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DXC - vom Outsourcer zum Digital Operations Provider

16.03.2018
Dr. Carlo Velten schreibt als Experte zu den Themen Cloud-Platforms und -Developers, Enterprise Cloud Management und Digital Business. Dr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen.
Nach dem Spin-Merger (CSC & HPE) fokussiert sich DXC auf Partnerschaften mit den Public Cloud Providern AWS, Microsoft und Co. Dabei ist die kulturelle Transformation nicht nur für Kunden, sondern auch für DXC die wohl größte Herausforderung.

Wie sich der Markt für IT-Services wandelt, konnte man auf dem DXC Analyst & Advisor Day gut beobachten. Im strategischen Fokus des Spin-Mergers von CSC und HPE Services zu DXC, steht - wie nicht anders zu erwarten - nun ganz klar die digitale Transformation der Kunden hin zu einer agilen und Cloud-basierten IT. Hier liegen ganz klar die künftigen Wachstumschancen - und sicher nicht im Legacy-Outsourcing-Business.

Digitale Transformation - Status Quo deutscher Unternehmen
Digitale Transformation - Status Quo deutscher Unternehmen
Foto: Crisp Research AG (Studie: Cloud Automation Excellence, 2017)

Da derzeit rund zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland mitten in der Umsetzung ihrer Digitalstrategien stecken, ist dies sicherlich eine gute Arbeitshypothese. Doch welche konkreten Beratungsleistungen und Managed Services sind vonnöten, um Kunden effektiv ins digitale Zeitalter zu helfen? Welche Assets, Skills und Kultur wird es brauchen, um DXC von einem klassischen IT-Outsourcer zu einen Digital Operations Provider zu verwandeln?

Strategie und Versprechen - Partnerschaften als Fundament

Die Tatsache, dass AWS, SAP und Microsoft ihre Senior Executives bei einem Analysten-Event ins Rennen schicken, sagt einiges über die Relevanz der strategischen Partnerschaften aus. Die Erwartungen sind hoch gesteckt. So wachsen die Public Cloud Provider - speziell AWS, Google und Alibaba – im begehrten Enterprise-Markt primär über Partnerschaften mit den großen, internationalen Managed Services & Transformation Partnern, da man in der DACH-Region noch nicht über ein breites, schlagkräftiges Partner-Netzwerk verfügt.

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Die strategische Partnerschaft mit DXC und anderen etablierten globalen Professional Service Providern ist zudem eine Notwendigkeit, da die Vielzahl an kleinen, spezialisierten Cloud Transformation Providern den großen Bedarf an Cloud-Spezialisten allein nicht decken kann. Hier hat DXC mit mittlerweile 850 zertifizierten Professionals ein echtes Asset - vorausgesetzt diese Mitarbeiter verfügen auch über echte Projekt- und Technologie-Erfahrung und nicht nur über ein blutleeres Zertifikat. Zudem stellt sich die Frage, wie viele dieser Cloud-Spezialisten für deutsche Kunden zur Verfügung stehen.

Digital Innovation - das neue Gesicht von DXC

Positiv überrascht hat die Vielfalt an Initiativen, die angestoßen wurden, um authentisch als Digitalisierungspartner zu starten. So hat DXC

  • vor, in Ratingen ein "Digital Transformation Center" zu eröffnen,

  • ein Set an modernen Design-Thinking-Canvas für Digital Use Cases entworfen

  • und einige frische Startup-Projekte in das eigene Portfolio aufgenommen (zum Beispiel "Startup Autobahn", Zusammenarbeit mit 3D/CAD Startup Kreatize)

Dies alles sind wichtige und unverzichtbare Bausteine, aber sicherlich nicht genug, um den Wandel vom klassischen Outsourcer zum Digital Transformation & Platform Provider zu stemmen. Denn viele Kunden sind mittlerweile bereit, im Rahmen ihrer Sourcing-Entscheidungen auch auf kleine Spezialisten zu setzen, wenn es darum geht, die neuen Themen wie Kubernetes, IoT oder Machine Learning anzugehen.

