Augmented & Virtual Reality

Erfolgsgeschichten beginnen mit Mixed-Reality-Technologien

Anna-Lena Schwalm ist als Junior Analyst des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research tätig. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind Mobile Technologies, Coworking und datenbasierte Geschäftsmodelle. Weiterhin unterstützt sie im Rahmen des Research sowie individueller Kundenprojekte bei der Recherche und Beratungsarbeit. Anna-Lena Schwalm studiert Business Studies mit dem Schwerpunkt Innovation, Information & Management im Masterstudiengang.
Produktivitätssteigerung und neue virtuelle Benutzererfahrung dank Mixed Reality & Co. - Zahlreiche Use Cases zeigen es und namhafte Unternehmen profitieren bereits von immersiven Technologien.
Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality verändern die Art und Weise, wie Nutzer die digitale Welt wahrnehmen. Davon können Unternehmen in vielfältiger Weise profitieren.
Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality verändern die Art und Weise, wie Nutzer die digitale Welt wahrnehmen. Davon können Unternehmen in vielfältiger Weise profitieren.
Foto: Ahmet Misirligul - shutterstock.com

Die Mixed Reality steht unmittelbar vor ihrem ganz großen Durchbruch. Nachdem sich viele Business-Use-Cases eher schleppend ausgebreitet haben und der ROI der Projekte nicht immer klar war, blühen die Erfolgsgeschichten jetzt erst richtig auf. Der Automobilhersteller Volvo hat bereits erfolgreich im Bereich Entwicklung und Design mit Mixed-Reality-Technologien seine Prozesse um ein Vielfaches optimieren können. Nicht nur die Ingenieure arbeiten mit Head Mounted Displays (HMDs) an neuen Fahrzeugmodellen, sondern auch die Verkäufer nutzen die Technologie und Hardware, um die Fahrzeuge und ihre Teile den Kunden anschaulich darstellen zu können.

Thyssenkrupp hat für seine Servicetechniker durch die Einführung einer vorausschauenden Wartungslösung in Verbindung mit der Microsofts HoloLens einen revolutionären Serviceprozess etablieren können. Zahlreiche weitere Beispiele, vor allem im Industrie und Logistik-Sektor sowie in den Bereichen Communications und Marketing, können solche Erfolgsgeschichten vor- und eine Business-Relevanz beweisen.

Doch viele potentielle Anwender haben nach wie vor nur eine sehr vage Vorstellung, wie sie von den Möglichkeiten und dem Einsatz der Technologien im eigenen Unternehmen profitieren können. Auch die erforderlichen Ressourcen, umfangreiche Hardware und die Integration in die bestehende Infrastruktur und den Produktionsprozess, sowie notwendige Schulungen und Workshops stellen große Hürden dar.

Deshalb ist der Markt vor allem für Dienstleister und Software-Agenturen, die speziell für die Einführung und Nutzung von Mixed Reality im Unternehmen aktiv sind, gewachsen. Als Partner und Experten sind es die Mixed-Reality-Service- Provider & Agenturen, die Anwendungen für die Plattformen entwickeln und entsprechend der individuellen Bedürfnisse der Unternehmen die Geschäftsprozesse digital abbilden.

Zwischen immersivem Benutzererlebnis und Prozessoptimierung

Die Collaboration- und Communication-Landschaft sowie der Umgang mit Technologie hat sich in den letzten Jahren bereits sehr verändert und wird sich womöglich noch viel radikaler fortsetzen. Mobile Devices sind, egal ob privat oder im Job, nicht mehr wegzudenken. Sie haben die Interaktion und Kommunikation sowohl mit Mitmenschen als auch mit der digitalen Welt an sich auf eine neue Stufe gestellt.

Virtual Reality, Augmented Reality und Mixed Reality verändern hingegen die Art und Weise, wie Nutzer die digitale Welt wahrnehmen. Die Kombination führt zu einem immersiven digitalen Benutzererlebnis. Neben HMDs, Sensoren und raumbasierten Systemen können auch mobile Apps als Plattform für eine Form der Mixed Reality & Co. dienen, um die verschiedene Sinne des Nutzers anzusprechen und deren Immersionsgrad zu beeinflussen.

  • Mixed Reality verbindet die reale und virtuelle Welt und beinhaltet jene Szenarien, in denen beide Umgebungen vereint werden. Benutzer können mit digitalen und realen Objekten interagieren und bewegen sich entlang der beiden Endpunkte zwischen Realität und Virtualität.

  • Assisted Reality überlagert ähnlich wie Augmented Reality die reale Welt mit virtuellen Informationen. Hierbei müssen die Reality-Objekte und Virtuality-Objekte nicht in Bezug zueinander stehen.

  • Augmented Reality überlagert die physikalische/reale/natürliche Welt mit digitalen Informationen. Die Reality-Objekten und Virtuality-Objekten stehen in Bezug zueinander.

  • Augmented Virtuality überlagert hingegen die virtuelle Umgebung mit echten Informationen.

  • Merged Reality überlagert die virtuelle Welt mit echten Informationen, wobei die Reality-Objekte und Virtuality-Objekte nicht in Bezug zueinander stehen. Von Merged Reality ist meist im Zusammenhang mit Project Alloy von Intel die Rede.

