Nürnberg Herold meldet Einbrüche in Technik-Domäne, doch:

DV-Qualifikationen bleiben nachgefragt

10.07.1987

NÜRNBERG (lo) - Hiobsbotschaften auch aus technisch führenden Industrien: Bei Elektro und Metall stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent an, muß Heinrich Franke, der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg (BA), melden. Qualifikationen in DV, Elektrotechnik und Maschinenbau sowie der Metallfacharbeiter bleiben jedoch weiter stark gefragt.

"Es gibt keinen Grund, grau in grau zu malen", versicherte Franke bei einem Gespräch in der Amerikanischen Handelskammer in München. Gleichwohl kommen mit den Juni-Zahlen der Nürnberger Arbeitslosenstatistik auch Hiobsbotschaften aus der Elektro- und Metallindustrie, vonehmlich aus dem "Musterländle" Baden-Württemberg Auch Großstädte in anderen südlichen Regionen, wie München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg, sind betroffen. Hier stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent auf über 300 000 Jobsuchende.

Andererseits seien Klagen über einen Facharbeitermangel, die vielerorts laut werden, nur bedingt berechtigt, relativiert der Arbeitsamtspräsident. Behinderungen der Produktion wären nicht zu erwarten. Franke gesteht allerdings zu, "Engpässe" seien nicht zu leugnen. In verschiedenen, besonders süddeutschen Bezirken und bei einer Reihe von Berufen wie dem Metallfacharbeiter etwa wäre es schwierig, Stellen zu besetzen. Bundesweit tauchten Probleme dann auf, wenn Unternehmen nach hochqualifizierten Kräften vor allem der Fachrichtungen Datenverarbeitung, Elektrotechnik und Maschinenbau suchten.

Doch nicht nur das bundesdeutsche Nord-Süd-Gefälle zeigt hier deutliche Auswirkungen. Schuldzuweisungen gegen seine Behörde seien ungerecht, legten die Arbeitsämter doch "weder Menge noch Qualität oder Preis der angebotenen Arbeitsleistungen fest". Alte Arbeitsplatzprofile lösen sich auf, neue Arbeitsplätze entstehen und mit ihnen hat sich das Wissen der Arbeitnehmer zu wandeln. Franke stellte so auch die Frage, ob Betriebe und Verwaltungen in den Engpaßberufen in der Vergangenheit genügend aus und weitergebildet hätten. Hinzu komme, daß technische Innovationen bisher nicht genügend berücksichtigt würden. Schließlich sei auch der noch aus der Vergangenheit heraus wirkende Trend weg von den technischen Disziplinen hin zu Geistes- und Soziallwissenschaften im Hochschulbereich anzuführen.

Eine raschere Gangart bei Wirtschaftswachstum und damit der Beschäftigung sieht der Herold aus Nürnberg etwa dadurch angezeigt, daß bei dem Dienstleistungssektor die Signale weiterhin auf Grün stünden.

Gleichzeitig erfülle die BA mit der "Qualifizierungsoffensive" auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Funktion, wobei ein Kernpunkt die Umschulung und Fortbildung in den Sektoren Daten- und Informationsverarbeitung bilde. Die Nürnberger Behörde setze 1987 einen Finanzaufwand für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Höhe von 12,4 Milliarden Mark ein. Franke verwies zugleich auf 235 000 Weiterbildungskurse von Januar bis Mai dieses Jahres. Das entspreche einer Steigerung von 18 Prozent gegenüber 1986 mit insgesamt 530 000 Eintritten in Qualifizierungsmaßnahmen. Mit Blick auf die Anforderungen, die der Einsatz neuer Techniken stelle, betonte Franke, es gehe nicht mehr nur um Quantität, sondern vor allem um Qualität.