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Ergebnisse: Durchwachsene Quartalsbilanzen

19.04.2000
IBM, SAP, Telekom, Intel

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wieder einmal ist die Zeit der Quartalsergebnisse gekommen. Mit IBM, SAP, der Deutschen Telekom sowie Intel nehmen wir vier Unternehmen etwas genauer unter die Lupe.

IBM hat für das erste Quartal seines laufenden Geschäftsjahres einen Nettoprofit von 1,52 Milliarden Dollar oder 83 Cent pro Aktie ausgewiesen und damit sowohl das Vorjahresresultat um sechs Prozent als auch die Erwartungen der Finanzwelt (laut First Call/Thomson 78 Cent) übertroffen. Ein Jahr zuvor hatte der Nettogewinn 1,47 Milliarden Dollar oder 78 Cent je Anteilschein betragen. Allerdings ging der Konzernumsatz im Vergleich zum ersten Quartal 1999 um fünf Prozent auf 19,35 Milliarden Dollar zurück.

Besonders hart vom Umsatzrückgang betroffen war der Hardwarebereich. Im Server-Geschäft gingen die Einnahmen um fast elf Prozent zurück, bei Mainframes gar um 29 Prozent. Dafür sollen vor allem die Nachwehen des Problems 2000 verantwortlich sein. Finanzchef John Joyce wies aber darauf hin, dass sich zumindest das Geschäft mit dem neuen Unix-High-End-System RS/6000 "S80" ausgesprochen erfreulich entwickle. Gegenüber Sun Microsystems gerät Big Blue aus Sicht von Analysten allerdings zunehmend ins Hintertreffen. Während die McNealy-Company laut International Data Corp. (IDC) im vergangenen Jahr mit sogenannten Midrange-Servern (100 000 bis 1 Million Dollar) 24 Prozent mehr umsetzen konnte, gingen die Einnahmen von IBM hier um zwölf Prozent zurück.

Bei PCs und PC-Servern gab es einen Umsatzrückgang um 13 Prozent. Die zuständige Personal Systems Unit musste einen Vorsteuerverlust von 176 Millionen Dollar ausweisen, ein nochmals deutlich schlechteres Resultat als im Jahr zuvor (minus 55 Millionen Dollar). IBM will sich in diesem Segment nun verstärkt auf Notebooks und kleinere Intel-Server konzentrieren, die sich recht gut verkaufen. Um elf Prozent sackten die Umsätze bei den sogenannten Technology Products (Festplatten, Bildschirme, Chips). Dieser Einbruch geht vornehmlich auf das Konto von Lieferproblemen im High-End-Festplattengeschäft, die Umsatzeinbußen von 350 Millionen Dollar zur Folge hatten.

Etwas besser kamen die Bereiche Services und Software davon, deren Umsätze gegenüber dem ersten Quartal 1999 stagnierten. Die Dienstleistungen spülten 7,55 Milliarden Dollar in die Kassen von Big Blue. Vor allem das Geschäft mit Internet-Services entwickelt sich laut IBM mittlerweile erfreulich. Der Service-Bereich weise derzeit einen Auftragsbestand im Wert von 62 Milliarden Dollar auf, hieß es. Im Softwaregeschäft lagen die Einnahmen mit 2,93 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau und damit deutlich unter den Erwartungen der Analysten, die auf mindestens drei Milliarden Dollar gehofft hatten. CFO (Chief Financial Officer) Joyce schob dem System-Management-Ableger Tivoli Systems hier die Hauptschuld in die Schuhe.

Regional betrachtet ging das Geschäft in der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) mit 13 Prozent am stärksten zurück. Auf dem amerikanischen Kontinent sanken die Einnahmen mit vier Prozent vergleichsweise gering, während der asiatisch-pazifische Raum um 15 Prozent zulegen konnte.