  • Virtual Reality nutzt eine Computer-generierte bzw. digitale Umgebung, um Benutzer vollständig in eine virtuelle Welt zu tauchen.

Die Möglichkeit, in Echtzeit digitale Informationen in den Interaktionsprozess zu integrieren, schafft echtes Business-Potential, sodass insbesondere Augmented Reality eine tragende Säule des digitalen Benutzererlebnisses werden kann.

Das Technologiespektrum Mixed Reality
Das Technologiespektrum Mixed Reality
Foto: Crisp Research

Um von einer Produktivitätssteigerung zu profitieren, müssten vor allem die Prozesse entlang der Wertschöpfungskette mit Technologien rund um Mixed Reality-Technologien angereichert werden. Derzeit kommen typische Anwendungsszenarien aus den Bereichen Design, Training und Visualisierung und finden vor allem in Automotive und Logistik Einsatz. Die Einsatzszenarien können und werden jedoch zukünftig noch deutlich vielfältiger sein. Doch wer hilft dabei?

Anbieterlandschaft - Mixed Reality Service Provider & Agenturen in Deutschland

Im Rahmen des Crisp Vendor Universe Workplace & Mobility 2017/2018 hat sich gezeigt, dass der Markt der Mixed-Reality-Service-Provider und Agenturen ausgesprochen groß und vielseitig ist. Neben jungen, fokussierten Start-ups (z.B. komorebi interactive, Augmentaio) und gestandenen Unternehmen mit weitreichender Historie und breitem Serviceangebot (z.B. Accenture, T-Systems MMS) sind Medien- und Digitalagenturen (z.B. Indeca, Demodern) sowie branchenfokussierte Softwareunternehmen (z.B. Bitnamic, Picavi) die Experten in diesem Umfeld.

In der Kategorie branchenfokussierte Softwareunternehmen gibt Ubimax als Anbieter für industrielles Wearable Computing und Augmented-Reality-Lösungen den Ton an. Durch das breite Software- und Hardware-Spektrum, einer Reihe erfolgreicher Projekte mit namhaften Kunden (darunter Audi, BMW, VW) sowie einem großen Partnernetzwerk hat sich das Unternehmen mit einer vollständig integrierten Lösungs-Suite eine Spitzenposition sichern können. Zudem ist Ubimax einer der wenigen Anbieter, der bereits nationale und internationale Sichtbarkeit erlangt hat.

Der Logistik-Dienstleister DHL nutzt eine Order-Picking-Lösung von Ubimax und Glass Enterprise Edition zum Kommissionieren.
Der Logistik-Dienstleister DHL nutzt eine Order-Picking-Lösung von Ubimax und Glass Enterprise Edition zum Kommissionieren.
Foto: DHL

Zu den Youngstars gehören unter anderem komorebi Interactive. Das junge Start-up aus Berlin ist auf Architekturvisualisierungen sowie auf Augmented- und Virtual-Reality-Software spezialisiert. Das Portfolio deckt zahlreiche Business-taugliche Features wie beispielsweise 360°-Panoramen, Sensorik, Navigation oder Bildanalysen ab, musste aber Abstriche in Sachen Mannstärke und Business-Partnerschaften machen. Einigen Start-ups fehlt es bislang noch an einem breiten Partnernetzwerk und internationaler Reichweite.

Ganz im Gegenteil zu den alten Hasen, wie Accenture Interactive oder die United Digital Group, die zu jenen Partnern im Mixed Reality Service Provider & Agencies Marktumfeld gehören, die auf ein starkes Ökosystem und Partnernetzwerk zurückgreifen können und rund um Mixed Reality von einer überdurchschnittlichen Bekanntheit profitieren können.

Aber auch auf Apps spezialisierte Agenturen oder Service Provider, die eher die Bereiche Marketing, Sales Enablement und Design fokussieren, sind stark vertreten. Demodern beispielsweise gehört zu jenen Partnern, die sich auf die Konzeption und Entwicklung digitaler Kommunikation konzentrieren und Lösungsszenarien rund um Messen, Events, Showroom oder mobile Use Cases konzentrieren. Industrielle Prozessoptimierungen spielen in dieser Kategorie keine große Rolle.

Fazit

Das hohe Interesse und die Aufregung um Augmented- und Virtual-Reality haben bereits zu allerlei Anwendungen geführt. Wenngleich der Markt im Unternehmenskontext noch chaotisch erscheint, haben sich bereits nützliche Use Cases aufgetan. Auch die hohe Anzahl und Vielseitigkeit der Partneragenturen lässt die Bedeutung der Mixed Reality Lösungen nicht verleugnen. Doch sind genau diese gefragt, mehr als - die mittlerweile ausreichend zur Verfügung stehenden - Industrie- und Logistikanwendungen zu bieten.

Ob die Erwartungen an die Technologie in Zukunft getroffen oder gar übertroffen werden, ist noch fraglich. Obwohl das Potenzial von Virtual- und Augmented-Reality beeindruckend ist, wird es noch viele Herausforderungen und Hindernisse geben.

Ein langer Atem und die Unterstützung von Mixed-Reality-Service-Providern und Agenturen können Abhilfe schaffen. Jetzt liegt es daran, gemeinsam weitere relevante Anwendungsszenarien zu identifizieren und Qualität und Handling auf Hardware-Seite praxistauglich und weiterführend zum Business-Standard zu machen.