menschen weiterleitet (siehe auch:: "Angelina J., Königin des Hoaxes").

"Das typische Kennzeichen, das sofort die eigene Alarmklingel auslösen sollte, ist die Aufforderung "Bitte weiterleiten!"", sagt Hoax-Experte Frank Ziemann. Er betreibt seit vielen Jahren die Internetseite hoax-info.de, auf der er vor den Falschmeldungen warnt.

Der neueste Eintrag des IT-Beraters beschäftigt sich mit den ominösen Kleinst-Überweisungen. "Die ersten Meldungen darüber tauchten im Sommer 2008 in Österreich auf", sagt Ziemann. Mehrere Verbraucher hätten sich über unerlaubte Abbuchungen von ihren Konten beschwert, nachdem sie vorher Mini-Beträge überwiesen bekommen hätten. In den per E-Mail verbreiteten Warnungen wurde die Firma Verimount FZE als Täter genannt. Diese sei Verbraucherschützern schon durch bekannte Abzock-Seiten wie firstload.de bekannt.

Verbraucherschützer vermuten aber, dass der Betrug anders läuft: "Ein Nutzer geht auf eine Seite und meldet sich für einen kostenlosen Download an. Im Kleingedruckten steht aber, dass man damit gleichzeitig ein Abo über zwei Jahre abschließt, was dann 96 Euro kostet", erklärt Ziemann. Wenn dann ein Cent auf dem Konto landet, um zu prüfen, ob die Kontodaten stimmen, und kurz später der Betrag abgebucht wird, hätten die meisten Betroffenen schon längst vergessen, dass sie ihre Kontodaten selbst herausgegeben haben.

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