Tech-Rezession

Big Tech baut Personal ab

Update  24.01.2023
Von Redaktion Computerwoche
IT-Unternehmen entlassen im großen Stil. Microsoft, Amazon, Salesforce und jetzt auch SAP begründen den Aderlass mit der schwachen Konjunktur und Überkapazitäten. (Letztes Update am 27. Januar 2023)
  • In diesem Beitrag aktualisieren wir ständig Informationen zum Personalabbau in Technologiekonzernen
  • Zwischen 10.000 und 20.000 Stellen streichen allein Amazon, Microsoft und Google
  • Schwache Konjunktur, nachlassende Konsumkraft aufgrund der hohen Inflation und kriegsbedingte Unsicherheiten setzen den Geschäften zu
Die Rezession macht auch vor dem Tech-Sektor nicht halt.
Die Rezession macht auch vor dem Tech-Sektor nicht halt.
Foto: Lee Charlie - shutterstock.com

Wer wissen will, ob und und in welchem Ausmaß Tech-Unternehmen angesichts der unsicheren Wirtschaftslage Personal abbauen, kann sich auf Seiten wie layoffs.fyi oder TrueUp einen Überblick verschaffen. Diese Tracker von Arbeitsmarktzahlen zeichnen ein eher düsteres Bild. Layoffs spricht im Jahr 2022 von 154.000 abgebauten Tech-Arbeitsplätzen in 1.021 Technologieunternehmen (Stand: 31. Dezember 2022). Bei TrueUp ist sogar von knapp 238.000 Jobstreichungen die Rede. Allein im November 2022 sollen über 60.000 Beschäftigte entlassen worden sein, im Januar 2023 wird die Zahl weiter steigen. Aktuell prägen Personalabbau-Maßnahmen bei Google, Microsoft, Amazon, Meta und Salesforce die Statistik. Die Dunkelziffer soll noch viel höher sein.

Viele Unternehmen haben während der Corona-Pandemie zu viel Personal eingestellt und legen jetzt angesichts der Wirtschaftskrise und der nachlassenden Geschäftsaktivitäten den Rückwärtsgang ein. Nicht wenige Betriebe nutzen die Situation allerdings auch, um die Under-Performer in der Belegschaft loszuwerden und später dann neue Talente einzustellen. Vor allem in den USA ist das eine gängige Praxis. Generell dürfte der Pro-Kopf-Umsatz in nahezu jedem IT-Unternehmen auch 2023 steigen, wie dieser Beitrag zeigt.

Am 20. Januar 2023 hat die Entlassungswelle im weltweiten IT-Markt einen neuen Höhepunkt erreicht.
Am 20. Januar 2023 hat die Entlassungswelle im weltweiten IT-Markt einen neuen Höhepunkt erreicht.
Foto: TrueUp.io

2021 verdiente der US-Börsenaufsicht SEC zufolge ein typischer Mitarbeiter im Durchschnitt 295.884 Dollar pro Jahr. Das liegt um 67 Prozent über dem mittleren Einkommen eines Microsoft-Angestellten und sogar um 153 Prozent über dem Durchschnittseinkommen der 20 größten US-Technologieunternehmen.

Folgende Unternehmen haben Einstellungsstopps oder Entlassungen angekündigt (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

Amazon.com

Amazon entlässt nicht, wie in ersten Meldungen kolportiert, 10.000, sondern nun sogar 18.000 Beschäftigte weltweit. Der Personalabbau soll in den kommenden Wochen auf allen Hierachieebenen erfolgen und vor allem das Devices-Geschäft, den Retail-Bereich und die Personalabteilung betreffen. Der Aderlass ist der bislang schwerste in der immer noch jungen Unternehmensgeschichte (Siehe auch: Amazon nimmt Alexa-Geschäft unter die Lupe).

Keine guten Nachrichten hält Amazon-CEO Andy Jassy Anfang 2023 für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit.
Keine guten Nachrichten hält Amazon-CEO Andy Jassy Anfang 2023 für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit.
Foto: IDG

CEO Andy Jassy kündigte den Personalabbau am 4. Januar in einem internen Blog-Post früher als ursprünglich beabsichtigt an, nachdem ein Mitarbeiter die Pläne an die Presse durchgesteckt hatte. Jassy sprach von fortgesetzt unsicheren und schwierigen Zeiten. Am 18. Januar sollen die betroffenen Mitarbeitenden informiert werden.

