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Einigung mit Behörden kommt Time Warner teuer

16.12.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Beilegung des Rechtsstreits über angebliche Bilanzmanipulationen bei der Internet-Sparte AOL kommt dem Mutterkonzern Time Warner teuer: Wie der Medienriese bekannt gab, zahlt er im Zuge der außergerichtlichen Einigung mit dem US-Justizministerium insgesamt 210 Millionen Dollar Strafe und Entschädigung. Im Gegenzug setzt das Department of Justice (DoJ) die Klage wegen angeblichen Wertpapierbetrugs für zunächst zwei Jahre gegen Auflagen aus. Bei deren Erfüllung wird die Klage gegen Time Warner anschließend fallen gelassen.

Die Behörde verlangt unter anderem, dass Time Warner seine internen Kontrollsysteme verstärkt und bei den laufenden Ermittlungen gegen die am Betrug beteiligten Mitarbeiter kooperiert. Laut DoJ haben bereits mehrere ehemalige Top-Managern von PurchasePro.com und Homestore ihre Beteiligung an dem Austausch von Werbeanzeigen mit AOL gestanden. Ziel der Transaktionen war es, die Einnahmen künstlich aufzublähen und den Aktionären so ein Wachstum trotz stagnierenden Werbemarkts vorzugaukeln.

Einen ähnlichen Vergleich wie mit dem DoJ hat der Medienkonzern auch der US-Börsenaufsicht SEC vorgeschlagen. Nach eigenen Angaben bietet Time Warner die Zahlung einer Strafe von 300 Millionen Dollar an. Außerdem erklärt sich die Company bereit, die in den Jahren 2001 und 2002 bei Geschäften mit Bertelsmann verbuchten Anzeigeneinnahmen in Höhe von 400 Millionen Dollar aus seinen Bilanzen zu streichen. Die SEC hatte im Frühjahr Anklage gegen Time Warner erhoben, da sie in der Summe einen Preisnachlass vermutete. Diesen habe Time Warner von Bertelsmann erhalten, da der US-Konzern Anfang 2002 bei der Übernahme des 49-Prozent-Anteils an AOL Europe für 6,75 Milliarden Dollar bar gezahlt hatte.

Ein Schuldeingeständnis gibt Time Warner in beiden Fällen nicht ab. (mb)