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Dual-Core-Prozessoren verlangen neue Software

14.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Chiphersteller wie Intel und AMD gehen neue Wege, um die Leistung ihrer Prozessoren zu steigern. Statt die Zahl der Transistoren und die Taktrate weiter zu erhöhen, was letztendlich zu einem immer höheren Stromverbrauch und Kühlungsproblemen führt, wollen die Halbleiterhersteller mehr Rechenkerne in ihren CPUs unterbringen. Die ersten Dual-Core-Chips sollen noch im April auf den Markt kommen.

Laut den bislang durchgesickerten Informationen werden die Taktraten der jüngsten Chipgeneration unter denen ihrer einkernigen Geschwister liegen. So soll beispielsweise der erste Dual-Core-Prozessor aus dem Hause Intel mit einer Taktrate von 3,2 Gigahertz arbeiten. Das Spitzenmodell der aktuellen Pentium-4-Reihe mit einem Rechenkern bringt es dagegen bereits auf 3,8 Gigahertz.

Trotz der geringeren Taktrate versprechen die Hersteller eine höhere Leistung. Dual-Core-Prozessoren könnten mehrere Aufgaben parallel abarbeiten, so die Begründung. Allerdings verfügen auch die aktuellen CPUs mit Hilfe der Multi-Threading-Technik über Möglichkeiten, verschiedene Tasks parallel abzuarbeiten.

Bis die Anwender mit Dual-Core-Chips in den Genuss schnellerer Rechner kommen, könnte es noch dauern. Um die Vorteile mehrerer Rechenkerne nutzen zu können, muss erst die Software entsprechend angepasst werden. Während sich die Softwarehersteller bislang darauf verlassen konnten, dass schnellere CPUs automatisch auch die eigenen Applikationen beschleunigten, wird künftig mehr Arbeit auf die Entwickler zukommen.

Erste Tests beispielsweise der Web-Publikation Anandtech haben ergeben, dass Business-Applikationen unter den neuen Dual-Core-Chips langsamer arbeiteten als mit den aktuellen Single-Core-Prozessoren. Allerdings sei die jüngste Chip-Generation in der Lage, mehrere parallel arbeitende Applikationen schneller ablaufen zu lassen.

Die Chiphersteller mahnen derweil, Geduld zu haben. Die neue Technik werde sich in jedem Fall durchsetzen. Intels Cheftechniker Pat Gelsinger träumt derweil von künftigen Chipgenerationen, die sogar dutzende oder hundert Rechenkerne beinhalten könnten. Davon könne letztendlich auch die Softwareindustrie profitieren, lockt der Intel-Manager. Die neue Technik sei nicht aufzuhalten. (ba)