In der Corona-Krise hatte Amazon sein Personal aufgrund der pandemiebedingt erhöhten Nachfrage im E-Commerce um Hunderttausende Beschäftigte aufgestockt. Im vergangenen Jahr erfolgte dann aufgrund nachlassender Geschäfte zuerst ein Einstellungsstopp, anschließend begann das Unternehmen mit den Entlassungen. Wie viele Zeitarbeiter und freiberuflich Beschäftigte in den Logistikzentren gehen müssen, ist nicht bekannt.

Apple

Apple-Chef Tim Cook hat angekündigt, bei Neueinstellungen auf die Bremse zu treten und größte Vorsicht walten zu lassen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 164.000 Vollzeitbeschäftigte. Wie der Nachrichtendienst Bloomberg berichtete, hat Apple zudem seine Personalplanung für das kommende Jahr angepasst. Einige Unternehmensbereiche sollen keine zusätzlichen Mitarbeiter einstellen, außerdem sollen manche freiwerdende Positionen nicht neu besetzt werden. Offizielles lässt der Konzern dazu allerdings nicht verlauten.

Tim Cook will viel vorsichtiger einstellen, plant aber momentan keine Entlassungen.
Tim Cook will viel vorsichtiger einstellen, plant aber momentan keine Entlassungen.
Foto: Laura Hutton - shutterstock.com

Asana

Der Anbieter einer Plattform für das Arbeits- und Projektmanagement kündigte Mitte November an, neun Prozent seiner mehr als 1.600 Mitarbeiter zu entlassen. Der Personalabbau sei Teil einer Restrukturierungsmaßnahme, in der es darum gehe, die Kostenstrukturen zu verbessern, teilte das Unternehmen mit. Im vergangenen Quartal hatte Asana zwar ein kräftiges Wachstum von 51 Prozent verkündet, doch der Nettoverlust von 62,6 Millionen Dollar schmälerte die Bilanz.

Cisco

Im Rahmen einer Restrukturierung will Netzausrüster Cisco 4.100 von insgesamt 83.300 Mitarbeitern den Laufpass geben (fünf Prozent). Einem Bericht von Fierce Telecom (17. November 2022) zufolge soll auch der Bestand an Bürogebäuden und Immobilien reduziert werden, da die Auslastung im Zuge des Hybrid-Work-Trends nicht mehr zu 100 Prozent gegeben sei. Im laufenden Quartal will Cisco dem Bericht zufolge 600 Millionen Dollar ausgeben, um die anstehenden Anpassungen vorzunehmen.

Ein Unternehmenssprecher sagte allerdings, dass Cisco auch Personal einstellen werde und zum Ende des Quartals vielleicht sogar genauso viele Beschäftigte auf der Payroll haben werde wie bisher. Es gehe um die Besetzung neuer Rollen im Rahmen einer umfassenden Restrukturierung. Cisco wolle seine Ressourcen hinter den strategisch wichtigen Themen Enterprise Networking, Plattformen, Security und Cloud bündeln. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", so der Sprecher, die Betroffenen erhielten großzügige Abfindungspakete und würden bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt.

Cloud Software Group (Citrix, Tibco)

Im Herbst vergangenen Jahres haben die Investoren Vista Equity Partners und Evergreen Coast Capital die Cloud Software Group gegründet und darin ihre milliardenschweren Zukäufe Tibco und Citrix konsolidiert. Nun teilte das Unternehmen mit, 15 Prozent seiner Beschäftigten zu entlassen. Viele Stellen seien nach den Zukäufen redundant besetzt, argumentierte CEO Tom Krause. Gegegnüber TheLayoff.com äußerten sich allerdings viele Citrix-Mitarbeitende skeptisch, ob das Unternehmen ohne wichtige Know-how-Träger noch funktionieren werde.

