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EU: Die Uhr tickt für Microsoft

12.05.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Europäische Union erhöht offenbar ihren Druck auf Microsoft, sich den Auflagen aus dem Kartellurteil vom März vergangenen Jahres weitergehend zu unterwerfen. "Unsere Geduld misst sich jetzt in Wochen, nicht in Monaten", erklärte ein Sprecher der Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Sie hatten mehr als ein Jahr Zeit. Microsoft weiß, dass es nicht zu unserer Zufriedenheit kooperiert, und wir können sie jeden Tag mit bis zu fünf Prozent ihres weltweiten Tagesumsatzes bestrafen."

Microsoft kenne den genauen Termin, an dem es dem Urteil entsprechen müsse. Die Kommission habe sich aber "aus taktischen Gründen" entschieden, dieses Datum nicht öffentlich zu machen. Brüssel hatte Microsoft dazu verpflichtet, ein Windows ohne Media Player anzubieten (für das sich niemand interessiert) und konkurrierenden Server-Herstellern Informationen zur Interoperabilität mit Windows zu überlassen.

Speziell der letzte Punkt ist aus Sicht der Wettbewerbshüter bislang nicht erfüllt - unter anderem wegen der hohen Lizenzgebühren, die Microsoft für den Zugang zu seinen Protokollen verlangt. "Die Gebühren sollten dem Grad der Innovation in dem Produkt entsprechen und nicht der Monopolmacht", erklärte der Kommissionssprecher. Auch beim Windows ohne Media Player gelte es noch Probleme aus der Welt zu räumen.

Ein Sprecher von Microsoft wollte zur von der EU gesetzten Deadline keine Auskunft geben. "Über das Timing und die Inhalte der Gespräche möchte ich nichts sagen", so der Microsoft-Mann. "Wir arbeiten weiter fleißig und schnell daran, die offenen Fragen zu klären." Neelie Kroes hatte sich Ende vergangenen Monats mit Microsoft-Chef Steve Ballmer getroffen, um den Stand der Dinge zu diskutieren. Anschließend hatte sie erklärt, Microsoft müsse sich dem Urteil "dringend und zur Gänze" beugen. (tc)