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E-Book-Hacker: Prozess vor Einstellung?

23.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Möglicherweise gibt es eine außergerichtliche Einigung im Fall des russischen E-Book-Hackers Dmitry Sklyarov. Die Anwälte des Programmieres haben einen einwöchigen Aufschub des ersten Hearings vor dem zuständigen Bundesgericht im kalifornischen San Jose erwirkt und wollen mit den zuständigen Staatsanwälten verhandeln.

Sklyarov war Mitte Juli auf der Hackerkonferenz "Defcon" in Las Vegas vom FBI verhaftet worden, da er ein Programm vorgestellt hat, das den Kopierschutz von Adobes eBook-Format knackt (Computerwoche online berichtete). Anfang August wurde er gegen eine Kaution von 50.000 Dollar auf freien Fuß gesetzt, darf aber seitdem Nordkalifornien nicht verlassen. Seine Software ist in Russland und anderen Ländern legal, verstößt jedoch gegen den seit 1998 in den USA geltenden "Digital Millennium Copyright Act". Das Gesetz kontrolliert die Entwicklung und Verbreitung von Technologien, die das Urheberrecht verletzen können.

Die Verhaftung des Russen hat weltweite Proteste und Boykottaufrufe gegen Adobe ausgelöst. Mittlerweile hat das Unternehmen, auf dessen Betreiben das FBI tätig wurde, die Klage zurückgezogen. Die Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens gegen Skylarov liegt jedoch bei der Staatsanwaltschaft. Im Falle einer Verurteilung muss er mit fünf Jahren Gefängnis und 500.000 Dollar Geldstrafe rechnen.