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Einigt sich deutsche Musikbranche auf gemeinsamen Internet-Vertrieb?

11.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Angeblich steht eine Einigung der großen Musik-Mogule Bertelsmann Music Group (BMG), EMI, Sony, Universal und AOL Time Warner über eine gemeinsame Vertriebsplattform im Internet kurz bevor. Laut einem Bericht der deutschen Ausgabe der Financial Times soll das Phonoline Portal den weiterhin boomenden Tauschbörsen im World Wide Web Paroli bieten. Bislang schlugen derartige Versuche aufgrund der mangelnden Kooperationsbereitschaft der großen Konzerne fehl. Bemühungen, jeweils eigene Plattformen im Netz zu etablieren, scheiterten meist kläglich. Komplizierte Abrechnungsmodelle sowie das auf ein Label beschränkte Angebot trieben

die Nutzer weiter auf die Seiten der Tauschbörsen, wo sie mehr und vor allem kostenlose Songs vorfanden. Nach Einschätzung von Experten zwangen Einbrüche bei den Umsatzzahlen die Musikanbieter jetzt zum Einlenken. So setzte die Branche im vergangenen Jahr knapp zwei Milliarden Euro in Deutschland um, elf Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Für 2003 drohen weitere Einbrüche von bis zu 20 Prozent. Um diesem Trend entgegenzuwirken, soll nun ein gemeinsames Musikportal im Internet die Nutzer von den Tauschbörsen weglocken. Allerdings wollen die einzelnen Anbieter weiter die Kontrolle über ihr Musiksortiment behalten. So soll es zwar einen gemeinsamen Zugang geben, die einzelnen Songs würden jedoch nach den jeweiligen Konditionen des Rechteinhabers abgerechnet. Ob es damit gelingt, die Macht der Tauschbörsen zu brechen, bleibt abzuwarten. (ba)