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Entscheidung vertagt: Remis zwischen Kramnik und Deep Fritz

18.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Welten trennten die gestrige siebte Partie des Schachturniers von dem außergewöhnlichen Feuerwerk in der Runde zuvor. Vladimir Kramnik und sein Gegner, der Acht-Prozessor-Rechner Deep Fritz, verschanzten sich geradezu hinter ihren Figuren. Zwar gelang es Kramnik, seinen Rivalen mit einer langen Bauernkette hervorzulocken, dieser parierte dann auch mit einem mutigen Bauernvorstoß, doch bis zum Ende des Duells verharrten die Kontrahenten in ihrer Defensiv-Position. Nach dem 25. Zug bemerkte Kommentator Frederic Friedel, wie "Kramnik zusammenzuckt". Nachdem der Russe die schwarze Dame gezogen hatte, spielte Deep Fritz sofort weiter. Das heißt, der Rechner hat den Zug erwartet und die Antwort vorbereitet. Zwei Züge später entschied sich Kramnik für einen "Nullzug". Er wollte herausfinden, was sein Gegenüber vor hat. Aber der Computer versuchte jetzt ebenfalls die Figuren wie Kramnik hin- und herzuziehen. Schließlich bot der Russe Remis an. Der Deep-Fritz-Konstrukteur Mathias Feist nahm das Unentschieden für seine Maschine entgegen.

Der aktuelle Spielstand lautet 3,5 zu 3,5. Die Endrunde beginnt am Samstag 14 Uhr MEZ. Gewinnt Kramnik das Turnier erhält er von dem Sponsor Emir von Bahrain eine Million Dollar. Setzt sich Deep Fritz durch, bekommen die Entwickler des Supercomputers 400.000 Dollar. Bleibt es jedoch beim Unentschieden, müssen sich die Konkurrenten mit jeweils 200.000 Dollar zufrieden geben. (km)