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Ex-Mannesmann-Aufsichtsräte unter Verdacht

24.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zwei Jahre nach der Vertragsunterzeichnung zur Übernahme von Mannesmann durch den britschen Handykonzern Vodafone ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen mehrere ehemalige Mannesmann-Aufsichtsräte. Im Visier der Ankläger stehen nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Klaus Zwickel von der IG Metall sowie fünf weitere Beschuldigte. Sie werden der Untreue im Zusammenhang mit den mehr als 200 Millionen Mark hohen Abfindungen verdächtigt, die damals gezahlt worden waren. Die Staatsanwaltschaft, die in dem Fall seit August 2001 ermittelt, wollte den Bericht nicht kommentieren.

Der damalige Mannesmann-Chef Klaus Esser, der sich bis zuletzt gegen die Übernahme gewehrt hat, konnte eine Abfindung von knapp 60 Millionen Mark einstreichen. Sein Team brachte es dem Bericht zufolge auf 31 Millionen Mark, weitere 60 Millionen Mark gingen an pensionierte Vorstandsmitglieder und die Angehörigen verstorbener Topmanager. Für den Verdacht der Bestechung gebe es keine Hinweise, hieß es. Hingegen habe es unrechtmäßige Zahlungen gegeben, die nicht im wirtschaftlichen Interesse Mannesmanns gewesen seien. IG-Metall-Chef Zwickel hatte vergangenes Jahr eingeräumt, sich bei der Abstimmung im Aufsichtsrat enthalten und damit einen Fehler gemacht zu haben. Laut der "Süddeutschen Zeitung" gilt die Anklage als sicher. Ein Sprecher der Deutschen Bank bezeichnete die Anklage wegen Verdachts auf Untreue gegen Ackermann aus rechtlicher Sicht für abwegig. (ajf)