Krause erklärte, das Unternehmen habe sich das gesamte Produktportfolio genau angesehen, ebenso das Wettbewerbsumfeld, die Kundenanforderungen, die Verwaltungs und Support-Funktionen und vieles mehr. Es gebe einen klaren Plan, um Werte zu schaffen. Vor allem wolle man mehr in die Kernprodukte investieren und gleichzeitig den Wert des Unternehmens steigern, um mehr Spielräume für die Entwicklung zukunftsweisender Technologien zu gewinnen.

Coinbase

Rund 1.100 Mitarbeiter - 18 Prozent der Belegschaft - hatte die Kryptowährungs-Börse Coinbase im Juni 2022 entlassen. Jetzt sollen weitere 950 Beschäftigte gehen. Das gab Gründer und CEO Brian Armstong am 10. Januar 2023 in einem Blog-Post bekannt. Angesichts des andauernden "Kryptowinters" trennte sich Coinbase also von über 2000 Angestellten. Die Kosten für die Restrukturierung sollen sich auf 150 bis 160 Millionen Dollar belaufen. Ziel ist es, die Betriebskosten zu senken, um besser durch das neue Jahr zu kommen.

Die in der ersten Entlassungswelle betroffenen Mitarbeitenden waren sehr kurzfristig von allen Systemen abgeklemmt und vor die Tür gesetzt worden, was große Unruhe im Unternehmen auslöste. Da sie Zugriff auf vertrauliche Kundendaten gehabt hätten, sei es nicht anders möglich gewesen, sagte Armstrong. Angesichts der skandalumwitterten Pleite der Krypto-Börse FTX stellen sich Beobachter inzwischen grundsätzlich die Frage, was aus Coinbase wird. Befürchtet wird, dass die Anleger weiter ihre Gelder von den Kryto-Börsen abziehen könnten. Auch der Krypto-Kreditgeber Genesis und die Kryptobörse Huobi haben Personalabbau angekündigt.

DocuSign

Nur eine Woche, nachdem der E-Signatur-Marktführer DocuSign seinen neuen CEO Allan Thygesen eingesetzt hatte, gab das Unternehmen bekannt, neun Prozent der Arbeitsplätze abzubauen. Man hoffe so, die eigenen Wachstums- und Profitabilitätsziele besser zu erreichen, lautete die Begründung. Zu Jahresbeginn zählte DocuSign noch 7.651 Beschäftigte, es müssen also rund 670 Angestellte gehen. Der US-Börsenaufsicht SEC zufolge muss DocuSign dafür zwischen 30 und 40 Millionen Dollar aufwenden.

Facebook/Meta

Meta, der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp, trennt sich von 11.000 Beschäftigten (13 Prozent der Belegschaft) und stellt vorerst kein neues Personal mehr ein. Betroffen sind alle Unternehmensbereiche und Regionen weltweit - die einen mehr, die anderen weniger. Laut New York Times sollen der Personalbereich und einige Business-Teams stärker in Mitleidenschaft gezogen werden als die technischen Abteilungen. Laut einem aktuellen BBC-Bericht hat Meta in den ersten neun Monaten des Jahres 2022 sogar bereits 15.000 Jobs gestrichen.

Kosten einzusparenschwache Quartalsbilanz vor: Bei rückläufigem Umsatz brach der Profit um 50 Prozent ein. Der Wert der Aktie ging im Jahresverlauf um 70 Prozent zurück.

Mark Zuckerberg trennt sich von 11.000 Beschäftigten - obwohl er eigentlich jede helfende Hand für den Aufbau des Metaverse bräuchte.
Mark Zuckerberg trennt sich von 11.000 Beschäftigten - obwohl er eigentlich jede helfende Hand für den Aufbau des Metaverse bräuchte.
Foto: Elms Art - shutterstock.com

Google (Alphabet)

Am 20. Januar 2023 hat die Google-Mutter Alphabet angekündigt, 12.000 Arbeitsplätze zu streichen, das entspricht sechs Prozent der Belegschaft. Angesichts der schwachen Konjunktur sah sich das Unternehmen zum größten personellen Einschnitt in der Firmengeschichte genötigt. Der Abbau soll in allen Geschäftseinheiten rund um den Globus erfolgen. Am stärksten sollen Positionen im Personalbereich sowie Geschäftsfelder jenseits des Kerngeschäfts von Google betroffen sein.

