Industrie 4.0 und Smart Cities

Digitaler Grundstock für Industrie 4.0 und Smart Cities



Bettina Tratz-Ryan ist Research Vice President und verantwortlich für Gartners Empfehlungen zu den digitalen Transformationsthemen Intelligente Geschäftsfelder und Smart Cities sowie Industrie 4.0. Frau Tratz-Ryan untersucht unter anderem Wertschöpfungsmodelle und Technologielösungen, die durch das Internet der Dinge sowie die dazugehörigen Dienste und deren Datenanalyse gestützt werden. Des Weiteren steuert Frau Tratz-Ryan den Gartner Research über Aufbau, Positionierung und Implementierung betrieblicher und gesellschaftlicher Ziele, unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und dem demografischen Wandel; sie identifiziert Chancen und Forschungsprojekte im ITK-Bereich, die sich auf Themen zur strategischen Nachhaltigkeit beziehen. Hierzu zählen u.a. Smart Microgrids, Urbane Mobilität, intelligentes Transport- und Verkehrswesen sowie innovative Arbeitsplätze, Gebäudetechnik und Städte.
Wieviel haben Industrie 4.0 und Smart Cities gemein? Auf den ersten Blick scheint die strategische Ausrichtung auf verschiedenen Grundstöcken zu stehen.

Die Mentalität der digitalen Umsetzung von Industrie 4.0 und Smart Cities unterscheidet sich - von den Initiatoren bis hin zu den Akteuren der Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten. Dabei ergeben sich durch die digital geprägte Arbeitswelt und Gesellschaft dieselben Ziele und Anforderungen: Die immer stärkere Differenzierung von Leistungsmerkmalen und Nutzereigenschaften macht es möglich, genauer auf Ansprüche der Bürger, beziehungsweise des Markts und der Kunden, zu reagieren und passgenaue Dienstleistungen und Lösungen anzubieten.

Themen wie der demografische Wandel beschäftigen nicht nur Kommunen, sondern auch Unternehmen, die darauf angewiesen sind, das Know-How erfahrener Mitarbeiter, die in den Ruhestand gehen werden, zu erhalten. Die digitale Vernetzung betrifft nicht nur den Breitbandausbau für die Anbindung von Städten und ländlichen Gemeinden, sondern auch mittelständische Unternehmen, die Cloud-Lösungen und Fernwartungsdienste ihrer Zulieferer in Anspruch nehmen wollen.

Digitalisierung als Standortfaktor

Der Zukunftsatlas 2016 von Prognos zeigt erstmals neben den Standorten in Deutschland auch den Digitalisierungsgrad der Städte auf. Spätestens damit wird klar, wie wichtig die Verknüpfung von industriellem Reifegrad, Bildungspotential und ökonomisch-ökologischem Gleichgewicht sowie einer intelligenten Kommunalentwicklung für die Standortentscheidung von Unternehmen heute ist. Gartner erwartet im Umkehrschluss auch eine stärkere Beteiligung von Unternehmen an der digitalen Entwicklung von Standorten: Bis 2020 werden alle Unternehmen die Industrie 4.0 als Digitalisierungsstrategie umsetzen, zusammen mit Kommunen und Stadtentwicklung in Maßnahmen zur Gestaltung von digitalen Anforderungen und Innovationsschmieden investieren.

Sowohl Industrie 4.0 als auch Smart Cities steigern die Transparenz, machen die Gestaltung von Prozessen sichtbarer und ermöglichen nicht nur die Gewinnung von Informationen und Daten, sondern vor allem auch deren Verarbeitung und Nutzung. In Industrie 4.0 sind Echtzeitdaten ein elementarer Baustein, um Wertschöpfungsprozesse interaktiv und funktionsübergreifend zu gestalten. Diese können dann in neue Marktpotentiale umgesetzt werden. In intelligenten Städten werden mit Hilfe von Echtzeitdaten zum Beispiel neue Mobilitätsanwendungen für Speditionen oder Pendler bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt. Um die Potentiale der digitalen Interaktionen geordnet und markt-, beziehungsweise kundenorientiert ausschöpfen zu können, ist der Austausch und die Verwertung von Daten in Open-Data-Portalen in Städten oder in einem Industrial Data Space die notwendige Konsequenz. Diese Portale definieren Datenmarktplätze und Datenwirtschaft und schaffen dadurch Marktvertrauen, um die Potentiale der digitalen Interaktion geordnet und markt-, beziehungsweise kundenorientiert ausschöpfen zu können.

Mehr Innovation durch Abschaffung von Barrieren

Darüber hinaus wird Innovation dadurch geschaffen, dass in Kommunen sowie in der Industrie Barrieren der Forschung und des Technologieverständnisses abgebaut werden. Gemeinschaftliche und gemeinwirtschaftliche Ziele fördern das unternehmerische Denken Einzelner sowie der Industrie. Der transparente und sichere Zugang zu Daten und Transaktionsinformationen ist der Garant dafür, dass Digitalisierung für alle verständlich anwendbar wird. Kontextbasierte Daten- und Informationsabfrage wird durch intelligente Algorithmen unterstützt, die Daten entsprechend der Anforderungen des Anwenders visualisieren und bereitstellen.

Intelligente Analyse wird das Fundament der weiteren Entwicklung sein - sie ist die Grundlage für die Verwirklichung von Wertschöpfung in der Industrie, genauso wie für den Aufbau von Bürgerdiensten und Interaktionsplattformen in Städten und Kommunen. Der digitale Grundstock für dedizierte Rahmenbedingungen und Kontext für Anwendungsszenarien und Wertschöpfungsketten ist für Industrie 4.0 und Smart City ein synergetischer Vorteil. Damit rückt die Gartner-Prognose, dass Privatwirtschaft und Kommunen in punkto Digitalisierung künftig stärker zusammenarbeiten werden, in unmittelbare Nähe. (fm)