Kabelfernsehen:

"Ein vorbildliches Modell"

27.02.1978

MÜNCHEN (hz) - Über "kleinkarierte Pläne für Pilotprojekte des Kabelfernsehens" klagte Dr. Klaus Brepohl vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln und stellte ein "vorbildliches Modell für eine echte Kabelkommunikation" dagegen, das in Berlin erprobt werden soll. Das gesamte Bildungswesen benötigt - so Brepohl - dringend und bald die Möglichkeit der Breitbandkommunikation, im Ausbildungsbereich könne der Unterricht durch die Einbeziehung eines eigenständigen Kabelfernsehens bereichert und lebendiger gestaltet werden.

Die Pläne für die Pilotprojekte des Kabelfernsehens sind meist kleinkariert und berücksichtigen - soweit bisher bekannt - die wichtigen Forderungen des Bildungswesens gar nicht oder neu gering: Sie sind alle themenbezogen; manches in ihnen ist für en Bildungsbereich wichtig, aber er ist nicht systematisch einbezogen. Um so erfreulicher ist es, daß ein Projekt erarbeitet worden ist, das wirklich zukunftsweisend ist und auch das Bildungswesen berücksichtigt: Es handelt sich hierbei um den Plan für eine echte Kabelkommunikation, die in Berlin erprobt werden soll. Hier ist bereits ein breitbandiger Rückkanal vorgesehen, der neben den normalen und zusätzlichen Fernseh- und Hörfunkprogrammen eine Anzahl von Informations- und Dialogdiensten vorsieht. Bei dem lokalen Hörfunk und Fernsehen sind ausdrücklich Bildungs- und Weiterbildungsprogramme vorgesehen. Ein Verteildienst ermöglicht die Nutzung des Bildschirmtextes über das gleiche Kabel. Weiter kommen Dialogdienste hinzu, die in vier Gruppen unterteilt sind: Information (Auskünfte über Veranstaltungen, Kultus, Soziales und Marktübersichten), Bildung (computerunterstützter Unterricht) sowie Vermittlung (Auskünfte der verschiedenen öffentlichen Einrichtungen, Arbeitsvermittlung und ähnliches). Darüber hinaus ist ein "Digitaldienst" vorgesehen, durch den die Teilnehmer über den Rückkanal einen Dialog mit Datenverarbeitungs- und Speicheranlagen führen können. Gespeicherte Schrift-, Bild- und Töninformationen sind die Grundlage für eine Anzahl verschiedener Informationsdienste. Die Rechnerkapazität kann auch im interaktiven Unterricht genutzt werden. Da nur ein Teil der Angebote unter den Rundfunkbegriff fällt, soll eine neue Körperschaft des öffentlichen Rechts als Träger gegründet werden. Neben den gesellschaftlich relevanten Gruppen, den Rundfünkanstalten und Zeitungsverlegern sollen auch Vertreter der Bildungseinrichtungen Mitglied dieser Körperschaft werden. Damit sollen eventuelle Kompetenzschwierigkeiten ausgeräumt werden.