Das Google-Management steht schon länger unter Druck: Investor Christopher Hohn, Gründer des Hedge Fund TCI, hatte Sundar Pichai, CEO von Alphabet und Google, in einem Schreiben aufgefordert, die Kosten zu senken. Google beschäftige zu viele überbezahlte Menschen, die Personalkosten seien - gemessen an der gegenwärtigen Performance des Unternehmens - viel zu hoch. TCI hält Aktien im Wert von rund sechs Milliarden Dollar.

Alphabet beschäftigt derzeit rund 187.000 Mitarbeiter, doppelt so viele wie 2017. Hohn kritisierte das "exzessive" Personalwachstum von jährlich 20 Prozent. Man habe sich mit ehemaligen Managern von Alphabet unterhalten und wisse daher, dass die Geschäfte wesentlich effektiver mit weniger engagierten Beschäftigten betrieben werden könnten. In den vergangenen Wochen hatte Alphabet bereits angekündigt, 20 Prozent der Mitarbeitenden bei der Robotics-Tochter Intrinsic und 15 Prozent beim konzerneigenen E-Health-Startup Verily zu entlassen.

Google-CEO Sundar Pichai, hier vor einem Quantencomputer von Google, hat keine guten Nachrichten für die Mitarbeitenden: 12.000 müssen gehen.
Google-CEO Sundar Pichai, hier vor einem Quantencomputer von Google, hat keine guten Nachrichten für die Mitarbeitenden: 12.000 müssen gehen.
Foto: Alphabet

Der Konzern gehört zu den Unternehmen im Silicion Valley, die die höchsten Gehälter bezahlen. 2021 verdiente der US-Börsenaufsicht SEC zufolge ein typischer Alphabet-Mitarbeiter im Durchschnitt 295.884 Dollar pro Jahr. Das liegt um 67 Prozent über dem mittleren Einkommen eines Microsoft-Angestellten und sogar um 153 Prozent über dem Durchschnittseinkommen der 20 größten US-Technologieunternehmen.

HP Inc.

Rund 4.000 bis 6.000 Beschäftigte will die weltweite Nummer zwei im PC-Markt, HP Inc., loswerden - maximal zehn Prozent der 61.000 Mitarbeiter starken Belegschaft. Nach einem Umsatzeinbruch um 11,2 Prozent im vierten Geschäftsquartal 2022 teilte das Unternehmen am 22. November mit, man erwarte eine anhaltende Geschäftsflaute bis weit in das neue Jahr hinein. Vor allem das Consumer-Business macht HP zu schaffen, dort brachen die Erlöse um fast 30 Prozent ein (mehr dazu lesen Sie hier).

IBM

Insgesamt 3.900 Beschäftigte oder 1,5 Prozent der Belegschaft müssen bei IBM den Hut nehmen, hieß es anlässlich der Bekanntgabe von soliden Quartalszahlen am 25. Januar 2023. Das Unternehmen, das seine Zukunft auf Wachstumsfelder wie künstliche Intelligenz (KI), Quanten-Computing und Hybrid Cloud setzt, hatte sich im November 2021 vom Bereich IT Infrastructure Management getrennt und diesen unter dem Namen Kyndryl als eigenständiges unternehmen an die Börse gebracht. Anfang vergangenen Jahres wurden außerdem Teile des Watson-Health-Geschäfts abgestoßen.

Finanzchef Jim Kavanaugh sprach vage von "Stranded Costs" in Höhe von 300 Millionen Dollar, die Zusammenhang mit den Ausgliederungen immer noch auf dem Unternehmen lasteten. Mit anderen Worten: Es gibt immer noch im Konzern verbliebene Mitarbeiter, für die es nach den Umbauarbeiten keine Aufgaben mehr gibt und die deshalb gehen sollen.

