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Europäischer CRM-Markt hinkt hinterher

28.07.2006
Die europäischen Geschäfte mit Lösungen für das Customer Relationship Management (CRM) legten 2005 im Vergleich zum Vorjahr um knapp zehn Prozent zu. Damit kann der Markt allerdings nicht mit dem weltweiten Wachstum mithalten.

Die Softwareanbieter verdienten laut einer Untersuchung des Martkforschungsunternehmens Gartner mit ihren CRM-Lösungen in Europa im vergangenen Jahr knapp 1,94 Milliarden Dollar. Das bedeutet ein Plus von 9,7 Prozent gegenüber den rund 1,77 Milliarden Euro aus dem Jahr zuvor. Im Vergleich zum weltweiten Wachstum gerät die Alte Welt mit diesen Zahlen allerdings ins Hintertreffen. Global konnten die Anbieter von Software für das Kunden-Management von 2004 auf 2005 um 13,7 Prozent zulegen (siehe auch: Gartner: Im CRM-Markt zählen Microsoft, SAP und Salesforce.com zu den Gewinnern). Auch gegenüber dem Wachstum aus weiter zurückliegenden Jahren verlor der europäische Markt an Dynamik. So hatte das Marktwachstum von 2003 auf 2004 noch 15,4 Prozent betragen.

Grund zur Besorgnis sehen die Gartner-Analysten indes nicht. Der europäische CRM-Markt sei extrem fragmentiert, berichtete Chris Pang, Senior Research Analyst von Gartner. Das CRM-Wachstum hänge eng mit der gesamtwirtschaftlichen Situation in den einzelnen Ländern zusammen. Demnach wachse das CRM-Geschäft in Ländern wie Italien und Deutschland, die mit Wachstumsproblemen zu kämpfen haben, deutlich langsamer. Dagegen könnten sich die Anbieter in wachstumsstärkeren Nationen wie Großbritannien und den skandinavischen Ländern über wesentlich bessere Geschäfte freuen. Pang zufolge liege das Wachstumsspektrum der verschiedenen CRM-Märkte zwischen leicht negativ bis zu über 27 Prozent plus.

Das Wachstum gebremst haben Gartner zufolge auch die zahlreichen Akquisitionen der jüngeren Vergangenheit. Dies sei Ausdruck des härter werdenden Wettbewerbs, der auch zunehmend die Preise unter Druck setze. Die Marktforscher gehen davon aus, dass die Übernahmewelle auch in den kommenden Jahren durch den CRM-Markt rauschen wird. Ein Drittel der Softwareanbieter werde darin untergehen.

Das europäische CRM-Geschäft dominiert nach wie vor SAP. Der größte europäische Anbieter von Business Software nahm im vergangenen Jahr 628,5 Millionen Dollar mit CRM-Produkten in Europa ein. Das sind 13,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit steigerten die badischen Softwerker ihren Marktanteil von 31,4 auf 32,4 Prozent. Auf Platz zwei folgt der mittlerweile von Oracle übernommenen CRM-Spezialist Siebel, der seine Umsätze von 290,6 auf 312,1 Millionen Dollar steigern konnte. Das reichte für einen Marktanteil von 16,1 Prozent, etwas weniger als die 16,5 Prozent aus dem Jahr 2004. Oracle tat offenbar gut daran, in CRM zu investieren. Die Umsätze mit den eigenen Produkten reduzierten sich 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 13,3 Prozent von 140,3 auf 121,6 Millionen Dollar. Mit einem Marktanteil von 6,3 Prozent (2004: 7,9 Prozent) reichte es aber noch für Platz drei. Die Top Five komplettieren SAS Institute und Amdocs.

Microsoft und On-Demand-Spezialist Salesforce.com tauchen nicht unter den führenden fünf CRM-Anbietern Europas auf. Beide Anbieter wiesen Gartner zufolge jedoch die höchsten Wachstumsraten auf. Microsoft gelang es demnach sein CRM-Geschäft um 88,1 Prozent zu steigern. Salesforce.com liegt mit einem Plus von 86,4 Prozent nur knapp dahinter.

Gefragt sind laut Einschätzung der Marktforscher derzeit vor allem CRM-Lösungen für das Marketing. Dieses Segment konnte im zurückliegenden Jahr um 18,4 Prozent zulegen. Produkte für den Vertrieb waren ebenfalls deutlich stärker gefragt. Dieser Bereich legte 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 12,1 Prozent zu. (ba)