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EU will Restrukturierungsbeihilfe für Bull genehmigen

30.08.2004

Die Chancen des französischen IT-Konzerns Groupe Bull, seine angespannte Finanzlage wieder in den Griff zu bekommen, stehen gut: Presseberichten zufolge wird die EU-Kommission möglicherweise noch vor Ende Oktober grünes Licht für die geplante staatliche Restrukturierungshilfe von 517 Millionen Euro geben. Wie die französische Tageszeitung "Le Figaro" unter Berufung auf informierte Kreise meldet, gibt es seitens der Brüsseler Behörde keine Einwände gegen die erneute Finanzspritze, da Bull vorwiegend Aufträge der französischen Regierung erhalte und keinen nennenswerten Marktanteil besitze.

Die EU-Kommission befasst sich bereits seit Mitte März mit dem Antrag Frankreichs. Die gewünschte Restrukturierungsbeihilfe soll es Bull ermöglichen, einen staatlichen Kredit über 450 Millionen Euro plus Zinsen zurückzuzahlen. Diese Schulden sollte Bull laut Forderungen der EU-Kommission schon Mitte Juni 2003 begleichen, war dazu aber ohne fremde Hilfe nicht in der Lage.

Um den Bestimmungen der EU-Kommission zu entsprechen, darf die französische Regierung die Beihilfe erst Anfang 2005 überweisen. So besagt eine Vorschrift, dass zwischen staatlichen Unterstützungsrunden für Unternehmen mindestens ein Intervall von zehn Jahren liegen muss. Zuletzt war die Regierung Bull 1994 mit einer Finanzspritze in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zu Hilfe gekommen.

Die Restrukturierungshilfe ist Teil eines groß angelegten Rettungsplan für Bull: So sind die privaten Gläubiger von Bull bereit, auf 90 Prozent ihrer Anleihen zu verzichten und den Rest in Bull-Aktien umzuwandeln. Frankreich als Großaktionär und Gläubiger darf selbst keinen Schuldenerlass gewähren. Als Gegenleistung für die Finanzspritze muss Bull ab 2005 acht Jahre lang 23,5 Prozent seines Vorsteuergewinns an den französischen Staat abführen. (mb)