Hybrid Blockchains

E-Commerce vor Revolution?

19.09.2019
Von Lucas Mearian (Computerworld) und


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Mit der Kombination aus öffentlicher und zulassungsbeschränkter Blockchain stehen Unternehmen Benefits ins Haus. Der E-Commerce-Bereich könnte vor einem drastischen Wandel stehen.

Wenn Facebook 2020 seine eigene Kryptowährung Libra auf den Markt bringt, braucht diese nicht nur ein öffentliches Blockchain-Netzwerk für Verbraucher, die Produkte konsumieren und dafür Cryptowallets nutzen. Auch ein privates Blockchain-Netzwerk für die Banken, die die neue Währung unterstützen, ist erforderlich. Das Konzept der "hybriden Blockchain", mit einem öffentlichen, beziehungsweise verbraucherorientierten Ledger und einem zulassungsbeschränkten für B2B-Transaktionen, könnte allerdings eine Blaupause für das Blockchain Business der Zukunft darstellen.

Bitcoin & Co.: Bald die neue harte Währung im E-Commerce-Bereich? Hybride Blockchains könnten es richten.
Bitcoin & Co.: Bald die neue harte Währung im E-Commerce-Bereich? Hybride Blockchains könnten es richten.
Foto: nelen - shutterstock.com

Speichern soll Facebooks neue Währung Libra die zugehörige Wallet Calibra. Die Funktionsweise ist einfach erklärt: Facebook User laden die Calibra App herunter, kaufen Libra über eine private Blockchain und führen dann Peer-to-Peer-Transaktionen über die App aus. Dasselbe könnten künftig natürlich auch die Nutzer von Facebooks populärsten, öffentlichen Kommunikationsplattformen - WhatsApp und Facebook Messenger - tun.

Blockchain als USP

Vorteile durch den Einsatz hybrider Blockchains stehen vor allem dem E-Commerce in Aussicht: Durch den Einsatz von Peer-to-Peer-Netzwerken, sogenannten distributed Apps (dApps) und neuen Geschäftsmodellen stehen massive Kosteneinsparungen in Aussicht. Die Blockchain-Technologie kann darüber hinaus auch für die Kunden als Differenzierungsmerkmal dienen und so völlig neue Geschäftsmodelle hervorbringen, wie Jorden Woods, Partner beim Beratungsunternehmen DoubleNova Group, weiß: "Die Technologie kann dazu beitragen, Produkte oder Services aus Sicht der Konsumenten ganz besonders vertrauenswürdig wirken zu lassen. Erste Testphasen haben gezeigt, dass Konsumenten bereit sind, für Blockchain-Produkte mehr zu bezahlen - das kommt nicht besonders häufig vor. Die Konsumenten werden schnell lernen, dass die Blockchain als Synonym für Trust steht."

Das in Singapur ansässige Unternehmen VeChain hat beispielsweise eine Supply Chain auf Basis einer zulassungsbeschränkten Blockchain realisiert. Diese stemmt circa 10.000 B2B-Transaktionen pro Sekunde - die Verbraucher können währenddessen beobachten, wie sich Produkte vom Hersteller in Richtung Verkaufsregal bewegen. Sind sie dort angekommen, informiert ein QR-Code-Scan über die Herkunft, die Authentizität und den Mehrwert. Diese Informationen soll künftig als Basis für die Kaufentscheidung dienen. Die Track-and-Trace-Funktionalität der VeChainThor Blockchain wird durch RFID ermöglicht.

Anfang 2019 stellte Walmart China seine Blockchain Traceability Platform für fleischhaltige Lebensmittel vor, die auf der Technologie von VeChain fußt. Zur Einführung erfasste die Blockchain-Plattform von Walmart China 23 Produktlinien. Bis zum Ende des Jahres sollen weitere 100 Produktlinien hinzukommen.