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EDS hat sich arg verspekuliert

25.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dass sich nicht nur private Anleger, sondern auch Firmen mit Aktiengeschäften die Finger böse verbrennen können, musste Electronic Data Systems (EDS) vor kurzem feststellen: Der IT-Dienstleister sah sich in der vergangenen Woche gezwungen, Schuldverschreibungen in Höhe von 225 Millionen Dollar auszugeben, um Verträge über den Kauf von 3,7 Millionen eigenen Anteilen zum Preis von über 60 Dollar je Aktie aufzulösen.

Presseberichten zufolge hatte das Unternehmen im Dezember vergangenen Jahres ein Derivate-Geschäft abgeschlossen, um die Kosten für Aktienoptionsprogramme zu senken und gleichzeitig den Cash-flow aufzubessern. Dabei gab EDS Put-Optionen für 2,5 Millionen eigene Aktien bei einem Durchschnittspreis von 62,90 Dollar aus. Die Erwerber der Put-Optionen erhielten bei diesem Deal das Recht, EDS-Aktien für den vereinbarten Betrag an das Unternehmen zurückzugeben. Wäre der Kurs über den festgelegten Wert gestiegen, wären die Optionen und damit auch das Verkaufsrecht verfallen. EDS kassierte bei dieser "Wette" von dem Käufer - gewöhnlich eine Investmentbank - eine Gebühr von 75 Cents je Aktie. Das Geld nutzten die Texaner, um die Kosten für die Ausgabe von Aktienoptionen an Mitarbeiter zu senken.

Außerdem verpflichtete sich EDS Ende Juni in einem anderen Deal, weitere 2,6 Millionen eigene Anteile zu einem nicht bekannten Zeitpunkt für 61,58 Dollar je Anteil zu übernehmen.

Die Rechnung ging allerdings in beiden Fällen nicht auf: Während der Kurs der EDS-Aktie im vergangenen Jahr fast kontinuierlich anstieg und - wenn auch nur kurz - Ende November bei über 70 Dollar zeichnete, ist der Wert des Titels in diesem Jahr drastisch gefallen. Nach einer Gewinnwarnung in der vergangenen Woche (Computerwoche online berichtete) sah EDS dann offenbar endgültig die Chancen schwinden, dass der Aktienkurs in nächster Zeit wieder über 60 Dollar klettern wird. Als der Konzern seine Verpflichtungen am Freitag einlöste, war ein Anteil nur noch 17,79 Dollar wert, inzwischen liegt der Kurs des Papiers bei unter zwölf Dollar.

EDS-Schatzmeister Scott Krenz versuchte Anleger und Analysten zu beruhigen, indem er erklärte, dass die Kosten von 225 Millionen Dollar weder Gewinn noch Cashflow beeinflussen. Er gab jedoch zu, dass mit den Zahlungen dennoch Geld aus dem Unternehmen geflossen sei. Die Texaner stehen unter Druck, nachdem mit Worldcom und US Airways zwei Großkunden Gläubigerschutz beantragt hatten. Außerdem leidet das Unternehmen unter der Investitionsflaute.

Wetten dieser Art sind und waren bei einer Reihe von US-Unternehmen gang und gäbe, insbesondere in den späten 90er Jahren, zu Zeiten des Hightech-Booms: So spekulierte beispielsweise Microsoft zwischen 1997 und 2000 mit insgesamt fast zwei Milliarden Dollar auf einen Kursanstieg und musste dabei letztendlich im Jahr 2000 Lehrgeld zahlen. Zeitweise glücklos war auch der Computerbauer Dell: Der texanische Direktvertreiber gab in den letzten beiden Jahren im Schnitt 44 Dollar pro Aktie aus, um 200 Millionen eigene Anteile aus einem ähnlichen Programm zurückzukaufen. Dabei lag der Kurs des Papiers zu keinem Zeitpunkt höher als 36 Dollar. (mb)