Abtruennige unter IBMs Stammklientel

Einige Versicherer erwaegen den Wechsel von OS/2 nach Windows

19.01.1996

Noch vor wenigen Monaten bruesteten sich IBM-Strategen mit einem Grosskundengeschaeft: Die in Illinois ansaessige State Farm Insurance Co. wollte rund 10000 Arbeitsplaetze mit OS/2 Warp und Warp Connect ausstatten. Inzwischen muss diese Zahl wohl erheblich nach unten korrigiert werden. Die juengst beschlossene Strategie des Versicherers lautet "Managed Choice" und erlaubt den IT- Verantwortlichen, ein Betriebssystem einzufuehren, das den jeweiligen Belangen am naechsten kommt. Die Folge: Ein betraechtlicher Teil der Anwender wird zu Windows NT wechseln, so ein Unternehmenssprecher.

Aehnliches gilt fuer die Travelers Insurance Co. aus Hartford, Connecticut, wo eine Migration auf Windows-95-Clients und NT- Server geplant ist. Als Grund fuer den offiziell nicht kommentierten Schwenk wird der anhaltende Mangel an OS/2- Anwendungen genannt. Ausserdem mache sich intern die Sorge breit, ob IBM sich auch langfristig ausreichend fuer OS/2 engagieren werde.

Selbst wenn derzeit noch die meisten Versicherer IBMs Betriebssystem Treue schwoeren, einen Trend in den Pro-Windows- Entscheidungen einiger Branchengroessen erkennt auch IDC-Analyst David Card. Wer wie die von Big Blue umworbenen und gepflegten Versicherer ein stabiles 32-Bit-Umfeld mit den benoetigten Sicherheitsfunktionen und einfachem Handling einsetzen wollte, hatte bis vor wenigen Jahren noch keine Alternative zu OS/2. Mit NT habe sich nun ein adaequater Konkurrent etabliert, der auch von konservativen IT-Managern zunehmend ernst genommen werde.