Informatica

Informatica, Spezialist für Cloud-basierte Datenanalyse- und -management, gab gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC bekannt, weltweit 450 Beschäftigte (sieben Prozent) bis zum Ende des ersten Quartals 2023 zu entlassen. Man wolle die Belegschaft besser an die "Cloud-fokussierten strategischen Prioritäten und gegenwärtigen Business-Anforderungen anpassen, hieß es. Der Personalabbau soll rund 25 bis 35 Millionen Dollar kosten.

Das Unternehmen kündigt ebenfalls an, dass der Finanzchef Eric Brown abgelöst werde. Neuer Chief Financial Officer (CFO) von Informatica wird Michael McLaughlin, der vorher die Finanzen für FICO gemanagt hatte, einen Spezialisten für Advanced Analytics und Machine Learning.

Intel

Nach der Präsentation schwacher Geschäftszahlen am 26. Januar 2023 will Intel Personal abbauen. Der Anfang soll in Kalifornien gemacht werden, wo der Prozessorgigant erst einmal 544 von insgesamt 120.000 Stellen streichen will - davon 200 Positionen im Headquarter in Santa Clara. Weitere Positionen sollen im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Folsom wegfallen. Der Abbau wird laut Intel in zwei Runden stattfinden: Die erste soll noch im Januar, die zweite dann im März 2023 laufen. Da Intel sich einen harten Sparkurs verordnet hat, sind weitere Personalmaßnahmen zu erwarten.

Muss den Gürtel enger schnallen: Intel-CEO Pat Gelsinger.
Muss den Gürtel enger schnallen: Intel-CEO Pat Gelsinger.
Foto: Intel

Klarna

"Buy now pay later" - das ist das Motto des schwedischen Startups Klarna, das nach stürmischem Wachstum in Turbulenzen geriet. Mitgründer und Unternehmenschef Sebastian Siemiatkowski teilte bereits im Mai mit, mehr als zehn Prozent der rund 7.000 Mitarbeiter starken Belegschaft entlassen zu müssen, darunter einige, die erst seit ein paar Wochen an Bord waren. Als Grund nannte er die inflationsbedingte Wirtschaftskrise, die zu Kaufzurückhaltung bei den Kunden geführt habe.

Umstritten war die Maßnahme, eine Liste mit 560 Mitarbeitenden auf LinkedIn zu veröffentlichen, in der Hoffnung, diesen Beschäftigten schnell zu einem neuen Job zu verhelfen. Der Vorgang löste eine heftige Debatte im Social Network aus. Auch die Tatsache, dass Klarna seinen Beschäftigten in den USA teilweise doppelt so hohe Gehälter zahlt wie in anderen Ländern, ist Gegenstand der Diskussionen.

Malwarebytes

Auch vor der Cybersecurity-Branche macht die Krise nicht Halt: Marcin Kleczynski, CEO und Gründer von Malwarebytes kündigte im August 2022 eine "strategische Reorganisation" an, in deren Rahmen 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (14 Prozent der Belegschaft) über alle Abteilungen hinweg gehen musste.

Malwarebytes sei in einer stabilen finanziellen Situation, hieß es, die Entscheidung sei nicht aufgrund von kurzfristigem Druck, sondern im Sinne einer langfristigen strategischen Planung gefallen. Man wolle künftig vor allem kleine und mittlere Betriebe adressieren und dazu verstärkt mit Partnern zusammenarbeiten.

Microsoft

Microsoft hat am 18. Januar angekündigt, 10.000 von insgesamt 221.000 Beschäftigten zu entlassen. CEO Satya Nadella nannte in einem Beitrag im Firmenblog die unsichere konjunkturelle Lage als Grund. Microsoft werde sich stärker auf seine Prioritäten, darunter insbesondere künstliche Intelligenz (KI), konzentrieren. Microsoft leidet aufgrund des weltweiten Einbruchs im PC-Markt unter einer Schwäche im Windows-Geschäft und im Verkauf der Surface-Rechner.

