Desktop-Suchmaschinen im Vergleich

Durchblick im Dateiendschungel

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Suchmaschinen wie Google haben das chaotische Web zu einer Fundgrube gemacht. Nun schicken sich neben dem Marktführer weitere Hersteller wie Microsoft und Yahoo an, die Suche nach Dokumenten und Multimedia-Dateien auch am Arbeitsplatz zu erleichtern.

AUF GROSSE RESONANZ stieß im vergangenen Jahr der Schachzug des Web- Suchmaschinenspezialisten Google: Mit der kostenlosen Software „Google Desktop“ erhalten Windows-Anwender eine lokale Suchmaschine für ihren PC. Bisher mussten sich die meisten Benutzer mit den unzulänglichen Suchfunktionen von Windows herumschlagen. Google Desktop hingegen ist ein schlankes, sehr effizientesWerkzeug, das einen schnellen Zugriff auf Dateien am PC ermöglicht. Googles Vorstoß hat die Konkurrenz offenbar wachgerüttelt, denn Microsoft und Yahoo haben wenig später ebenfalls Desktop- Suchmaschinen angekündigt. Mit einiger Verzögerung sind diese nun erschienen: Microsoft brachte Mitte Dezember 2004 die erste englischsprachige Testversion von „MSN Desktop Search“ heraus, und auch das Pendant von Yahoo ist Anfang

Januar in einer Testversion erschienen. Mittlerweile bieten weitere Hersteller spezielle Werkzeuge für den Desktop an, so etwa Hotbot mit „Hotbot Desktop“ oder Ask Jeeves mit „Desktop Search“. Mit seinem minimalistischen Ansatz hat Google Desktop schnell und viele Freunde gefunden. Das Programm ist klein und fügt sich dezent in den Windows-Desktop ein - zur Suchanfrage kommt man über ein Symbol im System-Tray rechts unten in der Windows-Taskleiste. Desktop und Web verschmelzen Ein Doppelklick darauf öffnet im Browser die vom Web her bekannte Google-Eingabemaske mit dem Zusatz „Desktop“. Diese gestalterische Kontinuität deutet an, dass Google an einer Verschmelzung der beiden Welten - Arbeitsplatz-PC und Web - gelegen ist. Die Suchanfrage erfolgt wie im Internet, sekundenschnell erscheint im Browser die Liste mit den gefundenen Dateien oder Mails, die den gewünschten Begriff enthalten. Für die hohe Suchgeschwindigkeit

verantwortlich ist wie bei jeder Suchmaschine der Index. Seine erstmalige Erstellung dauert in der Regel ein paar Stunden, da hierbei jede lokale Datei gescannnt wird, die zu den berücksichtigten Dateitypen zählt. Später wird der Index lediglich mit neu hinzugekommenen Dateien gefüttert; dabei ist Google Desktop wie alle anderen Desktop- Suchmaschinen darauf optimiert, nur überschüssige Rechenleistung zu verwenden, um die Systemleistung nicht zu beeinträchtigen. Wenig flexibel ist Google bei den durchsuchbaren Dateitypen: Es beschränkt sich auf populäre Microsoft-Office-Formate wie Excel, Word oder Outlook. Das dürfte zwar für die überwiegende Zahl der Nutzer ausreichend sein, für eine echte Recherche im gesamten Dateisystem ist es jedoch nicht geeignet. Ebenfalls sehr bescheiden sind die Einstellmöglichkeiten. Das größte Manko ist hier, dass sich die zu durchsuchenden Ordner oder Laufwerke nicht frei festlegen lassen - Orte

können weder hinzugefügt noch von der Suche ausgeschlossen werden. Eine Spezialität von Google Desktop ist die Indexierung der besuchten Webseiten, die der Internet Explorer in seinem Zwischenspeicher ablegt. Diese Funktion hat den großen Vorteil, dass damit ein lückenloses Archiv aller bisher aufgerufenen Webseiten aufgebaut wird, ohne dass der Anwender beim Surfen explizit etwas abspeichern muss. Mittlerweile sieht sich Google diesbezüglich jedoch heftiger Kritik ausgesetzt, weil aus Sicht des Datenschutzes daraus Probleme entstehen: Zum einen indexiert Google Desktop die Browser-Caches aller Benutzer, die sich einen PC teilen. Bei der Suche werden somit unter Umständen auch die Web-Sitzungen anderer Personen vorgeführt. Zum anderen enthält der Index auch alle sicheren Web-Verbindungen über HTTPS, was ein nachträgliches Ausspionieren von Online-Banking-Sitzungen ermöglichen kann. Komfortable Konkurrenten Mit interessanten Neuerungen haben mittlerweile Microsoft und Yahoo den Google-Vorstoß gekontert. Auf Anhieb fällt die unterschiedliche Bedienphilosophie auf: Googles bewährter, aber spröder Browser-Oberfläche setzt Microsoft mit MSN Desktop Search ein optisch und funktional deutlich aufgewertetes Frontend gegenüber. Zwar erfolgt auch hier die Bedienung weitgehend im Browser-Fenster des Internet-Explorer. Die Anzeige sowie die Bedienflächen bieten aber den gewohnten Komfort, den man von Windows-Anwendungen her kennt. Ganz auf das traditionelle Rich-Client-Konzept setzt hingegen Yahoo Desktop Search: Das Suchwerkzeug kommt ohne Browser aus.

Microsoft hat den Fokus klar auf gute Erreichbarkeit der Suchfunktionen gelegt und platziert deshalb die Eingabefelder an verschiedenen Stellen im System. Es steht ein erweitertes Eingabefeld in der Windows-Taskleiste für spontane Sucheingaben bereit, zusätzliche Symbolleisten finden sich aber auch im Internet- und Dateiexplorer sowie in Outlook. Als durchsuchbare Dateien werden Microsofts Office-Formate, Outlook und Outlook Express berücksichtigt. MSN beschränkt sich bei Letzteren aber nicht auf Mails, sondern fördert Suchergebnisse auch aus Mail-Anhängen, Kontakten, Terminen und Aufgaben zutage. Auch eine PDF-Unterstützung ist möglich, hierzu muss der Nutzer jedoch zusätzlich den bei Adobe kostenlos erhältlichen PDF-Filter für Windows (ifilter60.exe) installieren. Zudem bezieht die Suche auch Multimedia- Daten mit ein - und zwar sowohl in Bezug auf Dateinamen als auch auf Metadaten wie etwa MP3-ID-Tags. Sehr gelungen im Vergleich zum Google-Pedant sind

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