Green IT mit Circulee

Ein zweites Leben für gebrauchte Büro-Hardware

08.07.2022
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Auch so geht Nachhaltigkeit: Das Berliner Startup Circulee verschafft ausgemusterten Leasing-Geräten ein zweites Leben - und ihren Nutzern eine fast weiße CO2-Weste.
Kaum Grund zum Austauschen: Je nach Nutzung sind gute Business-Notebooks nach zwei bis drei Jahren gerade einmal "eingefahren".
Kaum Grund zum Austauschen: Je nach Nutzung sind gute Business-Notebooks nach zwei bis drei Jahren gerade einmal "eingefahren".
Foto: Circulee

Unternehmen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben, macht die Anschaffung von Büro-IT schnell einen Strich durch die CO2-Rechnung: Denn mit jedem PC, Laptop, Monitor und Smartphone steigt die Umweltbelastung durch CO2-Emissionen und Elektroschrott. So verursacht ein einziger neuer Monitor allein in der Herstellung zirka 420 kg CO2, das entspricht den Emissionen von drei Inlandsflügen.

Umso dramatischer angesichts dieser Werte ist, dass PCs, Laptops, Smartphones und sogar Monitore häufig bereits nach zwei bis drei Jahren ersetzt werden - und das, obwohl die Geräte längst nicht mehr so kurzlebig wie noch vor einigen Jahren sind.

Unternehmen, die ihren CO2-Footprint nicht mit der Anschaffung von Endgeräten ruinieren wollen, bietet das Berliner Startup Circulee nun eine interessante Lösung an: Die Ausgründung des IT-Leasing-Anbieters CHG-Meridian vertreibt Laptops, Smartphones, Monitore und Tablets, die alle zuvor zwei bis drei Jahre in Konzernen im Einsatz waren und nun eine nahezu reine CO2-Weste haben.

Ausgemusterte Leasing-Geräte

Dazu unterzieht der Hardware-Partner CHG-MERIDIAN jedes einzelne Gerät einer TÜV-zertifizierten Datenlöschung, prüft und reinigt es. "Ein klassisches Refurbishing, also die Aufbereitung mit Austausch von Teilen, findet dagegen nicht statt", erklärt Circulee-CEO Thomas Gros im CW-Gespräch. Um den CO2-Footprint so niedrig wie möglich zu halten, nehme Circulee nur Geräte in Topqualität und führe keine Reparaturen aus, so der Firmenchef. Selbst Akkus würden nicht ausgetauscht, sondern nur Akkulaufzeit und -kapazität getestet.

"Ist die Batterie nicht okay, nehmen wir das Gerät nicht", so Gros. Zumindest im ersten Schritt, fügt er hinzu. Es gebe noch genügend hochqualitative Ware, einen Akku zusätzlich zu kaufen, würde bedeuten, dass wieder zusätzlich CO2 konsumiert wird. "Dann würde es schnell komplex, denn ich müsste genau überlegen, wo der Akku herkommt, wieviel CO2 beim Transport und bei der Installation verbraucht wurde, etc.", erklärt der Circulee-Chef.

Um den Eindruck zu vermeiden, man betreibe reines Greenwashing, bietet das Startup seinen Kunden volle Transparenz darüber, woher die Geräte kommen, was mit ihnen gemacht wird und wie die dabei entstehenden CO2-Emissionen berechnet werden. "Unter den rund 50 zahlenden Kunden - Tendenz steigend - sind echte Nachhaltigkeits-Vorreiter, die sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben", berichtet Gros. Für die sei natürlich besonders wichtig, dass sie dann wissen, so steht es um das CO2-Accounting.

"Unser Ziel ist es, die Denkweise, wie lange ein Gerät genutzt werden kann, zu ändern" Circulee-CEO Thomas Gros
"Unser Ziel ist es, die Denkweise, wie lange ein Gerät genutzt werden kann, zu ändern" Circulee-CEO Thomas Gros
Foto: Circulee

Nachhaltigkeit und Haltbarkeit

Nachhaltigkeit ist natürlich nur ein Aspekt, den die Kunden wünschen, schließlich soll mit den Geräten auch gearbeitet werden. Hierzu stellt Circulee sicher, dass die Devices mindestens drei weitere Jahrefunktionieren und softwaretechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden können. Aktuell erhielten die Kunden ein Jahr Gewährleistung, berichtet Gros, schon bald werde sein Unternehmen aber in Kombination mit einer Versicherung ein Zwei-Jahrespaket anbieten.

Ein Thema, an dem das Startup derzeit noch arbeitet, ist die Möglichkeit, größere Stückzahlen von einem Gerätemodell bereitzustellen. "Wir haben schon die ersten Kunden, die auch mal 20 oder 30 Laptops bestellten und die konnten wir ohne Probleme beliefern", berichtet der Jungunternehmer. "In einem anderen Fall wurden 50 Stück von dem gleichen Gerät gewünscht, da mussten wir dagegen passen."

Unterschiedlich hohe Kostenersparnis

Der Plan, alle Mitarbeitenden mit einem Macbook Pro zu beglücken und gleichzeitig Geld und CO2 zu sparen, gestaltet sich aber nicht nur wegen möglicher Beschaffungsprobleme schwierig. Die Kostenersparnis hängt von Gerätetyp und Modell ab, erklärt Gros. Während sich bei Monitoren teilweise eine Kostenersparnis von 50 oder mehr Prozent realisieren lasse, verbuchten Apple-Geräte - je nach Modell - über drei Jahre einen geringeren Wertverlust von 20 bis 50 Prozent.

Auch bei der CO2-Ersparnis seien die Bildschirme mit 70 bis 80 Prozent Spitzenreiter, so der Circulee-Chef: "Hinzu kommt, dass wir den Zeitpunkt, wo ein neues Produkt gefertigt wird, noch einmal drei Jahre nach hinten verschieben, das ist ein zweiter Lebenszyklus."

Steuerung über ein Cloud-Cockpit

Um dieses Bewusstsein auch bei den Anwendern zu unterstützen, stellt ihnen das Berliner Startup über das Circulee Cockpit ein Analyse-Tool zur Verfügung. Mit diesem können die Nutzer berechnen, was ihre Devices über die Zeit an CO2 einsparen, beziehungsweise, welche Emissionen vermieden werden, wenn sie diese über die reguläre Laufzeit nutzen.

Den Unternehmen selbst hilft das Cloud-Portal bei der Verwaltung und Organisation. So können sie dort ihre komplette Gerätelandschaft einsehen, die Hardware bestimmten Nutzern zuweisen, Service-Tickets ausstellen und Geräte ersetzen oder recyclen, indem sie über das Cockpit ein End-of-Life-Paket buchen.

Denkweise ändern

Längerfristig plant Circulee, das Sortiment auszubauen und weitere Dienstleistungen wie Abo- oder Mietangebote sowie Geräteversicherungen hinzuzufügen. "Unser Ziel ist es, die Denkweise, wie lange ein Gerät genutzt werden kann, zu ändern", erklärt Gros. "Wir kommen aus einer Ära, wo Hardware zum Teil nach drei oder vier Jahren ausgetauscht wurde, obwohl sie zum Teil auch nochmal komplett funktionstüchtig ist. Da sagen die Mitarbeiter schon 'Hey, das Gerät funktioniert noch, warum brauche ich jetzt ein Neues?'"