Schon Mitte vergangenen Jahres hatte das weltgrößte Softwarehaus angekündigt, knapp ein Prozent der Belegschaft abzubauen. Die Auswahl erfolgte über alle Niederlassungen und Produktdivisionen hinweg. Wie viele andere Unternehmen hatte Microsoft während der Corona-Pandemie von einer Sonderkonjunktur profitiert und im Zuge dessen zu viele neue Mitarbeitende eingestellt.

Ein Rückgang von über 28 Prozent im PC-Markt (4. Quartal 2022) geht auch an Microsoft nicht spurlos vorbei.
Ein Rückgang von über 28 Prozent im PC-Markt (4. Quartal 2022) geht auch an Microsoft nicht spurlos vorbei.
Foto: Gartner

Nvidia

Von einem "Hiring Freeze" will Nvidia-Boss Jensen Huang zwar nichts wissen, wohl aber von einer "Einstellungspause". Man wolle das Tempo drosseln und sich nun die Zeit nehmen, die Tausenden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den vergangenen Monaten eingestellt worden seien, vernünftig einzuarbeiten, hieß es in einer internen Mail.

Nvidia hatte im dritten November für sein drittes Fiskalquartal einen Umsatzeinbruch gegenüber dem Vorjahr von 17 Prozent auf 5,93 Milliarden Dollar gemeldet, die Entlassungen seien "richtig und notwendig" nach einem sehr stürmischen Wachstum während der Pandemie und aufgrund von Zukäufen. Betroffen seien neben der Verwaltung auch der Vertrieb und der Forschungs- und Entwicklungsbereich.

Oracle

Wie Reuters berichtete hat Oracle Anfang August 2022 mit Stellenstreichungen in den USA begonnen. Im Juli hatte The Information geschrieben, Oracle erwäge die Streichung von Tausenden von Stellen in Europa und den USA. Das weltweit zweitgrößte Softwarehaus wolle insgesamt Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Dollar erzielen.

Die Maßnahme habe nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun, die weiter erfreulich verlaufe. Sie sei vielmehr Folge der Übernahme des auf das Gesundheitswesen spezialisierten Unternehmens Cerner, die Oracle rund 28 Milliarden Dollar kostet und die Belegschaft um 28.000 Personen erweitert. Im August wurden die ersten Kündigungen in San Francisco ausgesprochen, auch in Kanada, Indien und Teilen von Europa werde der Arbeitsplatzabbau vorangetrieben.

Der jüngsten Meldung zufolge (Stand: 14. Oktober) mussten 201 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Headquarter in Redwood Shores gehen, darunter auch Data Scientists, Entwickler und Marketing-Professionals.

Nach der milliardenschweren Cerner-Übernahme baut Oracle-Chefin Safra Catz redundante Positionen in der Belegschaft ab.
Nach der milliardenschweren Cerner-Übernahme baut Oracle-Chefin Safra Catz redundante Positionen in der Belegschaft ab.
Foto: drserg - shutterstock.com

Salesforce

Anfang November 2022 hatte Salesforce angekündigt, man wolle 950 von knapp 80.000 Jobs streichen. Inzwischen hat sich die Zahl dramatisch erhöht: 8.000 Beschäftigte müssen das Softwarehaus verlassen (Stand: 3. Januar 2023). Damit zollt Salesforce seinem rasanten Wachstum Tribut: Anfang 2020 hatte das Unternehmen lediglich 49.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Gegenüber der amerikanischen Börsenaufsicht SEC teilte Salesforce Anfang Januar mit, man werde für eine interne Restrukturierung einen Betrag von 1,4 bis 2,1 Milliarden Dollar aufwenden. Mit bis zu einer Milliarde Dollar dürfte allein das Geschäftsergebnis des vierten Quartals 2023 belastet werden. CEO Marc Benioff sprach in einer internen Mitteilung von einem "herausfordernden Geschäftsumfeld", die Kunden seien vorsichtiger geworden beim Einkauf von Software und Services. Er übernehme die Verantwortung dafür, dass salesforce während der Pandemie angesichts steigender Umsätze zu viel Personal eingstellt habe.