DXC und die globalen Outsourcer stehen nicht mehr automatisch auf der Pole-Position beziehungsweise Shortlist der CIOs und Chief Digital Officer. Expertise und Agilität in greifbarer Nähe zählen in Digitalisierungsprojekten mittlerweile mehr, als die reine Unternehmensgröße durch Economies of Scale sowie Off- und Nearshoring. Der Verweis auf die eigene Marktführerschaft nach aggregierten Umsätzen und der schieren Mitarbeiteranzahl wirkt da eher hilflos, denn als echtes Argument.

Wunsch und Wirklichkeit – Herausforderungen für die Outsourcing-Dinos

Trotzdem ist klar, dass die nächste Wachstumsphase des Cloud-Marktes fundamental von DCX und den multinationalen IT Service Providern getragen wird. Wenn ein Großteil des deutschen Mittelstandes sowie die deutschen Konzerne in den kommenden Jahren nicht nur ausgewählte Digital Workloads in die Public Cloud verlagern und global betreiben wollen, so kommt man an den Platzhirschen mit ihren großen Ressourcen-Pools und globalen Operations Centern nicht vorbei.

Der globale Public IaaS Markt
Der globale Public IaaS Markt
Foto: Crisp Research AG

To Do´s für DXC in den kommenden Jahren

Um die gemeinsam mit AWS, Microsoft, SAP & Co abgesteckten Ziele bis 2020 zu erreichen, muss DXC in folgenden Handlungsfeldern aktiv werden:

  • Public Cloud Profil: Das Geschäft mit den Transformations- und Betriebskonzepten rund um die Public Cloud muss strategisch positioniert, offensiv kommuniziert und authentisch gelebt werden. Anwender werden schnell merken, falls sich dies nur als Feigenblatt und Verkaufsargument herausstellen sollte. Spätestens im zweiten Scoping- oder Architektur-Workshop merken die Kunden, ob der gewählte Berater und Dienstleister kompetent und "lieferfähig" ist. Für DXC liegt nach Abkündigung der eigenen Helion Public Cloud hier eine echte Chance, den Kunden eine klare Strategie und ein echtes Commitment zu seinen neuen Partnern präsentieren zu können.

  • Cloud Operations Excellence: Der Wert der Public Cloud liegt für viele Unternehmen in der Automatisierung ihres IT-Infrastruktur- und -Plattformbetriebs. Denn nur hochgradig standardisierte IT-Plattformen bieten die Chance einer profitablen Skalierbarkeit digitaler Geschäftsmodelle. Hier muss DXC zeigen, dass es Kunden nicht nur in die Cloud migrieren, sondern dort deren IT auch hochautomatisiert betreiben kann. Agile Vorgehensweisen treffen auf die Automation der kompletten Build/Test/Deployment-Strecken. DXC muss zeigen, dass man "Infrastructure as Code" liefern kann und sich mit den neuen Serverless- und Plattformdiensten auf AWS, Azure und Co. auch auskennt – und somit mehr liefert als nur den Betrieb von virtuellen Maschinen in der Public Cloud.

  • Skill Development @ Scale: Um in den Innovationsthemen (IoT, Kubernetes, Serverless, Machine Learning) beratungs- und lieferfähig zu sein, wird DXC massiv in die interne Ausbildung (Skill & Talent Development) investieren müssen. Dies geht zwar kurzfristig zu Lasten der Auslastung beziehungsweise Marge, ist aber unverzichtbar. Parallel wird man nicht umhinkommen, sich in diesen Segmenten durch den Zukauf von kleinen Spezialisten zu verstärken, denn gute IoT-Architekten und Kubernetes-Experten sind derzeit Mangelware und heiß begehrt.

Ausblick: Heiter bis wolkig

Die Wetterprognose für DXC liest sich trotz der Herausforderungen angesichts der enormen Wachstumschancen im Kontext Cloud und Digitalisierung durchaus positiv beziehungsweise "heiter bis wolkig". Sollte DXC den eigenen Worten Taten folgen lassen und den Kunden noch ein bisschen mehr zuhören, statt sich an der eigenen Größe zu berauschen, kann die Rechnung vom Turnaround und der digitalen Transformation durchaus aufgehen. Die Chance, gemeinsam mit AWS, Azure und SAP einen Großteil des Marktes für Managed Public Cloud Services zu besetzen, erscheint verlockend und hoch attraktiv. Eine Kultur des Zuhörens und "lebenslangen Lernens" wäre eine gute Voraussetzung, auch in diesem Markt eine Leader-Position zu besetzen.