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Ellison: Wir haben einen Rechner für 150 Dollar

29.07.1999
Pläne für B2B-E-Commerce

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch nach dem mißglückten Marketing des einst für 500 Dollar angepriesenen "Network Computer" kann Oracle-Chef Lawrence "Larry" Ellison sich offenbar in Sachen Billigrechner nicht zurückhalten. Im Rahmen einer Pressekonferenz in New York berichtete der für seine Visionen berüchtigte CEO (Chief Executive Officer), sein Unternehmen habe einen Computer für 150 Dollar entwickelt - ohne Monitor, versteht sich. Das Gerät besitze einen Intel-Prozessor und arbeite unter anderem mit Linux als Betriebssystem und dem "Navigator" von Netscape, so Ellison. Die weitere Ausstattung: 64 MB Arbeitsspeicher und keine Festplatte - die Anwendungen seien auf einer CD vorinstalliert, von der das Gerät auch gebootet (und bei Bedarf upgedatet) werde. Derzeit baue man Prototypen, es sei noch nicht entschieden, wer den Billigrechner - Preis mit Monitor 250 Dollar - letztlich fertigen werde. Auf die Frage, ob es sich bei dem Gerät um einen PC handele,

antwortete Ellison spitzbübisch: "Es ist kein PC, es ist ein Network Computer!"

Eigentlicher Zweck der Veranstaltung war allerdings ein anderer: Oracle gab die Absicht bekannt, bis Ende des Jahres unter dem Namen "Oracle Exchange" eine E-Commerce-Site mit Business-to-business-Ausrichtung (B2B) aufziehen zu wollen, mit der Unternehmen ihr Beschaffungswesen automatisieren können. Vom Start weg sollen dort mehr als 260 Anbieter alle möglichen Waren und Dienstleistungen vom Bürobedarf über Bücher und EDV-Ausrüstung bis hin zu Zeitarbeitskräften anbieten. Oracle tritt damit in direkte Konkurrenz zu Anbietern wie Ariba und Commerce One. Beide sind bereits mit ähnlichen Konzepten am Markt und kämpfen mit Oracle auch um Marktanteile bei Software für das Beschaffungswesen.