Alexa für Autofahrer

Echo Auto im Test

23.06.2020
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Mit Echo Auto verkauft Amazon eine Alexa-Lösung speziell fürs Auto. Welche Vorteile bietet Echo Auto und wo hapert es? Wir machen den Test.

Amazon verkauft seit dem 17.6.2020 Echo Auto in Deutschland. Dabei handelt es sich um ein Echo, das speziell für den Einsatz im Auto angepasst wurde. Echo Auto konkurriert mit ähnlichen Geräten von Drittanbietern wie dem Roav Viva Pro von Anker. Wir testen das neueste Echo-Gerät von Amazon.

Echo Auto: Amazon bringt Alexa ins Fahrzeug
Echo Auto: Amazon bringt Alexa ins Fahrzeug
Foto: Amazon

Zielgruppe und: Warum überhaupt ein eigener Echo?

In erster Linie sollen wohl Besitzer älterer Fahrzeuge, die noch keine leistungsfähige Sprachsteuerung im Auto nutzen können, zu Echo Auto greifen. Sie können natürlich Alexa bereits jetzt im Auto nutzen. Über die Alexa-App auf dem Smartphone. Echo Auto soll aber den Vorteil der besseren Spracherkennung dank seiner acht Mikrofone bieten. Zudem nutzt Echo Auto die Lautsprecher Ihres Autos, was für eine bessere Soundausgabe sorgt. Außerdem müssen Sie auf dem Smartphone die Alexa-App erst starten beziehungsweise immer laufen lassen - das entfällt mit Echo Auto.

Echo Auto: Links das Mikrofon-aus-Button, rechts der Setup-Button.
Echo Auto: Links das Mikrofon-aus-Button, rechts der Setup-Button.
Foto: Amazon

Funktionsumfang: Wie gehabt

Grundsätzlich bietet Alexa in Echo Auto die gleichen Funktionen und Skills wie in den eigenen vier Wänden. Sie können also mit Alexa Musik hören, Nachrichten checken, Anrufe tätigen, Ihren Kalender organisieren, ein Hörbuch von Audible genießen oder nach einer Route fragen - die Navigation startet dann wahlweise mit Google Maps, Waze oder Apple Maps.

Sie können auch vom Auto aus Ihre Smart-Home-Geräte steuern. Besonders praktisch ist im Auto das Erstellen von To-do-Listen mit Hilfe von Alexa. Wenn Ihnen also während der Fahrt etwas einfällt, das Sie sich notieren möchten, dann müssen Sie nicht eigens anhalten, um sich eine Notiz zu machen. Sondern Sie lassen einfach Alexa eine Notiz anlegen.

Amazon hat Alexa zudem um einige Funktionen erweitert, die speziell im Auto hilfreich sind. So können Sie Alexa zum Beispiel die nächstgelegene Tankstelle suchen und sich die Kraftstoffpreise vorlesen lassen. Auch die Suche nach einer Tankstelle in der Umgebung klappt mit Alexa.

Montage
Montage
Foto: Amazon

Sie können mit Alexa von Echo Auto aber keinerlei Funktionen Ihres Autos wie Klimaanlage oder Sitzeinstellung bedienen.

Ausstattung und Lieferumfang: Umfassend

Echo besitzt an der Oberseite acht Mikrofone mit Fernfeldtechnologie. Damit soll Echo Auto die Fahrzeuginsassen trotz Wind-, Reifen-, Klimaanlagen- und Motorengeräusch verstehen können.

Acht Mikrofone an der Oberseite.
Acht Mikrofone an der Oberseite.

Außerdem sind der Mikrofon-an/aus-Schalter und die Aktionstaste dort verbaut. An der Vorderseite Richtung Fahrer befindet sich ein Lichtbalken, der anzeigt, wenn Alexa zuhört oder arbeitet oder ein Problem auftritt. An der rechten Seite verbaut Amazon den Micro-USB-Anschluss zur Stromversorgung und einen AUX-Audioausgang für den Fall, dass die Verbindung zum Auto nicht über Bluetooth, sondern über ein AUX-Kabel hergestellt wird.

Lieferumfang
Lieferumfang
Foto: Amazon

Dem Echo Auto liegen eine Lüftungsschlitzhalterung, ein Micro-USB-Kabel, ein AUX-Kabel und ein KFZ-Ladegerät bei. Sie stecken entweder dieses Ladegerät in eine 12-Volt-Steckdose in Ihrem Fahrzeug oder verbinden das Micro-USB-Kabel direkt mit einem in Ihrem Auto vorhandenen USB-Port, um Echo Auto mit Strom zu versorgen. Außerdem legt Amazon eine gedruckte mehrsprachige Kurzanleitung und eine Mini-Einleitung für Alexa bei.

