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Ex-Wallstreet-Starbanker Frank Quattrone verurteilt

04.05.2004

Der frühere Leiter der Abteilung Technologie-Investmentbanking bei Credit Suisse First Boston (CSFB), Frank Quattrone, ist am gestrigen Montag im zweiten Anlauf der Justizbehinderung sowie der Zeugenbeeinflussung für schuldig befunden worden. Das New Yorker Geschworengericht sah es Medienberichten zufolge für erwiesen an, dass der ehemalige Starbanker der Wallstreet versucht hat, Beweise zu vernichten und die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC und der Bundesanwaltschaft zu behindern. Ein erster Prozess gegen Quattrone war im Oktober 2003 geplatzt, nachdem sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten.

Der ursprüngliche Vorwurf, Quattrone habe Investment-Kunden bei besonders lukrativen Dotcom-Börsengängen Aktien zugeschanzt, erhärtete sich allerdings auch in diesem Prozess nicht. Während des Verfahrens räumte der 48-jährige Investment-Banker zwar ein, dass er die Zuteilung von heißen Aktien gelegentlich beeinflusst habe. Diese Aussage allein reichte aber nicht, um ihm daraus einen Strick zu drehen. Um Anschuldigungen dieser Art aus der Welt zu schaffen, hatte CSFB bereits vor zwei Jahren 100 Millionen Dollar Strafe an die US-Börsenaufsicht gezahlt, ohne ein Schuldeingeständnis abzugeben.

Als handfester Beweis erwies sich hingegen eine E-Mail, die Quattrone im Dezember 2000 an die Mitglieder seiner Abteilung weitergeleitet hatte. Darin erinnerte er alle Angestellten mit Dringlichkeit an die Richtlinie, regelmäßig alte Dokumente und Daten zu vernichten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Untersuchungsbehörden bereits Unterlagen bei CSFB angefordert. Mit dem Schuldspruch droht dem Starbanker nun eine Gefängnisstrafe von ein bis zwei Jahren. Das Urteil wird voraussichtlich am 8. September 2004 verkündet werden.

Quattrone, der früher bei der Deutschen Bank beschäftigt war, wurde zu den Boomzeiten des Internet zu einer der schillerndsten Gestalten an der Wall Street. Er war unter anderem an den Börsengängen von Netscape und Amazon beteiligt und soll zeitweise auf ein Jahreseinkommen von mehr als 100 Millionen Dollar gekommen sein. (mb)