SAP: Deutliches operatives Minus im ersten Quartal

Die SAP AG hat für das erste Quartal des Fiskaljahres 2000 einen Nettogewinn von lediglich 56 Millionen Euro ausgewiesen, ein Rückgang von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (98 Millionen Euro). Im operativen Geschäft musste der Konzern gar ein Minus von 111 Millionen Euro hinnehmen; vor Jahresfrist standen hier noch 174 Millionen Euro auf der Habenseite. Auffangen konnten die Walldorfer dies allerdings durch ein Finanz- und nichtoperatives Ergebnis von 206 Millionen Euro (Vorjahr: minus zwei Millionen Euro). Die Einnahmen der deutschen Vorzeige-Softwareschmiede stiegen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr (1,08 Milliarden Euro) um zehn Prozent auf 1,18 Milliarden Euro.

Der Produktumsatz der SAP wuchs gegenüber dem Vorjahr (615 Millionen Euro) um 21 Prozent auf 742 Millionen Euro, wobei die Softwarelizenzen mit einem Plus von vier Prozent unterdurchschnittlich zulegten. 22 Prozent der gesamten Lizenzeinnahmen oder 80 Millionen Euro stammten aus Mysap.com-Verträgen. Die "New-Dimension"-Produkte erbrachten 68 Millionen Euro oder 18 Prozent des Lizenzgeschäfts. Einbrüche gab es im Beratungsgeschäft (332 Millionen Euro, minus drei Prozent) sowie im Schulungsgeschäft (95 Millionen Euro, minus 14 Prozent).

Regional gesehen konnte SAP sowohl in der EMEA-Region (608 Millionen Euro, plus 15 Prozent) als auch im asiatisch-pazifischen Raum (139 Millionen Euro, plus 40 Prozent) ordentlich zulegen. Dagegen gab das US-Geschäft um drei Prozent auf 436 Millionen Euro nach. Dafür sei vor allem der "scharfe Wettbewerb" bei Internet-basierten Softwarelösungen verantwortlich, hieß es.

"Das erste Quartal war für uns wie erwartet kein leichtes", räumt Vorstandssprecher Henning Kagermann ein. "Wir sind jedoch entschlossen, uns in unserem Geschäft noch schneller zu bewegen und noch effektiver zu agieren." Man werde, so Kagermann weiter, verstärkt in die neue Internet-Lösung "Mysap.com" investieren und rechne angesichts einer guten Auftragslage im zweiten und dritten Quartal wieder mit einem stärkeren Softwaregeschäft.

Telekom profitiert von Global-One-Verkauf

Die Deutsche Telekom hat auf ihrer heutigen Bilanzpressekonferenz zunächst ein enttäuschendes Ergebnis für das abgeschlossene Geschäftsjahr 1999 ausgewiesen. Der Konzernüberschuss sank um rund eine Milliarde auf 1,3 Milliarden Euro. Man habe den "drastischen Margenrückgang" in der Netzkommunikation nicht auffangen können, hieß es. Beim Umsatz konnte der Bonner Carrier um gerade ein Prozent gegenüber Vorjahr (35,1 Milliarden Euro) auf 35,5 Milliarden Euro zulegen. Finanzvorstand Gerhard Eick führte dies vor allem auf die Preissenkungen zurück, die zu einer Entlastung der Telekom-Kunden um mehr als drei Milliarden Euro geführt hätten. Damit seien auch die Marktanteilsverluste klar eingedämmt worden. Der Bereich Netzkommunikation steuerte 1999 nur noch 47 Prozent zum Gesamtumsatz bei (1998: 58,4 Prozent); die Entgelte für Inlands- und Auslandsverbindungen machten sogar nur noch zwölf Prozent der Einnahmen aus (1998: 24 Prozent).

Der Vorstandsvorsitzende Ron Sommer sieht das Unternehmen angesichts der Erlöse aus dem Teilverkauf des Breitbandkabelnetzes, dem Verkauf der Anteil an Global One sowie der Beteiligung am US-Carrier Sprint weiterhin "hervorragend gerüstet für die konsequente Fortführung der Wachstumsstrategie". Nach wie vor gehöre man zu den wertvollsten Unternehmen weltweit, so Sommer, und werde deshalb auch der Hauptversammlung eine unveränderte Dividende von 0,62 Euro pro Aktie vorschlagen.

