Agile, Wasserfall und co.

Eine Aufgabe - drei Entwicklerteams

03.01.2012
Von Stefan Ueberhorst
Der japanische IT-Dienstleister NTT Data hat es getestet: Parallel traten drei internationale IT-Teams mit unterschiedlichen Entwicklungsmethoden an, um die gleiche Aufgabe zu lösen.

Vergleiche zwischen unterschiedlichen Methoden in der Softwareentwicklung bleiben theoretisch und erfassen allenfalls ähnliche Projekte oder Projektabschnitte. Der Grund dafür: Welcher Auftraggeber leistet sich schon den Luxus, ein und dieselbe Aufgabe von mehreren Teams lösen zu lassen?

Der Vergleich konventioneller Softwareentwicklung (braun) mit agilen Projekten (grün), die nach dem Follow-the-Sun-Prinzip ablaufen, ergibt bei angenommenen gleichen Projektkosten folgende Vorteile.
Der Vergleich konventioneller Softwareentwicklung (braun) mit agilen Projekten (grün), die nach dem Follow-the-Sun-Prinzip ablaufen, ergibt bei angenommenen gleichen Projektkosten folgende Vorteile.
Foto: NTT Data/Cirquent

Das hat jetzt der japanische IT-Dienstleister NTT Data in Zusammenarbeit mit seiner deutschen Consulting-Tochter Cirquent getan. Drei Projektteams - ein rein japanisches, ein deutsch-japanisches und ein indisch-japanisches - traten an, um mit unterschiedlichen Methoden eine identische Aufgabe zu lösen. Ziel dieser "Versuchsanordnung" war es, agile und klassische Methoden der Softwareentwicklung einem Praxisvergleich zu unterziehen. Die japanische Zentrale von NTT Data arbeitete als Auftraggeber, und die dort verlangten Reports über Projektdesign, Methoden, Fortschritte und Aufwände dienten zugleich als Grundlage für den empirischen Vergleich der Methoden.

Verwaltung der Zutrittskontrolle

Allen drei Teams wurde die Aufgabe gestellt, die Verwaltungssoftware für eine standortübergreifende, komplexe Zutrittskontrolle zu modernisieren. Dies schloss ein Web-Frontend für die Administratoren, Rollenmodelle für Berechtigungen sowie Workflows für Kartenverlust, Neuausgabe, Sperre etc. ein. Den Teams wurden Spezifikationen und Anforderungen übergeben, bestimmte Bereiche wie das Oberflächendesign sollten im Projektverlauf mit Anwendern näher definiert werden.

Das erste Team bestand aus neun japanischen Entwicklern, die an ein und demselben Standort im klassischen Wasserfall-Ansatz an die Entwicklungsaufgabe gingen. Team zwei setzte sich aus zwei Gruppen in Japan und Indien zusammen, die in zwei stark überlappenden Schichten arbeiteten. Das von der deutschen Cirquent geleitete Team drei bildete drei Gruppen, um in drei Schichten rund um die Uhr ("Follow-the-Sun") entwickeln zu können: zwei in getrennten Standorten und Schichten in Japan, eine in München.

"Die drei Vergleichsgruppen arbeiteten mit unterschiedlichen Ansätzen", erläutert Jürgen Schön, Programmleiter bei Cirquent. "Das von uns geleitete Team kombinierte agile Scrum-Methoden und ihre üblichen Sprints mit einer Follow-the-Sun-Organisation." So wurde 24 Stunden pro Werktag am Projekt gearbeitet. Die jeweils drei Mitarbeiter starken Teams übergaben die Projektstände im "Kreis" durch Telefon- und Videokonferenzen während der nur einstündigen Schichtüberlappung.

Das indisch-japanische Team nutzte dagegen Mischformen zwischen klassischer und agiler Methodik. In Teilprojekten wurde nach Waterfall gearbeitet, in anderen Teilbereichen fanden Übergaben zwischen der japanischen und indischen Gruppe statt - insgesamt wurde zeitlich stark überlappend von 8.30 Uhr bis 20.45 Uhr lokaler japanischer Zeit gearbeitet.

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