Im Oktober war der Hedgefonds Starboard Value mit einem "erheblichen Investment" bei Salesforce eingestiegen und hatte gleich einmal auf höhere Profitmargen gedrängt. Ende August hatte der Anbieter zudem seine Prognose für das laufende Fiskaljahr 2023 senken müssen. Statt dem bisher erwarteten Umsatz von 31,8 Milliarden Dollar rechnet der Cloud-Spezialist nun mit Einnahmen von knapp 31 Milliarden Dollar. Das Management machte auch den starken Dollar verantwortlich, er mache Geschäfte außerhalb der Vereinigten Staaten schwieriger.

SAP

Auch die Walldorfer reihen sich in die Entlassungswelle der weltweiten ITK-Branche ein. Einer Umstrukturierung sollen weltweit 3.000 Stellen zum Opfer fallen, davon 200 in Deutschland. Man wolle sich auf das Wachstum im angestammten Geschäft mit ERP-Software konzentrieren, sagte CEO Christian Klein. Finanzchef Luka Mucic sprach davon, dass die jährlichen Kosten um 350 Millionen Euro gesenkt werden sollen - wozu die Entlassungen beitragen würden. Geplant sei ferner, das Portfolio zu straffen, weshalb SAP auch über den Verkauf seiner Anteile an der US-Softwaretochter Qualtrics nachdenke.

Christian Klein, Vorstansdvorsitzender der SAP, stellt zur Zeit keine Mitarbeiter mehr ein.
Christian Klein, Vorstansdvorsitzender der SAP, stellt zur Zeit keine Mitarbeiter mehr ein.
Foto: SAP

ServiceNow

Von Entlassungen oder Einstellungsstopp ist beim führenden Anbieter von Digital-Workflow-Tools keine Rede, aber CEO Bill McDermott hat die Märkte in einem Interview mit CNBC verunsichert und die Aktie auf Talfahrt geschickt (minus 13 Prozent am 12. Juli). McDermott sagte: "Wir haben eine Inflation auf einem Rekordniveau seit 41 Jahren. Der Dollar ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Die Zinsen steigen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit. In Europa haben wir einen Krieg. Da ist die Stimmung nicht gerade großartig." Vor allem in Europa werde nun vorsichtiger in IT investiert und man müsse den Kunden genau erklären können, welchen Return on Investment (RoI) sie von ihren Investitionen zu erwarten hätten.

Spotify

600 Mitarbeiter beziehungsweise ungefähr sechs Prozent der Belegschaft müssen beim Streaming-Riesen Spotify ihren Arbeitsplatz räumen. Wie CEO Daniel Ek am 23. Januar 2023 in einer Mitteilung an die Mitarbeiter schrieb, seien die Entlassungen bedauerlich, aber notwendig, um weitere Kosten einzusparen. Die bisherigen Maßnahmen hätten dazu nicht ausgereicht. Das Wall Street Journal berichtet, dass die betroffenen Mitarbeiter quer aus allen Bereichen des Unternehmens stammen sollen. Dabei übernimmt CEO Ek auch selbst Verantwortung für die Notwendigkeit der Personalmaßnahme: "Rückblickend betrachtet habe ich zu ambitioniert investiert. Dafür übernehme ich die volle Verantwortung."

Stripe

Um 14 Prozent oder 1.100 Beschäftigte hat der Online-Payment-Dienst Stripe seine Personaldecke gekürzt. CEO Patrick Collison schrieb den Mitarbeitern in einem Memo, Inflation, höhere Zinsen, der Energieschock und eine spürbare Zurückhaltung von Investoren machten diesen Schritt nötig. 2021 war Stripe das wertvollste Startup in den USA mit einer Bewertung von 95 Milliarden Dollar. Dem Wall Street Journal zufolge taxiert Stripe den eigenen Wert heute mit rund 74 Milliarden Dollar.

Tesla

Der Pionier bei Elektrofahrzeugen hat den Abbau Tausender Stellen weltweit angekündigt, rund 3,5 Prozent der 100.000 Mitarbeiter starken Gesamtbelegschaft sind betroffen. Laut tagesschau.de kommt der deutsche Standort wohl ungeschoren davon. Dort würden weiter Mitarbeitende gesucht, da Tesla möglichen Interessenten nicht genügend Geld zahlen wolle und deshalb kein Personal finde.