Die blaue LED signalisiert die Einsatzbereitschaft von Alexa.
Die blaue LED signalisiert die Einsatzbereitschaft von Alexa.

Echo Auto besitzt also keinen eigenen Akku und keinen Lautsprecher. Die Soundausgabe erfolgt über die Lautsprecher des Fahrzeugs. Echo Auto überträgt seine Ausgabe via Bluetooth an das Infotainmentsystem des Autos und damit an dessen Lautsprecher. Falls das Auto Bluetooth nicht unterstützt, kann man Echo Auto auch per Kabel mit einer 3,5-mm-Audiobuchse im Auto verbinden.

Die technischen Mindestvoraussetzungen des Fahrzeugs

Ihr Auto muss mindestens über einen Stromanschluss in Form von USB-Port/Zigarettenanzünder und über Lautsprecher sowie über einen AUX-Port (oder Bluetooth) verfügen.

Stromversorgung per microUSB-Kabel, die Daten gehen über Bluetooth zum Autoradio.
Stromversorgung per microUSB-Kabel, die Daten gehen über Bluetooth zum Autoradio.

Inbetriebnahme: Einfach

Sie nehmen Echo Auto genauso wie ein Echo zu Hause mit Hilfe der Alexa-App auf Ihrem Smartphone in Betrieb. Denken Sie aber daran, dass Sie Ihr Fahrzeug an einen Standort stellen, an dem eine gute Mobilfunkverbindung besteht. Bei der Einrichtung haben Sie die Wahl zwischen Bluetooth und AUX.

Aufgepasst: Echo Auto verbindet sich über die Alexa-App auf dem Smartphone (iOS oder Android) mit Alexa und nutzt das Datenvolumen des Mobiltelefons, um online zu gehen und auf eine Reihe von Alexa-Funktionen wie Musik, Telefonie und mehr zuzugreifen. Das bedeutet: Der Mobilfunkvertrag Ihres Smartphones muss über ausreichend monatliches Datenvolumen verfügen.

Echo Auto
Echo Auto
Foto: Amazon

Bedienung: Licht und Schatten

Die von Amazon genannten Vorteile von Alexa via Echo Auto gegenüber der Nutzung der Alexa-App auf dem Smartphone bestätigt unser Test: Wir müssen nicht mehr die App auf dem Smartphone starten, sondern versorgen nur noch Echo Auto mit Strom und schon steht Alexa nach kurzer Zeit zur Verfügung. Das klappt zuverlässig. Auch die Soundausgabe über die Fahrzeuglautsprecher klappt gut. Sehr gut ist die Spracherkennung von Alexa: Selbst wenn das Autoradio läuft oder Musik abgespielt wird, versteht Alexa unsere Befehle zuverlässig.

Echo Auto funktioniert grundsätzlich genauso wie ein Echo für Zuhause: Mit „Alexa…“ starten Sie jeden Befehl. Dann leuchtet die blaue LED an der Vorderseite auf, Echo Auto überträgt Ihre Anfrage an die Alexa-Server und sobald Echo Auto die nötige Antwort erhalten hat, bekommen Sie Ihre Antwort. Das funktioniert grundsätzlich solide, sofern die Mobilfunkverbindung ausreichend stabil ist.

Denn das ist das entscheidende Manko bei Echo Auto: Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, haben Sie eben nicht immer und überall eine ausreichend gute Mobilfunkverbindung. Es kann also durchaus vorkommen, dass Sie Alexa etwas fragen und dann keine Antwort mehr erhalten. Alexa bleibt stumm wegen eines Funklochs. Wie unser Test mit Roav Viva Pro bewies, dürfte die Nutzung von Alexa im Auto gerade im ländlichen Raum wegen der Verbindungsabbrüche oft problematisch sein. Entlang von Autobahnen sowie in Ballungsgebieten konnten wir dagegen bei der Reaktionsfähigkeit von Alexa keine Probleme feststellen.

Die gesamte Rechenleistung für Alexa kommt also von den Amazon-Servern. Im eigentlichen Echo Auto steckt keine Intelligenz. Besser wäre es gewesen, wenn Amazon wenigstens einige grundlegende Funktionen direkt in Echo Auto integriert und es somit etwas unabhängiger von einer Mobilfunkverbindung gemacht hätte. So gehen Automobilhersteller wie Daimler mit dem MBUX oder BMW vor und lassen autonahe Funktionen wie die Steuerung der Klimaanlage auch ohne Serveranbindung per Sprachsteuerung bedienen.

