Gartner: Standardisierung und geschäftliche Relevanz im IoT

Drei Schritte für die erfolgreiche Positionierung in Industrie 4.0

Bettina Tratz-Ryan ist Research Vice President und verantwortlich für Gartners Empfehlungen zu den digitalen Transformationsthemen Intelligente Geschäftsfelder und Smart Cities sowie Industrie 4.0. Frau Tratz-Ryan untersucht unter anderem Wertschöpfungsmodelle und Technologielösungen, die durch das Internet der Dinge sowie die dazugehörigen Dienste und deren Datenanalyse gestützt werden. Des Weiteren steuert Frau Tratz-Ryan den Gartner Research über Aufbau, Positionierung und Implementierung betrieblicher und gesellschaftlicher Ziele, unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und dem demografischen Wandel; sie identifiziert Chancen und Forschungsprojekte im ITK-Bereich, die sich auf Themen zur strategischen Nachhaltigkeit beziehen. Hierzu zählen u.a. Smart Microgrids, Urbane Mobilität, intelligentes Transport- und Verkehrswesen sowie innovative Arbeitsplätze, Gebäudetechnik und Städte.
Im Markt für Plattformen und Lösungen für das Internet der Dinge wird es enger, der Wettbewerb steigt. Um erfolgreich zu sein, müssen Anbieter künftig Standards zum Teil ihrer Strategie machen.

Immer mehr Unternehmen setzen Lösungen für das Internet of Things (IoT) als Teil einer umfassenden Industrie 4.0-Initiative ein - und sie müssen dafür auf Lösungen unterschiedlicher Technologieanbieter zurückgreifen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Anbieter von Plattformen für das Internet der Dinge, die die nötigen Stack-Elemente zur Verfügung stellen. Den Unternehmen erschwert das die Auswahl des passenden Anbieters, häufig werden IoT-Initiativen so bereits in der Planungsphase ineffizient.

Die steigende Anzahl an IoT-Plattformen erschwert Unternehmen die Auswahl - was auch schlecht für die Anbieter ist.
Die steigende Anzahl an IoT-Plattformen erschwert Unternehmen die Auswahl - was auch schlecht für die Anbieter ist.
Foto: Shutterstock - Jirsak

Für die Technologieanbieter heißt das: Auslastungspotentiale, neueste und flexible Technologie sowie eine ansprechende Benutzeroberfläche sind nicht die einzigen Kriterien, um Kunden für IoT-Lösungen zu gewinnen und längerfristig zu halten. Künftig wird es wichtig, auf die richtigen Standards zu setzen, die Lücke zwischen der technischen und der geschäftlichen Sicht auf das Internet der Dinge zu schließen und das Lösungsportfolio so auszurichten, dass es echte geschäftsrelevante Probleme löst. Für die Umsetzung von Industrie 4.0 ist der Einsatz von intelligenten Datensätzen, die über die IoT-Architektur gewonnen werden, ein wichtiger erster Ansatz für die erfolgreiche Entwicklung von digitalen Strategien.

1. Auf die richtigen Standards setzen

Weil der Markt für IoT-Plattformen so komplex ist, arbeiten viele Technologieanbieter und Endkunden bereits in Konsortien oder Arbeitsgruppen zusammen. Das ist auch notwendig - denn wenn große IoT-Lösungsanbieter ihr Produkt- und Service-Portfolio nicht auf geschäftsrelevante und transparente Standards aufbauen, werden sie innerhalb kurzer Zeit nur noch als Anbieter unverbundener IoT-Komponenten dastehen. Zusätzlich zu den technischen Standards werden auch Standards und Referenzmodelle für die Geschäftsprozesse benötigt, damit Unternehmen aus Geräten und IT-Anwendungen eine komplette Wertschöpfungskette aufbauen können.

Die Plattform Industrie 4.0 und ihre Mitglieder arbeiten an Standardisierung auf nationaler und globaler Ebene als eine Grundvoraussetzung für Produkt-und Lösungsintegration von verschiedenen Plattformen und Herstellern. Sowohl Industrie 4.0 als auch industrielles IoT werden heute von allen Wirtschaftszweigen diskutiert, und die Anzahl von Initiativen der Industrieverbände, Konsortien sowie der Pilotprojekte nimmt rasant zu. Durch die Internationalisierung werden Standards sogar noch wichtiger.

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Allerdings gibt es zahlreiche IoT-Konsortien, die sich auf unterschiedliche Aspekte und Sichtweisen auf das Internet der Dinge spezialisiert haben. An welchem Konsortium sie sich beteiligen, sollte deshalb für Anbieter von IoT-Plattformen eine strategische Entscheidung sein: Die Anwendungsfälle, Testumgebungen und vor allem auch die Definition des IoT, die vom ausgewählten Konsortium vertreten wird, müssen zum eigenen Produktportfolio passen und die Anforderungen der eigenen Kunden unterstützen.

2. Die Lücke zwischen Technik und Business schließen

Umfassende Architekturen für das Internet der Dinge fußen auf der geschäftlichen Strategie und den Unternehmenszielen - und schließen deshalb neben technischen Standards auch Geschäftsprozesse, organisatorische Fragen und andere geschäftlich relevante Aspekte mit ein. Referenzmodelle wie RAMI 4.0 versuchen diese Dimensionen abzubilden. Noch gibt es allerdings kein ideales Modell, das alle relevanten Anforderungen umfasst.

Um die Lücke zwischen geschäftlichen und technischen Anforderungen zu schließen, sollten strategische Planer mit den Produkt- und Marketingverantwortlichen zusammenarbeiten und das Produkt- und Service-Portfolio mit einer passenden Referenzarchitektur in Einklang bringen.

3. Geschäftsrelevante Probleme lösen

Für die strategische Planung sollten IoT-Plattformanbieter schließlich beachten, dass viele Unternehmen bereits mit Industrie 4.0-Projekten starten wollen, obwohl sie intern noch nicht wirklich reif genug dafür sind. Zudem sind die aktuellen Plattformen häufig nicht agil und gleichzeitig nicht standardisiert genug.

Ein IoT-Referenzmodell als Basis für das eigene Produktportfolio gibt den strategischen Planern einen umfassenden Blick auf Strategie, Business und IT und hilft so dabei, Anpassungen am Portfolio fundiert zu planen. Gartner empfiehlt, die Plattform so auszurichten, dass sie geschäftlich relevante Probleme der Kunden löst und sich dazu intern eng zwischen Produktverantwortlichen, Marketing und Geschäftsleitung abzustimmen. So können sich IoT-Plattformanbieter an künftige Veränderungen des Marktes anpassen und ihr Portfolio erfolgreich aufstellen. (mb)