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Eins, zwei, drei: T-Com ruft Breitband-Offensive und "mobiles Festnetz" aus

28.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf dem in Berlin veranstaltenen Telekom-Pressekolloquium kündigte Josef Brauner, Vorstand der Telekom-Festnetzsparte T-Com, eine Breitband-Offensive an. Das Motto für die künftige DSL-Vermarktung lautet: Eins, zwei, drei. 1 Megabit pro Sekunde Übertragungsrate als Einstiegsangebot, 2 Mbps als künftige Standardbandbreite für die DSL-Dienste und 3 Mbps beim Premium-Angebot. Über Preise und Verfügbarkeit konnte Brauner noch keine Auskunft geben. Nur soviel verprach er: "Wir werden vor oder zur CeBIT die Preise nennen." Diese sollen niedrig ausfallen: "Mehr Leistung kann nicht günstiger sein.“

T-Com versucht sich nicht zuletzt mit Hilfe einer aufwändigen Marketing-Strategie - man denke etwa an den Werbevertrag mit dem FC Bayern München - als moderne Breitband-Company zu profilieren, sucht aber auch den Weg in neue Märkte. Dabei könnten Brauner und seine Mannen auf Konkurrenz aus dem eigenen Hause stoßen, denn der T-Com-Vorstand kündigte auf dem Pressekolloquium für das kommende Jahr auch das "mobile Festnetz" an. Im Laufe des Jahres 2005 sollen Nutzer mit IP-fähigen Endgeräten wie PDA, Notebook oder Smartphone damit auch unterwegs unter ihrer Festnetznummer telefonisch zu erreichen sein.

Die Verbindung wird dabei über von T-Com betriebene Hotspots hergestellt. Über diesen Weg können die Kunden auch selbst anrufen, die Gebühren werden über die Festnetznummer und zu den üblichen Tarifen in Rechnung gestellt. Dazu baut der Anbiter auch seine Hotspots-Infrastruktur aus: In den nächsten Monaten sollen zehntausend Zugangsknoten installiert werden.

Den allzu forschen Drang Brauners in den Mobilfunkmarkt und den damit drohenden Zwist mit der Schwestergesellschaft T-Mobile versuchte T-Coms Marketing-Chef Achim Berg zu bändigen: "Wir sprechen von Portabilität. Das Angebot ist sicher nicht für Reisen durch ganz Deutschland geeignet.“

Zu einer derzeit laufenden Diskussion, die WLAN-Hotspots unter die Kontrolle der TK-Regulierungsbehörde zu stellen, sagte Brauner: "Sollte man mir die Frage stellen, was ich davon halte, würde ich sagen: Ich bin sprachlos."

Brauner nutzte das Forum zudem für eine Attacke gegen die Öffentliche Hand und die Konkurrenz. Stark verkürzt und vereinfacht lautet sein Vorwurf: Beide schlafen. "In fast allen Ländern, die über eine hohe Breitbandpenetration verfügen, hat der Staat in der Anfangsphase die Nachfrageentwicklung stimuliert“, erläutert Brauner. Von Bund, Ländern und Kommunen forderte er keine monetäre Unterstützung, aber eine stärker Nutzung von Breitbandtechniken und eine bessere Einbindung dieser Dienste in Services der Öffentlichen Hand: "Ich frage mich nach wie vor, warum eine einfache Ummeldung bei Einwohnermeldeämtern nicht möglich ist."

Zudem meint Brauner, dem deutschen TK-Markt fehle es an Wettbewerb. Alternativen zu DSL, etwa Powerline oder Satellit seien praktisch nicht existent. "Augenscheinlich fehlt es an dem Willen, Entwicklungs- und Investitionskosten zu tragen", so Brauners Vorwurf. Vielfältige Angebote führten zu einer schnelleren Markterschließung, daher würde Brauner mehr Wettbewerb begrüßen. (jha)