ServiceNow-Boss Donahoe geht zu Nike

Ex-SAP-CEO Bill McDermott wird neuer Chef von ServiceNow

23.10.2019
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Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Der schnelle Abgang von Bill McDermott bei SAP hatte offenbar seinen Grund. Der US-Manager wird ab Anfang 2020 den Service-Management- und Workflow-Spezialisten ServiceNow führen. Dessen Chef John Donahoe wechselt zu Nike.

Das CEO-Karussell dreht sich. Der erst vor wenigen Tagen überraschend zurückgetretene SAP-Vorstandsvorsitzende Bill McDermott heuert als President und CEO bei ServiceNow an und löst dort John Donahoe ab, der Anfang 2020 auf den Chefsessel von Nike wechselt. Die Management-Rochaden sollen Ende dieses Jahres erfolgen. Bis dahin will McDermott sein Nachfolger-Duo bei SAP, Jennifer Morgan und Christian Klein, beraten und für einen möglichst reibungslosen Übergang sorgen. Donahoe wird seinen Platz im Aufsichtsrat von ServiceNow bis Juni 2020 behalten, ebenfalls um den Wechsel möglichst geräuschlos über die Bühne zu bringen, hieß es.

Mit dem Wechsel zu ServiceNow wird Bill McDermott künftig ein deutlich keineres Unternehmen führen als SAP.
Mit dem Wechsel zu ServiceNow wird Bill McDermott künftig ein deutlich keineres Unternehmen führen als SAP.
Foto: SAP

"Der Vorstand von ServiceNow ist begeistert, dass Bill McDermott dem Unternehmen beitritt", sagte Jeff Miller, Lead Independent Director des ServiceNow-Aufsichtsrats. Er verwies auf McDermotts globale Erfahrung und seine Erfolgsbilanz bei SAP. Der Manager habe den Marktwert des Softwarekonzerns in seiner Amtszeit auf etwa 140 Milliarden Dollar verdreifacht und dessen Transformation in einen Cloud-Anbieter vorangetrieben. Bill werde die Dynamik und den Ruf von ServiceNow als führendes Unternehmen für digitale Workflows weiter stärken, beschreibt Miller seine Erwartungshaltung an den neuen CEO.

"ServiceNow ist eines der spannendsten Innovations- und Wachstumsunternehmen der Welt", sagte McDermott über seinen künftigen Brötchengeber. Der Softwareanbieter verfüge über eine Transformationsplattform, enorm talentierte Kollegen und grenzenlose Potenziale. "Ich betrachte es als eine persönliche Ehre, John zu folgen und dazu beizutragen, das nächste Kapitel aufzuschlagen. Ich kann es kaum erwarten, loszulegen!"

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Der scheidende ServiceNow-Chef Donahoe äußerte sich zufrieden mit dem Erreichten. Er hatte das Unternehmen seit April 2017 geführt. In dieser Zeit verbuchte der Workflow- und Service-Management-Spezialist Quartal für Quartal Zuwächse jenseits der 30-Prozent-Marke. Die Marktkapitalisierung verdreifachte sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren - dafür brauchte McDermott bei SAP über neun Jahre. Vielleicht ist das der Grund, warum die ServiceNow-Aktionäre den Deal skeptisch sehen. Nach Bekanntgabe des Wechsels brach die Aktie von ServiceNow zeitweilig um zwölf Prozent ein.

Der Unterschied in der Unternehmensdynamik dürfte die große Herausforderung für den scheidenden SAP-Lenker werden, der immerhin die zurückliegenden 17 Jahre seiner Karriere bei den Walldorfern verbracht hatte. Der 1972 gegründete Softwarekonzern aus dem Badischen betreut rund 437.000 Kunden in über 180 Ländern und hat knapp 100.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtumsatz bei knapp 25 Milliarden Euro.

Gemischte Bilanz von McDermott bei SAP

Die Wurzeln SAPs liegen im klassischen On-premise-Lizenzgeschäft. Die Transformation in Richtung Cloud fiel den Deutschen alles andere als leicht. McDermott trieb den Umbau vor allem mit Milliarden-schweren Akquisitionen voran. Kritiker warfen dem Manager allerdings vor, zu viel bezahlt und die Integration der zugekauften Lösungen vernachlässigt zu haben.

ServiceNow ist deutlich kleiner. Das 2003 gegründete Unternehmen orientierte sich von Anfang in Richtung Cloud. Der im kalifornischen Santa Clara beheimatete Anbieter betreut gut 5400 Kunden weltweit und hat knapp 8700 Mitarbeiter. 2018 lag der Jahresumsatz bei 2,6 Milliarden Dollar.

Allerdings wächst ServiceNow sehr schnell. In den zurückliegenden sieben Jahren hat der Anbieter 13 Unternehmen akquiriert, zuletzt vor allem um sein Portfolio mit KI- und Analytics-Funktionen zu erweitern. Im Zuge der Ankündigung des neuen CEO wurden auch vorläufige Zahlen für das dritte Geschäftsquartal bekannt gegeben. Demnach legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 32 Prozent auf knapp 886 Millionen Dollar zu.

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Donahoe, der maßgeblich für die Entwicklung von ServiceNow verantwortlich war, übernimmt am 13. Januar 2020 den CEO-Posten bei Nike. Der derzeitige Nike-Chef Mark Parker, der den Sportartikelhersteller seit 2006 geführt hatte, wechselt auf den Chefsessel im Aufsichtsrat. In diesem Aufsichtsrat sitzt auch Donahoe seit 2014. "Ich freue mich sehr, dass John unser Team verstärken wird", sagte Parker. Sein Know-how in den Bereichen Digital Commerce und Technologie mache ihn zu einem idealen Partner, um den digitalen Wandel bei Nike zu beschleunigen.

Sportschuhe statt Enterprise Service Management - mit dem Wechsel zu Nike wird sich John Donahoe, derzeit noch CEO von ServiceNow, umstellen müssen.
Sportschuhe statt Enterprise Service Management - mit dem Wechsel zu Nike wird sich John Donahoe, derzeit noch CEO von ServiceNow, umstellen müssen.
Foto: ServiceNow

Mit dem Umzug zu Nike wechselt Donahoe in eine höhere Liga. Der Konzern ist eine Topadresse in der weltweiten Wirtschaft. Das in Beaverton, Oregon, ansässige Unternehmen beschäftigt fast 77.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 34 Milliarden Dollar. Nike stand zuletzt wegen seines Oregon-Projekts in der Kritik. Der dort tätige Star-Trainer Alberto Salazar war wegen Doping-Vorwürfen in der Leichtathletik gesperrt worden. Nike stellte das speziell für Spitzenathleten ausgelegte Trainings-Projekt daraufhin ein.