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Dotcom-Chefs sind häufig zwielichtige Gestalten

27.10.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Dotcom-Manager haben ein gutes, sauberes Image, denn schließlich sind sie jung, innovativ und erfolgreich. Nach einer Untersuchung der amerikanischen Sicherheitsberater von Kroll Associates ist das Klischee jedoch mit Vorsicht zu genießen. Bei rund 40 Prozent aller Internet-Companies sollen nämlich Top-Manager arbeiten, die schon mal im Rahmen ihrer kurzen Karriere den Boden des Gesetzes verlassen haben. Für die Old Economy liegt der Wert bei etwa zehn Prozent.

Repräsentativ kann man die Untersuchung zwar nicht nennen, denn lediglich 70 Firmen wurden analysiert. Allerdings ist ein eindeutiger Trend festzustellen, denn in 27 Unternehmen wurden Chefs, Direktoren oder Consultants entdeckt, die bereits mit den Justizbehörden zu tun hatten. Mal gab es Verbindungen zum Organisierten Verbrechen oder der Russen-Mafia, mal handelte es sich um Verstöße gegen die amerikanischen Handelsgesetze. In anderen Fällen hatten die Manager falsche Bankrotterklärungen abgegeben oder jemanden schlicht betrogen.

Nach Aussage von Ernest Brod, Director von Kroll Associates, gebe es mehrere Gründe für die Entwicklung. Zum einen hätten Dotcoms noch keine ausreichenden Filtermechanismen bei der Auswahl ihrer Manager im Einsatz, was auch mit der hohen Geschwindigkeit in der Internet-Branche zu tun habe. Andererseits hätte die Geldwelle bei Startups dazu geführt, dass vermehrt zwielichtige Gestalten angezogen würden.

Das beste Beispiel hierfür ist Michael Fenne, der Gründer des Unternehmens Pixelon. Von den rund 30 Millionen Dollar Startkapital spendierte er im vergangenen Herbst die Hälfte für eine "Einstands"-Party in Las Vegas, auf der die Band "The Who" ihre Wiedervereinigung feierte. Danach stellte er sich der Polizei, die ihn seit Beginn der 80er Jahre wegen Betruges gesucht hatte. Pixelon ist inzwischen bankrott.