Mangelware Blockchain-Fachleute

Experten händeringend gesucht

14.01.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Seit Januar 2017 ist Sonja Pierer Geschäftsführerin der Experis GmbH. Sie hat die ManpowerGroup-Tochter erfolgreich transformiert und Skills in den Bereichen IT, Engineering, Industrie 4.0, Cloud Architektur, Embedded Systeme und IoT ausgebaut. Nach ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik durchlief sie unterschiedliche Führungspositionen bei Cisco Systems Germany sowie einem Anbieter von Cloud Lösungen.
Unternehmen sehen in der Blockchain eine Schlüsseltechnologie. Doch der Mangel an IT-Fachleuten wird zum Hemmschuh für entsprechende Projekte.

"Blockchain? Das ist doch die Technologie, die hinter der Cyber-Währung Bitcoin steckt." Diese Einschätzung ist häufig zu hören. Stimmt, aber die Blockchain lässt sich nicht nur dafür nutzen, um virtuelles Geld zu "schürfen". Unternehmen können die Blockchain dazu nutzen, um Transaktionen aller Art sicher und transparent durchzuführen – ohne Vermittler oder Stellen, die einen Vorgang beglaubigen. Das macht diese Technologie für viele Nutzer interessant.

Arbeitgeber suchen händeringend IT-Experten, vor allem solche mit aktuellem Know-how wie zum Beispiel mit Blockchain-Wissen.
Arbeitgeber suchen händeringend IT-Experten, vor allem solche mit aktuellem Know-how wie zum Beispiel mit Blockchain-Wissen.
Foto: Pressmaster - shutterstock.com

Doch wer entsprechende Pilotprojekte starten möchte, sieht sich nicht nur mit technischen Herausforderungen konfrontiert. Ein Hindernis ist der Mangel an IT-Fachleuten, mit deren Hilfe sich Konzepte für den Einsatz der Blockchain umsetzen lassen. Denn bereits jetzt haben Unternehmen erhebliche Probleme, Fachkräfte zu finden, wie die Studie "Fachkräftemangel 2018" der ManpowerGroup belegt. Demnach fällt es in Deutschland mit 51 Prozent überdurchschnittlich vielen Firmen schwer, Fachkräfte zu finden. Das gilt auch für IT-Experten: Sie zählen zu den Top 6 derjenigen Berufsgruppen, die in besonders hohem Maße gesucht sind.

Der weltweite Fachkräftemangel ist 2018 in allen Regionen der Welt auf das höchste Niveau seit 2006 gestiegen (Erhebung 2017).
Der weltweite Fachkräftemangel ist 2018 in allen Regionen der Welt auf das höchste Niveau seit 2006 gestiegen (Erhebung 2017).
Foto: Fachkräftemangel 2018, ManpowerGroup

Boom fordert Know-how und Personal

Dass derzeit viele Unternehmen Projekte im Bereich Blockchain umsetzen wollen, verursacht einen hohen Bedarf an Fachkräften. Hier ist der Markt quasi leergefegt. In der Folge kommen die Blockchain-Projekte nicht voran. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungshauses Deloitte. Im Rahmen der Untersuchung wurden Führungskräfte in führenden Wirtschaftsnationen befragt, darunter den USA, China, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Demnach verfügen 28 Prozent der Unternehmen nicht über das nötige Wissen für die Implementierung von Blockchain-Lösungen.

Blockchain ist wichtiger Wettbewerbsfaktor

Diese Situation ist für Arbeitgeber unbefriedigend. Denn rund 53 Prozent der deutschen Unternehmen stufen die Blockchain als eine der Technologien ein, die für ihre Wettbewerbsfähigkeit große Bedeutung haben. Das ergab eine Untersuchung des deutschen Digitalverbandes Bitkom. Kein Wunder also, dass Weiterbildungsangebote wie etwa von Universitäten derzeit boomen. Zu den ersten Branchen, die sich intensiv mit der Blockchain beschäftigten, zählt der Finanzsektor.

Laut einer weltweiten Studie des Beratungshauses PwC, bei der Führungskräfte aus allen Branchen befragt wurden, sehen 46 Prozent der befragten Teilnehmer den größten Nutzen dieser Technologie in diesem Bereich. Allerdings haben auch Fertigungsunternehmen und Firmen aus dem Konsumgütersektor entsprechende Pilotprojekte gestartet. In Deutschland hat sich zudem unter Führung der Automobilzulieferer Bosch und ZF Friedrichhafen die Mobility Open Blockchain Initiative (Mobi) formiert. Ziel ist die Entwicklung standardisierter Blockchain-Services für die Automobilindustrie.

Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen stuft die Blockchain als Schlüsseltechnologie ein, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom
Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen stuft die Blockchain als Schlüsseltechnologie ein, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom
Foto: TechTrends, Bitkom Research

Ein weiteres Einsatzfeld ist das Identitätsmanagement: Unternehmen können mithilfe der Blockchain beispielsweise das "Onboarding" von Mitarbeitern einfacher gestalten. Neue Beschäftigte hinterlegen dazu ihre persönlichen Daten in einer Blockchain und räumen dem Arbeitgeber das Recht ein, darauf zuzugreifen. Dadurch müssen die Daten nicht manuell in die IT-Systeme des Unternehmens transferiert werden.

IT-Freelancer "retten" Blockchain-Projekte

Doch ob solche Initiativen den erhofften Nutzen bringen, hängt maßgeblich davon ab, ob Unternehmen und Organisationen über IT-Spezialisten mit Blockchain-Know-how verfügen. Eine Option besteht darin, auf freiberufliche Fachkräfte zurückzugreifen. Diesen Weg wählen immer mehr Unternehmen in Deutschland, so die Studie "IT-Freiberufler 2018" von IDG Research Services und Experis. Demnach stieg der Anteil der Unternehmen, die ihre Freiberuflerquote 2018 erhöht haben, von 45 auf 62,5 Prozent.

Zudem will mehr als ein Drittel der Befragten künftig noch stärker auf externe IT-Fachkräfte setzen. Für Unternehmen, die sich auf dem Gebiet Blockchain engagieren möchten, sind IT-Freelancer daher eine wichtige Option, um den Mangel an festangestellten IT-Fachkräften zu kompensieren. Mithilfe von Freiberuflern haben sie die Möglichkeit, Pilotprojekte zu starten und auszuloten, welche Chancen ihnen die Blockchain-Technologie bietet.