DOS-Abgesang

29.05.1987

Dies vorweg: Man könnte ja loben. Mother Blue zum Beispiel, die mit der System-Anwendungs-Architektur (SAA) gegen die Inkompatibilität in der IBM-Welt vorgehen will - zum Wohle ihrer Kunden. Man könnte ja loben. Heikel für den Kolumnisten: Loben ist langweilig.

Zur aktuellen Ankündigung (Seite 1): SAA ist immer dabei. Über die neue Hardware muß man nicht reden - Aufrüstung bestehender Systeme geht nur zum nächstgrößeren Modell. Das hat im SAA-Kontext etwas von Beiläufigkeit - bei diesen Hardware-Preisen.

Heikler ist eine Umstellung, die, wiewohl in der Ankündigung nicht vorkommend, den Anwendern von der IBM indirekt nahegelegt wird: Big Blue will offenkundig nichts mehr wissen von VSE (sprich: DOS) - auch die Midrange-Kunden (43XX), bisher überzeugte DOS-Benutzer, sollen ihre Betriebssystem-Zukunft mit MVS planen. Ein kleiner Haken ist, wie immer bei IBM, dabei: Billiger wird es, was die Software-Seite betrifft, für den Kunden nicht - kein Wunder, bei diesen Preisen (siehe auch Seite 10: "IBM gibt SAA mit Produkten ersten Halt").

Hier wird deutlich, wie sich der Mainframe-Monopolist die SAA-Welt vorstellt: Wenn die PC-, /3X- und DOS-Anwender auf die /370-Mainline einschwenken, erledigt sich das Portabilitätsproblem von selber. Man glaube doch nicht, die IBM wolle ewig Emulations-Hausaufgaben machen, die sie nur Geld kosten. Der Marktführer tut sich bekanntlich schwer, seinen Beschützerpflichten nachzukommen, solange die Betriebssystemwelt in eine DOS-Domäne und ein MVS-Stück geteilt ist und es überdies eine /3X-Exklave gibt. Den Schutz der Investitionen in "alte" Nicht-370-Software-Entwicklungen wird die IBM ihren Kunden freilich nicht mehr gewährleisten können.