Besonders positiv haben sich nach Telekom-Angaben im vergangenen Jahr die Bereiche Mobilfunk (zum Jahresende 9,1 Millionen Kunden, plus 66 Prozent) mit 38 Prozent mehr Umsatz, ISDN-Ausbau (13,3 Millionen vermarktete Kanäle, inzwischen 28 Prozent aller Telefonanschlüsse) sowie T-Online (zum Jahresende 4,2 Millionen "Kunden", plus 53 Prozent) entwickelt. Die T-Online-Zahlen sind allerdings stark marketinglastig, da die Telekom ihren Online-Dienst inzwischen bei ISDN- und T-Mobil-Verträgen als Dreingabe spendiert - viele der angegebenen Kunden sind wohl eher "Karteileichen".

Für das erste Quartal des neue Geschäftsjahres 2000 hat die Telekom einen Konzernüberschuss von 0,5 Milliarden Euro erzielt und damit gegenüber dem Vorjahr keinen Zuwachs erreicht. Berücksichtigt man die neuen Auslandstöchter (One2One, max.mobil, Siris) sowie die Einnahmen aus dem Verkauf der Global-One-Beteiligung ergibt sich ein Profit von 1,9 Milliarden Euro. Auch beim Umsatz konnte das Unternehmen dank des Beitrags der erstmals mit konsolidierten Auslandsgesellschaften um 1,1 auf 9,4 Milliarden Euro zulegen. Die Finanzverbindlichkeiten der Telekom belaufen sich zum Quartalsende auf 45,2 Milliarden Euro (Vorjahr 39 Milliarden). Dafür seien der Kauf von Media-One-Anteilen im Polen und Ungarn, die Kapitalerhöhungen bei T-Online sowie Veränderungen des Konsolidierungskreises verantwortlich, hieß es.

Intel kämpft mit Lieferschwierigkeiten

Halbleiterriese Intel hat für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2000 einen Nettogewinn von 2,7 Milliarden Dollar oder 78 Cent pro Aktie ausgewiesen, eine Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres (zwei Milliarden Dollar oder 57 Cent je Anteilschein). Ohne Berücksichtigung aller außergewöhnlichen Einnahmen und Belastungen betrug der Profit 71 Cent pro Aktie, zwei Cent über den Erwartungen der Analysten (laut First Call/Thomson 69 Cent). Darin enthalten sind 640 Millionen Dollar Gewinn aus Beteiligungen und Finanzgeschäften. Der Umsatz des Konzerns stieg gegenüber dem Vorjahresquartal (7,1 Milliarden Dollar) um 13 Prozent auf 8,02 Milliarden Dollar.

Andy Bryant, Finanzchef des Unternehmens räumte ein, dass Intel weiterhin mit Lieferschwierigkeiten kämpft. "Die Nachfrage war über alle Produktlinien hinweg stark", so der CFO (Chief Financial Officer). "Unser größtes Problem ist derzeit, die hohe Nachfrage zu befriedigen." Man habe wohl das gesamte vergangene Jahr über den Bedarf (vor allem nach CPUs, Chipsets und Flash-Speicher) unterschätzt und werde die Probleme schwerlich vor der zweiten Hälfte 2000 in den Griff bekommen.

Analysten beurteilen das Ergebnis unterschiedlich. Tad LaFountain von Needham & Co. verwies vor allem auf das mit drei Prozent schwache Wachstum der für das Prozessorgeschäft verantwortlichen Intel Architecture Business Group. "Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie ein führender Anbieter mit dominierendem Marktanteil, der noch dazu auf 20 Milliarden Dollar und wertvollen Beteiligungen sitzt, es verschwitzen konnte, hinreichend zu investieren, um die mäßig gestiegene Nachfrage zu decken", mäkelt der Experte. Ashok Kumar von US Bancorp. geht davon aus, dass sich Intels Prozessorgeschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder berappelt. Ihm bereitet eher Level One Sorgen, denn die Einnahmen des im vergangenen Jahr für rund vier Milliarden Dollar übernommenen Communications-Bereichs sind offenbar rückläufig. "Level One hat unter dem Strich nichts beigetragen", bemängelt Kumar. "Intel verlässt sich wie gehabt auf Prozessoren, und das ist bedenklich."