CIO des Jahres 2019 – Mittelstand – Platz 1

dwpbank CIO Sax steuert Transformation wie ein Trainer

21.11.2019
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Schreibt und bearbeitet Führungs- und Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Anke Sax baute bei der Deutschen WertpapierService Bank eine moderne IT-Architektur auf, etablierte eine neue IT-Strategie und führte neue Arbeitsweisen ein. Transformation in Reinform.
Platz 1 in der Kategorie Mittelstand belegt Anke Sax von der dwpbank: "Damit Zusammenarbeit gelingt, ist es notwendig, zielgruppengerecht in Meetings, in Mails, am Telefon zu kommunizieren und lösungsorientiert zu handeln."
Platz 1 in der Kategorie Mittelstand belegt Anke Sax von der dwpbank: "Damit Zusammenarbeit gelingt, ist es notwendig, zielgruppengerecht in Meetings, in Mails, am Telefon zu kommunizieren und lösungsorientiert zu handeln."
Foto: Deutsche WertpapierService Bank

Einen Rückzug auf den reinen Auftragsfertigungsgedanken kann sich heute keine IT mehr leisten. Davon ist Anke Sax überzeugt. Hand in Hand müssen vielmehr Fachbereiche und IT miteinander arbeiten, Ideen entwickeln, Prozesse verändern und gemeinsam einen Mehrwert für die neuen Geschäftsmodelle ermöglichen.

Mit diesem Leitgedanken trat die in Wirtschaftsinformatik promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin im Januar 2017 bei der Deutschen WertpapierService Bank (dwpbank) als CIO an. Damals begann gerade mit "dwpbank 4.0" ein umwälzender Veränderungsprozess im gesamten Unternehmen, auch eine Neuausrichtung der IT war gefragt.

Die Jury lobt ... die ganzheitliche Leistung der IT-Chefin, die Technologie, IT-Strategie und Kulturwandel umfasst.

Sax' Arbeitgeber betreut über 4,7 Millionen Wertpapierdepots von Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Privat- und Geschäftsbanken. Oder anders formuliert: Rund 1.300 angeschlossene Finanzinstitute oder etwa drei Viertel aller Banken in Deutschland nutzen die Prozess- und Systemdienstleistungen der dwpbank. Sie betreibt mit der zentralen, weitgehend selbst entwickelten Abwicklungsplattform WP2 eine der größten IT-Anwendungen in der deutschen Bankenlandschaft, womit sie quasi eine nationale Wertpapierhandelsplattform hierzulande darstellt.

"Knapp 300 Mitarbeiter haben sich gemeinsam mit mir auf den Weg gemacht", sagt Sax und meint damit das im März 2017 gestartete Transformationsprogramm "IT 2020". Ziel war es nicht nur, eine moderne IT-Architektur aufzubauen. Gleichzeitig galt es, neue Arbeits- und Verhaltensweisen in der IT zu etablieren und Innovationen zu ermöglichen. Mit dem neuen Rollenverständnis "Weg vom reinen Auftragsfertiger hin zum kompetenten Berater" veränderte sich auch der Fokus der IT-Strategie. Drei Teilziele wurden herausgefiltert: Wertschöpfungskette neu definieren, IT umbauen und befähigen, Governance-Strukturen etablieren und nachhaltig leben.

Lessons Learned

1. Intensiver Dialog über alle Ebenen wichtig.
2. Aktives Zuhören notwendig.
3. Führungskraft muss Sorge tragen, dass das Tagesgeschäft die Mitarbeiter nicht überrollt, damit Raum für Reflexion und Veränderung bleibt.

Gemäß dem Primärziel der Bank, "erste Wahl für Wertpapierservices" zu sein, wurde ein neuer Leitgedanke für die IT formuliert: "Wir machen es für den Kunden leicht." Das heißt im IT-Betrieb: Stabilität und Sicherheit gewährleisten, Regularien zuverlässig erfüllen, IT preiswert und transparent liefern sowie im Change dem Kunden die Bedienung der Anwendungen leicht machen (Usability).

Darauf aufbauend definierten Sax und ihr Team Projekte, die in einer IT-Roadmap hinterlegt wurden. Bereits umgesetzte Meilensteine sind: die IT-Service-Provider-Konsolidierung, die Verfeinerung der Kostentransparenz, der weitere Ausbau des Security Information and Event

Managements (SIEM) sowie das automatisierte Wiederanlage-Management (WAM). Letzteres gehört in die Roadmap-Kategorie "Innovation für das Business". Das Wertpapierabwicklungssystem WP2 bietet jetzt die Funktionalität, Fondserträge automatisch im Ursprungsfonds wiederanzulegen. Die dwpbank-Klienten können nun ihre Endkunden einmal beraten und bis zu deren Widerruf sämtliche Ertragszahlungen automatisch wiederanlegen.

Aufbau einer modernen IT-Architektur

Auch der Ausbau der Plattform WP2 zum stärker modularisierten WP3 ist im Gang: Der WP2-Business-Kern, der im Wesentlichen aus einer modularen Cobol-Host-Anwendung besteht, wird sukzessive durch eine dezentrale Event-basierte Microservice-Architektur in Java ersetzt. Das hat die Jury im Wettbewerb "CIO des Jahres" beeindruckt: "Hierbei wird Know-how zu Microservices, agilen Vorgehensweisen, Domain Driven Design und DevOps aufgebaut, alles elementare Kompetenzen beim Aufbau einer modernen IT-Architektur mit dem Ziel, Kundenanforderungen schneller umsetzen zu können."

Die Juroren loben jedoch vor allem die ganzheitliche Leistung der IT-Chefin, die Kulturwandel, Technologie und IT-Strategie umfasst. Gerade der Kulturwandel ist kein leichtes Unterfangen, denn ein neues Rollenverständnis, neue Arbeitsweisen und neue Leitgedanken müssen erst verinnerlicht werden. "Bei diesem Weg braucht es vor allem Dialog und Feedback, Vorbilder, Methodentraining, Frustrationstoleranz und Geduld, bis das benötigte Selbstverständnis und ein selbstbewusstes Auftreten entwickelt sind", resümiert Sax. Was ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Transformationsprozess?

"Eine besondere Kommunikationsfähigkeit ist gefordert," sagt die Managerin. Das werde häufig unterschätzt. "Damit Zusammenarbeit gelingen kann, ist es notwendig, zielgruppengerecht in Meetings, in Mails, am Telefon zu kommunizieren und lösungsorientiert zu handeln." Zuhören, Nachfragen und ein gemeinsames Verständnis zu schaffen sind für eine professionelle Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT für sie elementar. Das müsse man immer wieder trainieren.

"Ähnlich wie im Sport braucht es Ausdauer, einen langen Atem und Konsequenz", meint Sax. "Gute Trainer oder Führungskräfte steuern in solchen Situationen über freundliches, fundiertes und konsequentes Feedback und mit besonderem Verständnis für die Anfangsschwierigkeiten."