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Eliot Spitzer lädt die Majors vor

28.12.2005
Eliot Spitzer ist alles andere als ein Schmunzelmonster. Deswegen lässt es aufhorchen, dass er nun die großen Plattenfirmen wegen heimlicher Absprachen in Sachen digitaler Musikverkäufe vorlädt.

Spitzer, Generalstaatsanwalt von New York und einer der härtesten Kartellwächter der USA, hat einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge wenigstens drei der vier so genannten Majors vorgeladen. Ruchbar wurde dies durch eine Pflichtveröffentlichung von Warner Music bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). Sony BMG Music Entertainment hat eine Spitzer-Vorladung ebenfalls bestätigt, genauso wie ein Vivendi-Universal-Insider. Lediglich die britische EMI hält sich derzeit in der Angelegenheit bedeckt.

Die Labels liefern sich seit geraumer Zeit einen öffentlichen Streit mit Apple um dessen iTunes Music Store, in dem jeder Titel einzeln 99 Cent kostet. Dies ist den Plattenfirmen ein Dorn im Auge - sie wollen für populäre Titel mehr Geld, ältere würden sie dagegen günstiger abgeben. Apple hingegen will seine Preisgestaltung beibehalten.

Bei Spitzers Ermittlung geht es offenbar um die "Großhandelspreise", die Anbieter wie iTunes oder Napster an die Plattenfirmen zahlen müssen. Branchenkennern zufolge betragen diese gegenwärtig zwischen 67 und 82 Cent für einen Titel. Jonathan Potter, Executive Director der Digital Media Association, die verschiedene Online-Musikdienste repräsentiert, wundert sich jedenfalls nicht über die Ermittlungen. Die Online-Musikverkäufer hätte "ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Labels ihre Preise zu erhöhen versuchen, obwohl der Markt dafür nicht bereit ist", erklärte der Experte.

Apple-Chef Steve Jobs hatte zuletzt mehrfach erklärt, der Einheitspreis von 99 Cent sei nötig, um den digitalen Marktplatz weiter etablieren zu können. Im September hatte er die Plattenfirmen angesichts ihrer Forderung nach Preiserhöhungen als "gierig" abgekanzelt.

Spitzers Ermittler hatten in der Vergangenheit bereits mehr als ein Jahr lang ermittelt, dass die vier Majors das Airplay von Radiosendern manipulieren. Sony BMG und Warner hatten dies zugegeben und im Rahmen von Vergleichen zehn beziehungsweise fünf Millionen Dollar gezahlt.

Apple und andere Online-Musikläden haben laut Nielsen SoundScan heuer bereits mehr als 315 Millionen Songs verkauft, mehr als doppelt so viel wie die 127 Millionen Titel aus dem Jahr 2004. (tc)