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EDS legt verspätete Quartalsbilanz vor

16.11.2004
Nach Verhandlungen mit KPMG schreibt EDS erneut eine größere Summe auf seinen Navy-Auftrag ab. Außerdem muss der texanische Dienstleister seine Bilanz für 2003 revidieren.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Electronic Data Systems (EDS) hat seine mehrfach verschobene Bilanz für das am 30. September abgeschlossene dritte Quartal vorgelegt. Darin weist der IT-Dienstleister aufgrund einer hohen Sonderbelastung durch einen Outsourcing-Vertrag mit der US-Marine einen höheren Nettoverlust aus. Außerdem muss das Unternehmen einige Ergebnisse für 2003 revidieren, nachdem sein Wirtschaftsprüfer Fragen über die Verbuchung von Bonuszahlungen aufgeworfen hatte.

Für das dritte Quartal 2004 meldet EDS einen Nettoverlust von 153 Millionen Dollar oder 30 Cent pro Aktie nach einem Fehlbetrag von 16 Millionen Dollar oder drei Cent je Anteilschein im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Ohne die Abschreibung von 375 Millionen Dollar vor Steuern für den Navy-Auftrag hätte das Unternehmen aus Plano, Texas, aktuell einen Gewinn von 57 Millionen Dollar oder elf Cent pro Aktie ausgewiesen. Weitere drei Cent je Anteilschein wurden auf offene Rechnungen der unter Gläubigerschutz stehenden Fluglinie US Airways abgeschrieben.

Der Quartalsumsatz ging im Jahresvergleich geringfügig von fünf auf 4,95 Milliarden Dollar zurück. Im Laufe des Quartals schloss EDS neue Aufträge im Volumen von 3,3 Milliarden Dollar ab im Vergleich zu 3,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen mit General Motors, größter Kunde und frühere Konzernmutter, fielen im Jahresvergleich von 533 Millionen Dollar um zwölf Prozent auf 467 Millionen Dollar.

Die Verhandlungen mit KPMG über die Höhe der Navy-Abschreibung hatten die Veröffentlichung des Berichts um drei Wochen verzögert. EDS muss ferner die Gewinne für die beiden letzten Quartal 2003 sowie Umsätze für das gesamte Fiskaljahr revidieren. Der operative Gewinn für 2003 bleibe aber unverändert, erklärte das Unternehmen.

Außerdem seien die Buchprüfer im Zusammenhang mit den Prognosen zum Cash Flow im Zusammenhang mit dem Auftrag zur Modernisierung der Navy-IT (Navy Marine Coprs Intranet = NMCI) auf "wesentliche Schwächen in den firmeninternen Kontrollen" gestoßen, so EDS. Aus Sicht von KPMG habe EDS den Wert von Rechnern und anderen Systemen zu hoch angesetzt, die nach Ablauf des Vertrags im Besitz der US-Marine verbleiben. Überdies habe man den Umsatz für einen weiteren kommerziellen Kontrakt nicht ordnungsgemäß verbucht, weswegen neun Millionen Dollar vom dritten ins vierte Quartal 2003 verlagert werden müssten.

EDS-Chef Michael Jordan kommentierte: "Wir haben schnell gehandelt, um die Fragen unseres Wirtschaftsprüfers anzugehen, und gehen davon aus, dass wir die Probleme aus der Welt geschafft haben." Ein Firmensprecher ergänzte, es gebe keine offenen Kontroversen mehr mit KMPG.

EDS hatte die Bilanz für das dritte Quartal am 25. Oktober verschoben, nachdem KPMG den Buchwert von Aktiva aus dem Marine-Auftrag angezweifelt hatte, der ein Volumen von bis zu 8,8 Milliarden Dollar hat. Die aktuelle Abschreibung ist bereits die zweite im Zusammenhang mit dem Mega-Deal. Im vierten Quartal letzten Jahres hatte EDS schon einmal 556 Millionen Dollar abgeschrieben.

EDS hält seine Umsatzprognose von 20 bis 21 Milliarden Dollar für das Fiskaljahr 2004 aufrecht und erhöhte seine Prognose für den Pro-forma-Gewinn pro Aktie auf 23 bis 31 Cent. (tc)