Web

 

EDS-Tochter Systematics will sich von Teilen der Belegschaft trennen

20.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die schlechte Nachricht kam für die Mitarbeiter der Systematics-Gruppe per E-Mail: Personalvorstand Peter Deusinger teilte der Belegschaft mit, dass sich das Unternehmen im Zuge eines Restrukturierungsprogramms bis spätestens 30. Juni 2003 von einer noch nicht genannten Zahl von Angestellten trennen will.

Das Restrukturierungsprogramm innerhalb der Systematics-Gruppe sei erforderlich, "um die notwendige Neuausrichtung, Fokussierung und Umgestaltung unseres Business- Modells und unseres Service-Portfolios aufgrund der veränderten Marktgegebenheiten effektiv durchführen zu können", schrieb Deusinger. Nur mit dieser Maßnahme sei "für Systematics/EDS und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine erfolgreiche und sichere Zukunft in unserer wettbewerbsorientierten Branche" zu gewährleisten.

Jan Hülsmann, Sprecher der EDS, sagte, mit der Restrukturierung habe die EDS-Tochter Systematics AG bereits Anfang 2001 begonnen. Seitdem habe man die Zahl der ursprünglich 42 Gesellschaften im Verbund der AG auf heute 17 reduziert. Hülsmann teilte weiter mit, dass im Januar 2001 insgesamt 2023 Mitarbeiter bei der SAG beschäftigt waren, im Januar 2002 noch 1952. Bis heute sei die Belegschaft der EDS-Tochter wieder um 30 Angestellte angewachsen. Systematics war am 2. April 2001 von dem US-Dienstleister EDS gekauft worden. EDS und Systematics betreiben in Deutschland nach Mitteilung von Hülsmann rund 65 Standorte, ungefähr die Hälfte davon beerbte EDS bei der Übernahme.

Hülsmann wollte keine konkreten Aussagen darüber machen, wie viele Mitarbeiter im Zuge der jetzt verkündeten Restrukturierungsmaßnahmen das Unternehmen bis zum 30. Juni 2003 verlassen sollen. Er sagte nur, "als Hausnummer könne man von 30 bis 50 Mitarbeitern ausgehen". Bei dieser Angabe sei natürlich eine mögliche negative wirtschaftliche Entwicklung nicht berücksichtigt. Außerdem erklärte der Firmensprecher, man werde auch neue Mitarbeiter einstellen.

Wie Personalchef Deusinger in der E-Mail weiter schrieb, seien der Systematics-Vorstand und die Verantwortlichen der einzelnen Gesellschaften bemüht, die Maßnahmen sozialverträglich und unter Vermeidung von betriebsbedingten Kündigungen in Form von einvernehmlichen Aufhebungsvereinbarungen mit den betroffenen Mitarbeitern abzuschließen.

Die Hamburger wollen die Kündigungen - um die es sich trotz des euphemistischen Begriffs Aufhebungsvereinbarung arbeitsrechtlich handelt - bis spätestens zum 30. Juni 2003 durchgezogen haben. Den Mitarbeitern räumt das Unternehmen eine zweiwöchige Bedenkzeit ein, um über die Annahme des Angebotes zu entscheiden. Vorzeitige Freistellungen unter Berücksichtigung geschäftlicher Gegebenheiten seien möglich, teilte Personalvorstand Deusinger mit.

Interessant ist Deusingers Aussage, falls in der jeweils betroffenen Unternehmenstochter (es gibt davon wie gesagt noch 17) ein Betriebsrat vorhanden sei, müsse dieser vor den Gesprächen mit den betroffenen Mitarbeitern informiert werden. In den Ablegern mit Arbeitnehmervertretung ist nach Wissen von EDS-Sprecher Hülsmann ein Sozialplan aufgestellt worden. Um einen einheitlichen Informationsstand herzustellen, habe Personalchef Deusinger nun per E-Mail eine Information über die Option von Aufhebungsverträgen an alle Mitarbeiter geschickt. Die Tatsache, dass in einigen Gesellschaften Sozialpläne aufgestellt wurden, könnte aber darauf hindeuten, dass es beim geplanten Stellenabbau doch zu größeren Entlassungen kommen könnte.

Interessant dürfte ferner sein, wie die geplante Neuausrichtung, Fokussierung und Umgestaltung des Geschäftsmodells und das künftige Service-Portfolio aussehen werden. Noch im März 2002 sprach Carsten Gram, Mitglied der Geschäftsleitung der EDS Deutschland GmbH, nicht ohne Selbstbewusstsein davon, man habe "das Mittelstands-Know-how verschiedener Systematics-Töchter unter ein Dach holen" können. Ob nicht genau dieses Argument nun der Restrukturierung geopfert wird, bleibt vorerst dahingestellt.

Allerdings scheint es eher unwahrscheinlich, dass man ausgerechnet die Division EDS Mid-Market-Solutions stark dezimieren wird: Die im wesentlichen aus den im Dezember 1999 von Systematics gekauften Unternehmen BOG Koblenz und Planorg Köln zusammengesetzte Geschäftseinheit mit rund 250 Mitarbeitern ist so etwas wie das Filetstück des Unternehmens.

Auch die Frage, in welchem Maße die EDS-Tochter noch das Thema Outsourcing betreiben wird, hält Hülsmann für erledigt. Dieses Aufgabenfeld sei für Systematics sehr wichtig. EDS-Geschäftsleitungsmitglied Gram hatte festgestellt, insbesondere im Mittelstand werde die Auslagerung von IT-Dienstleistungen in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen. Denn viele Mittelständler, die sich zu einem großen Teil europaweit oder sogar im Weltmarkt positionieren wollten, könnten nicht mehr für jede IT-Anwendung und für jeden Prozess Spezialisten vorhalten.

Die Neuformierung von Systematics kommt im Zuge der Bereinigungstendenzen im Markt der Systemhäuser nicht überraschend, wie auch die Pleite des noch vor nicht so langer Zeit hoch gehandelten IT-Dienstleisters M+S zeigt. Viele dieser Unternehmen haben eine Umsatzstruktur, die mangels Marge ungesund ist, konzedierte vor einem Vierteljahr Compunet-Vorstandschef Johannes Meier. Meier sieht zumindest im klassischen Systemhausumfeld als Wettbewerber mittlerweile nur noch EDS/Systematics und die Bechtle-Gruppe. (jm)