Stressabbau 2.0

Entspannen mit dem virtuellen Coach

07.07.2008
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin von Computerwoche und CIO-Magazin.

Da sich Stress nicht von heute auf morgen abbauen lässt, ist das Programm auf mindestens drei Monate angelegt. Damit die Teilnehmer über diesen Zeitraum auch dranbleiben, kann man auch mit Belohnungen arbeiten. "Eine Belohnung muss nicht materiell sein", sagt Antonella Lorenz. Die Pilotgruppe, die Relaxx vor der Marktreife testete, freute sich über ein Bild auf dem Handy, sobald ein Meilenstein erreicht war.

Die Teilnehmer können sich selbst ihre Belohnungen auswählen und sich so motivieren. So ist für den einen die Fahrt im Porsche, für den anderen ein Ausflug mit der Familie erstrebenswert. "Die Unternehmen können auch Belohnungen reinstellen und sich dafür Sponsoren suchen", so Lorenz. Abgesehen von einer Standardversion kann das Programm auch auf die speziellen Wünsche der Unternehmen zugeschnitten werden.

Nach dem Stressabbau ist vor dem Stressabbau

Ein wichtiger Punkt ist laut Lorenz, dass Mitarbeiter anonym und auch von zu Hause aus den virtuellen Stresscoach nützen können. Das Unternehmen, das das Programm einsetzt, erhält nur statistische Auswertungen auf Abteilungsebene, die Einzelergebnisse verbleiben beim Mitarbeiter. Eine Grenze zieht Lorenz auch in Sachen Zielgruppe:" Der virtuelle Stresscoach kann nicht bei Burnout oder in anderen schweren Fällen helfen." Sie warnt auch vor der Hoffnung auf schnellen Erfolg: "Nach dem Stressabbau ist vor dem Stressabbau. Das ist ein kontinuierliches Thema."

Dazu kommt, dass viele Mitarbeiter nicht auf den ersten Blick erkennen können, was sie belastet. Der Münchner Psychologe Engelbert Fuchtmann spricht hier von verkannten Stressoren am Arbeitsplatz. So können Kränkungen oder die Angst vor dem eigenen Versagen viel mehr an die Nieren gehen als etwa eine rein körperliche Belastung durch zu viele Überstunden.

Für Fuchtmann ist es entscheidender Schritt, zu erkennen, was einen körperlich oder seelisch belastet. Erst dann könne man versuchen, dagegen vorzugehen. Genau hier setzt auch das Stressprogramm an: Es soll dem Mitarbeiter Orientierung geben, "den Gestressten sehend machen und in die Lage versetzen, allein wieder aus dem Labyrinth herauszufinden."