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Echelon: Umzug statt Rückzug

15.06.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Anfang des Monats berichtet wurde, dass die US-Regierung ihre umstrittene Abhörstation im oberbayerischen Bad Aibling schließt, wurde nun bekannt, dass der Horchposten lediglich verlegt wird. Die Angestellten des Geheimdienstes NSA (National Security Agency) sollen zwischen März und September 2002 nach Yorkshire in Großbritannien umziehen. Die Anlage in Bad Aibling gilt als zentraler Bestandteil des globalen Spionagesystems "Echelon", das die USA in Zusammenarbeit mit Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland unterhalten. Der Entschluss die Abhörstation zu schließen, wirkte zunächst wie ein Einlenken der US-Regierung auf den wachsenden öffentlichen Druck gegen die Zentrale. So richtete unter anderem EU-Kommissar Erkki Liikanen in der vergangenen Woche eine Warnung an europäische Unternehmen vor Spionage und Hacker-Angriffen im Internet und empfahl ihnen Sicherheitsmaßnahmen (Computerwoche online berichtete). Dabei bezog sich Liikanen auch auf die jüngste Diskussion um das internationale Abhörsystem Echelon.

Einem Bericht von "Spiegel Online" zufolge ist die US- mit der britischen Regierung anscheinend bereits vor Jahresfrist übereingekommen, die europäischen Echelon-Aktivitäten in Großbritannien zu konzentrieren und das dortige Lauschzentrum Menwith Hill in Yorkshire weiter auszubauen. Nach Einschätzung des Echolon-Untersuchungsausschusses der EU ist die Anlage schon jetzt als Europas modernste Spionagezentrale.