Zwei Drittel verschlüsseln ihre Daten nicht

ESET-Studie: Deutsche sind Verschlüsselungsmuffel

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Egal, ob EFail oder GDPR, über das Thema Verschlüsselung wird derzeit viel diskutiert. Nur die Deutschen scheint das nicht zu interessieren: Sie sind wahre Verschlüsselungsmuffel.
Am ehesten verschlüsseln die Deutschen im privaten Umfeld noch ihre E-Mails.
Am ehesten verschlüsseln die Deutschen im privaten Umfeld noch ihre E-Mails.
Foto: ESET

Wie halten es die datenschutzbewussten Deutschen wirklich mit der Sicherheit ihrer eigenen Daten? Vorsätzlich fahrlässig - so lautet das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des IT-Sicherheitsunternehmens ESET unter mehr als 5.000 Internetnutzern. Das Security-Unternehmen hatte im Rahmen der Studie "ESET Faktencheck: Verschlüsselung" das Umfrageinstitut Civey beauftragt, 5.000 Internutzer auf deutschsprachigen Online-Seiten zu befragen.

Private Fotos, Rechnungen, Kontoauszüge oder Röntgenaufnahmen lagern bei jedem zweiten unverschlüsselt auf Datenträgern oder in der Cloud - quer durch alle Altersgruppen und Bildungsschichten. Und es kommt noch dicker: 12 Prozent der Befragten wissen nicht mal genau, ob sie Ihre Daten überhaupt schützen. Dabei ist Verschlüsselung acht von zehn Bundesbürgern eigentlich ein Begriff.

"Die Schere zwischen Kenntnis und Einsatz ist schockierend für eine Nation, die als datenschutzbesessen gilt. Die Pflicht zum Datenschutz gilt anscheinend nur für Firmen oder Behörden - wenn es um eigene Sicherheitsmaßnahmen für privaten Daten geht, fühlen sich Deutsche nicht verantwortlich oder nehmen möglicherweise das Thema nicht ernst", sagt Thomas Uhlemann, Security Specialist bei ESET.

E-Mail kryptisch, Backup offen wie ein Scheunentor

Verschlüsselung-Muffel: Bei den meisten Usern ist der Zugang zu den privaten Daten offen wie ein Scheunentor.
Verschlüsselung-Muffel: Bei den meisten Usern ist der Zugang zu den privaten Daten offen wie ein Scheunentor.
Foto: ESET

Wenn die Deutschen Daten verschlüsseln, ist ihnen dies bei E-Mails am wichtigsten. (21 Prozent). Dahinter folgen Cloud-Dienste (19,2 Prozent) und Festplatten oder Wechselmedien (17,8 Prozent). Messenger, Backups oder Verzeichnisse spielen nur eine untergeordnete Rolle. "Die E-Mail-Kommunikation zu schützen ist wichtig. Aber Nutzer sollten unbedingt auch Inhalte in Cloud-Diensten, Backups und Festplatten verschlüsseln", führt Uhlemann aus. Sei ein Datensatz so geschützt, könnten Cyberkriminelle nicht mehr darauf zugreifen und Daten kompromittieren.

Digital Natives sind keine Vorbilder

Wer glaubt, dass die mit den digitalen Medien Aufgewachsenen sich vor den Gefahren umfangreicher schützen, muss sich eines Besseren belehren lassen. Zwei Drittel der Generation Y (18-29 Jahre) verschlüsseln gar nicht oder nur einen geringen Teil. Die 30-39-Jährigen machen es nicht besser: Gerade einmal 31,7 Prozent dieser Altersgruppe codieren alle Daten oder den überwiegenden Teil. Im Vergleich zu Rentnern (ab 65 Jahre), denen fälschlicherweise mangelnde Sicherheitsmaßnahmen unterstellt werden, schneiden sogar beide Altersgruppen noch schlechter ab (31,8 Prozent).

Selbst ist die Frau

Betrachtet man die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, so zeigen beide Geschlechter ein ähnliches Wissen über Verschlüsselung und ähnliche Nachlässigkeit, wenn es um deren Anwendung geht. Zwar liegen die Männer knapp vorne, wenn es um das reine Wissen über die Begrifflichkeit geht - 88 Prozent von ihnen ist Verschlüsselung bekannt (im Vergleich zu 80% der Frauen). Dafür sind Frauen sensibler, wenn es um den Einsatz dieser Technik geht. 34 Prozent der Frauen geben an, mindestens einen überwiegenden Teil ihrer Daten mit geeigneter Software zu verschlüsseln. Damit haben sie die Nase leicht vorn im Vergleich zu den Männern (32,3 %).

Fazit des Experten

Ergebnisse, die für Uhlemann erschreckend sind, denn schließlich verschlüsseln fast zwei Drittel der Nutzer praktisch keine privaten Daten. Ein Verhalten das Uhlemann zufolge mehrere Ursachen haben kann. Zum einen könnten die Nutzer die Gefahren unterschätzen, zum anderen könnten entsprechende Lösungen als zu teuer erscheinen. Oder es hapert möglicherweise an der Usability.