Ein anderes Problem: Wenn Echo Auto via Bluetooth mit Radio/Smartphone verbunden ist, dann ist es von der Radiobedieneinheit aus nicht mehr möglich, das Smartphone ohne Alexa zu nutzen. Sogar wenn man Echo Auto ausschaltet/vom Strom trennt und das Radio aus- und wieder einschaltet, zeigt die Radiobedieneinheit ausschließlich Alexa als Bluetooth-Verbindung zum Smartphone an. Wir können also nicht mehr direkt auf den Musikplayer auf unserem Smartphone zugreifen. Erst wenn man zum Beispiel Apple Music auf einem iPhone neu startet, verschwindet Alexa von der Anzeige auf dem Radio. Das bedeutet aber, dass man mit dem Auto anhalten muss, denn während der Fahrt darf/soll man ja nicht das Handy in die Hand nehmen.

der Vorteil: Während die Musik spielt, können Sie Alexa jederzeit per Sprachbefehl eine Navigation starten lassen.

Navigation: Ohne tippen geht nichts

Sie können Alexa zwar eine Route erstellen lassen, es ist aber nicht möglich, diese Navigation komplett nur per Sprache zu starten. Denn wenn Sie Alexa via Echo Auto nach einer Route fragen, dann liefert Alexa diese in Form einer Mitteilung auf das Smartphone. Diese Mitteilung müssen Sie mit einem Fingertipp öffnen. Danach müssen Sie mit einem weiteren Fingertipp die Navigation in Ihrer Navigations-App starten.

In der Mitte Apple Music, das auf Befehl von Alexa gerade Musik spielt. Unten die Benachrichtigung mit der Route für die Navigation. Diese müssen wir nun eigens antippen.
In der Mitte Apple Music, das auf Befehl von Alexa gerade Musik spielt. Unten die Benachrichtigung mit der Route für die Navigation. Diese müssen wir nun eigens antippen.

Das können selbst ältere Tomtom-Navigationsgeräte und vor allem viele Infotainmentsysteme moderner PKWs besser. Sie können damit immer eine Navigation komplett ohne Fingerbewegung und nur per Sprache starten. Echo Auto bietet also beim Starten einer Navigation weniger Komfort als andere längst erhältliche Navigationslösungen.

Damit ist das Starten einer Navigation via Alexa deutlich umständlicher und gefährlicher als beispielsweise mit einem Tomtom - schlecht! Wenn man sich ein neues Gerät zulegt, sollte das ja mehr können als ein altes Gerät (etwa ein Tomtom mit integrierter Sprachsteuerung). Insofern ist Echo Auto zumindest beim fürs Auto wichtigen Thema Navigation ein Rückschritt.

Tipp: Sie können in der Alexa-App unter „Einstellungen, Verkehr“ die Navigations-App festlegen, die Alexa nutzen soll. Also auf einem iPhone beispielsweise von Apple Karten zu Google Maps umschalten.

Fazit: Gadget für echte Alexa-Fans

Die Inbetriebnahme ist einfach, aus technischer Sicht funktioniert Echo Auto gut, es steht auch recht flott nach dem Losfahren zur Verfügung. Auch die Spracherkennungsqualität ist gut. Doch der zusätzliche Nutzen ist überschaubar. Alexa blockiert die standardmäßige Bluetoothverbindung zu unserem Smartphone und erfordert beim Abrufen einer Navigationsroute Fingereinsatz - das können andere Navigationsgeräte von Tomtom und erst recht fest verbaute Infotainmentsysteme besser.

Alexa versagt unterwegs immer mal wieder, weil die Mobilfunkverbindung abbricht. Daran ist zwar nicht Amazon schuld, doch das Problem besteht nun einmal. Musik kann man im Auto auch ohne Alexa mit Siri oder Google Assistant direkt auf dem Smartphone per Sprachbefehl starten.

Ein weiterer Nachteil: Mindestens zwei Geräte samt Kabel hängen jetzt am Armaturenbrett. Denn Echo Auto ersetzt ja weder ein PND noch ein Smartphone (das man zur Navigation mit Alexa verwenden muss). Glaubt Amazon wirklich, dass viele Autofahrer mit so viel Kabelgewirr am Armaturenbrett einverstanden sind? Das sieht nicht nur unschön aus, sondern erschwert auch die Bedienung des Radios.

So ist Echo Auto also eher etwas für Alexa-Hardcore-Fans als für Gelegenheitsnutzer. Amazon verkauft Echo Auto für 59,99 Euro.

Plus

  • Leichte Inbetriebnahme, zuverlässiges Einschalten nach dem Start des Fahrzeugs

  • Saubere Verarbeitung, solide Optik

  • Übersichtliche Bedienung

  • Gute Mikrofonqualität

Negativ

  • Nutzung bricht während der Fahrt immer mal wieder ab

  • Geringe Vorteile gegenüber reiner Smartphone-Nutzung

  • Navigation nicht ausschließlich per Sprachbefehl möglich

  • Datenverbrauch zu Lasten des monatlichen Datenvolumens

  • Weiteres Gerät am Armaturenbrett mit herumhängenden Kabeln

(PC-Welt)