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Europas Wirtschaft leidet an IT-Schwäche

06.09.2005
Fehlende Investitionsbereitschaft und eine Wirtschaftspolitik, die den produktiven Einsatz von IuK-Technik behindert, sollen für den wirtschaftlichen Niedergang Europas in den vergangenen zehn Jahren verantwortlich sein.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Fehlende Investitionsbereitschaft der Unternehmen und eine Wirtschaftspolitik, die den produktiven Einsatz von I+K-Technik behindert, sind für den wirtschaftlichen Niedergang Europas in den vergangenen zehn Jahren verantwortlich. Diese These vertritt das Londoner Marktforschungsunternehmen Indepen Consultants Ltd. in einem Bericht, der vom britischen Ministerium für Handel und Industrie als Diskussionsbeitrag für die heute beginnende EU-Konferenz "i2010: European Information Society 2010" in Auftrag gegeben wurde.

In dem Bericht müssen sich die Kernländer der Europäischen Gemeinschaft sagen lassen, dass sie zu wenig beziehungsweise falschen Gebrauch von der global verfügbaren Informations- und Kommunikationstechnik gemacht hätten, weshalb sie in Sachen Produktivität und Wachstum hinter anderen Volkswirtschaften zurückgeblieben seien.

In den vergangenen 50 Jahren habe Europa gezeigt, dass es zu schnellem wirtschaftlichen und sozialem Fortschritt fähig sei, so der Report. Aber die Verhaltensmuster, die früher Erfolg verhießen, funktionierten heute nicht mehr. Zwischen 1996 und 2000 hätten die I+K-Techniken in den USA 80 Prozent zum jährlichen Produktivitätswachstum beitragen, in den 15 Kernstaaten der Europäischen Gemeinschaft hingegen nur 42 Prozent.

Der höhere Produktivitätszuwachs in den USA hat offenbar nichts mit dem Anteil der I+K-Anbieter am Bruttoinlandsprodukt zu tun; dieser sei in Europa etwa genauso hoch, konstatiert Indepen. Vielmehr hänge er damit zusammen, dass die Unternehmen jenseits des Atlantiks mehr in die Technik investierten. Der Anteil der IT- und TK-Investitionen an den Gesamtaufwendungen sei dort anderthalb mal so hoch wie hier. Das Business gibt mehr Geld für I+K aus und erzielt deshalb größere Produktivitätsgewinne, so die einfache Gleichung. Hier zieht der Report Parallelen zu anderen "General-Purpose"-Techniken wie Dampf und Eisenbahn sowie Elektrizität

Der produktive und profitable Einsatz von IT und TK erfordert Veränderungen in der Organisation, im Management und in der geografischen Ansiedlung von Aktivitäten, erläutert der Bericht. Einmal mehr wird hier der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter zitiert, der die "kreative Zerstörung" propagierte. Folglich reiche es auch nicht aus, wenn die EG-Stammländer einfach mehr in die Technik und die Ausbildung der Mitarbeiter investierten. Damit einhergehen müsse die wirtschaftliche "Flexibilisierung". (qua)