Unter anderem hat das Unternehmen sein "Autopilot-Team" in San Mateo und in Buffalo, New York, von 276 auf 81 Mitarbeiter zusammengestrichen. Die verbliebenen Spezialisten für autonomes Fahren sollen nun auf verschiedene Offices verteilt werden. Andrej Karpathy, verantwortlich für künstliche Intelligenz und das Autopilot-Team, hat nach fünf Jahren bei Tesla soeben das Handtuch geworfen.

Twilio

Zwischen 800 und 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Twilio verlassen, einen Spezialisten für Cloud-Kommunikationsservices. Damit werden elf Prozent der rund 7.800 Angestellte umfassenden Belegschaft ihre Plätze räumen. CEO Jeff Lawson schrieb im September im Firmenblog, die Entlassungen seien "richtig und notwendig" nach einem sehr stürmischen Wachstum während der Pandemie und aufgrund von Zukäufen. Betroffen seien neben der Verwaltung auch der Vertrieb und der Forschungs- und Entwicklungsbereich.

Twitter

Mit der Übernahme von Twitter hat der neue Eigentümer Elon Musk gleich einmal die Hälfte der 7.500 Mitarbeiter starken Belegschaft vor die Tür gesetzt. Wie Betroffene erklärten, wurden durch die Stellenstreichungen ganze Teams entkernt, darunter die für Sicherheit und Trust, Politik, Kommunikation, das Kuratieren von Tweets, ethische KI, Datenwissenschaft, Forschung, maschinelles Lernen, soziales Engagement, Barrierefreiheit und bestimmte technische Kernbereiche.

Viele Vorstände und leitende Angestellten verließen das Unternehmen daraufhin freiwillig, oft unter Protest. Der neue Chef rechtfertigte den Stellenabbau in einem Tweet: "Was den Stellenabbau bei Twitter angeht, gibt es leider keine andere Wahl, wenn das Unternehmen über vier Millionen Dollar pro Tag verliert." Der Tweet wurde inzwischen gelöscht. Twitter soll auch die Zusammenarbeit mit mindestens 4.000 Freiberuflern und Vertragspartnern aufgekündigt haben. Die Betroffenen wurden offenbar nicht benachrichtigt, Twitter habe einfach den Zugang zu E-Mail und den internen Kommunikationssystemen gesperrt, hieß es.

Uber

Dara Khosrowshahi, CEO von Uber, hat die Beschäftigten in einer E-Mail darüber informiert, dass man das Einstellen von Personal künftig als "Privileg" betrachten werde. Angesichts der "seismischen Verschiebungen" an den Märkten müsse Uber auf die Bremse treten. Khosrowshahi schrieb, er habe bei Investoren-Meetings in New York und Boston deutliche Signale erhalten: Man müsse die Kosten in den Blick nehmen, auch auf der Vorstandsebene. "Wir haben große Fortschritte bei der Profitabilität gemacht und uns für 2024 ein Ziel von fünf Milliarden Dollar beim bereinigten EBITDA-Ergebnis gesetzt. Doch jetzt haben sich die Zielvorgaben geändert. Jetzt geht es um den freien Cashflow."

Xiaomi

Wie Ende Dezember 2022 bekannt wurde, will der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi Medienberichten zufolge Arbeitsplätze in mehreren Abteilungen seines Smartphone- und Internet-Dienstleistungsgeschäfts abbauen. In einer Erklärung von Xiaomi hieß es, das Unternehmen habe "routinemäßige Personaloptimierungen und organisatorische Rationalisierungen" durchgeführt, von denen "weniger als 10 Prozent der Gesamtbelegschaft" betroffen sei. Allerdings werden diese Begriffe in China häufig genutzt, um einer Kontrolle durch die Arbeitsbehörden zu entgehen.

Zendesk

300 der insgesamt 5.450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen den CRM-Anbieter Zendesk verlassen, teilte das Unternehmen am 10. November mit. Auch hier geht es darum, die operativen Kosten zu senken und sich auf die Wachstumsfelder zu konzentrieren, hieß es in einer Mitteilung. (hv)