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Echtzeit-Warehousing - eine Frage des Bedarfs

21.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - So pauschal, wie die IT-Branche das Echtzeitunternehmen predigt, wollen Anwender das Konzept, das sich oft nur mit erheblichem Aufwand umsetzen lässt, nicht akzeptieren. Die kritische Einstellung zu Realtime-Techniken zeigte sich jüngst wieder auf einer Podiumsdiskussion, die vom Integrationsspezialisten Ascential Software im Rahmen eines Data-Warehouse-Kongresses in Boston initiiert wurde. Mehrere Anwender postulierten dort, dass Echtzeit für sie eine subjektive Größe sei und von den Erfordernissen der Geschäftsprozesse jedes einzelnen Unternehmens abhänge.

So äußerte Stephen Zander, IT-Chef des in San Francisco ansässigen Pharma-Großhändlers McKession Corp., dass ihn vor allem die schlechte Datenqualität an einer schnelleren Informationsbereitstellung hindere. Rund um das Data-Warehouse müsse derzeit noch zu viel Arbeit aufgewendet werden, um das System von fehlerhaften Eingaben zu bereinigen, die irgendwo an der Peripherie getätigt wurden. Sein Unternehmen schaffe es inzwischen Transaktionsdaten binnen 24 Stunden über das Warehouse zur Verfügung zu stellen.

Für Bob Leo, Datenbankadministrator beim Logistikdienstleister Landstar Systems Inc., ist es ohnehin nicht sinnvoll, Echtzeitinformation generell anzustreben. Seine Aufgabe bestehe auch darin, zu prüfen, welcher Geschäftsvorfall in welchen Zeitabständen aktualisierte Daten benötigt, und diese dann am entsprechenden Arbeitsplatz zu publizieren. Echtzeit-Verbindungen machen nur für einige wenige Mitarbeiter Sinn, die zum Beispiel stündlich über Updates der Finanzdaten verfügen müssen, bestätigt Danny Siegel vom New Yorker Pharmaunternehmen Pfizer Inc. Sein tatsächliches Problem: Der Aufbau eines Data-Warehouses erfordere sehr viele Schnittstellen, deren Pflege jährlich teurer wird. "Das kostet wirklich viel Geld", so Siegel. (ue)