Aufgaben, Scanner-Apps, Container-Lösungen...

Diese zehn App-Kategorien müssen sich vor iOS 13 fürchten

05.07.2019
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Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es diese Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig.
Mit jeder neuen iOS-Version laufen bekannte Apps aus diversen AppStore-Kategorien Gefahr „gesteved“ zu werden. Davon ist immer dann die Rede, wenn Apple adäquate oder bessere Lösungen als die bestehenden im AppStore anbietet. Mit der Verfügbarkeit von iOS 13 wird der Erfolg von Apps aus folgenden Kategorien nachhaltig gefährdet.

Kategorie 1: Aufgaben/ToDo-Apps

Bereits mit iOS 5 im Jahr 2011 brachte Apple die Erinnerungen-App auf das iPhone. Wegen der etwas sperrigen Nutzung erfreute sie sich aber nie besonderer Beliebtheit. Anwender sahen sich lieber bei Drittanbietern nach Alternativen um. Mit iOS 13 verbessert Apple jetzt allerdings das Erscheinungsbild und die gebotenen Funktionen maßgeblich.

Mit der neuen Erinnerungen-App können Aufgaben nun in Listen und diese Listen in Gruppen abgelegt werden. Unteraufgaben sind ebenfalls möglich. Die neue Bedienoberfläche erlaubt es außerdem, schnell auf Aufgaben von "Heute", "Geplant", "Alle" und "Markiert" zuzugreifen. Beim Anlegen einer Aufgabe wird die Tastatur zudem um eine Toolbar erweitert. Der hilft bei der Eingabe von Zeiten, Daten, Orten, Fotos und gescannten Dokumenten.

Mit iOS 13 verbessert Apple das Erscheinungsbild und die gebotenen Funktionen der bisherigen Erinnerungen-App (Foto) maßgeblich. Alternativen aus dem AppStore verlieren an Relevanz.
Mit iOS 13 verbessert Apple das Erscheinungsbild und die gebotenen Funktionen der bisherigen Erinnerungen-App (Foto) maßgeblich. Alternativen aus dem AppStore verlieren an Relevanz.
Foto: Apple

Gibt der Anwender nun einen Text ein, so analysiert die App diesen zusätzlich und erkennt Personen-, Ort- und Zeitangaben. Links und Bildern mit einer entsprechenden Vorschau abzuspeichern ist ebenfalls möglich. Die Verlinkung in Mail beziehungsweise andere Apps - auch per Siri mit "Erinnere mich an das" - sieht nun viel aufgeräumter und mächtiger aus.

Aber auch sonst ist die Eingabe per Siri effizienter umgesetzt worden. Siri-Kommandos wie "Erinnere mich, Milch, Brot und Butter einzukaufen" erzeugen mit iOS 13 wirklich drei Einträge mit jeweils einem Element.

Möchten Sie im Team gemeinsam an Aufgaben arbeiten, können Sie Listen mit (beliebig) vielen anderen Personen teilen. Das Thema Collaboration hält damit nun auch in der Aufgaben-App Einzug.

Aber nicht nur beim Anlegen von Aufgaben ist iOS 13 effizienter geworden. Betritt ein Anwender einen bestimmten Ort, erhält er die Aufgaben im näheren Umfeld angezeigt. Kommuniziert er mit einer bestimmten Person via iMessage, bekommt er dabei auf diese Person bezogene Erinnerungen eingeblendet.

Da die Anforderungen und Geschmäcker verschieden sind, wird der Markt für Aufgaben-Apps sicher nicht einbrechen. Mit iOS 13 dürfte die Notwendigkeit, die zu diesem Zweck vorinstallierte App zu ersetzen, aber deutlich zurückgehen.

Kategorie 2: Scanner-Apps

Bereits seit iOS 11 können die iWork-Apps von macOS ein iPhone oder iPad als Scanner verwenden. Die Kamera wird in diesem Fall gestartet und dient dem Aufnehmen sowie der automatischen Perspektiv- und Kontrast-Korrektur des entsprechenden Dokumentes. Aber auch in der Notizen-App von iPhone und iPad konnten Anwender bisher Papierdokumente als mehrseitiges PDF archivieren und/oder mit anderen Personen teilen.

Mit iOS 13 baut Apple diese Funktionalität weiter aus: So können Anwender digitale Kopien von Papierdokumenten auch direkt in der Dateien-App erstellen und so die Dokumente direkt an dem richtigen virtuellen Ort speichern. Einfache Scanner-Apps werden damit redundant. Anbieter, die zusätzlich eine OCR-Unterstützung in ihre App eingebaut haben (z.B. Adobe Scan, Office Lens), müssen zunächst nichts befürchten.

Kategorie 3: Apps zur Anwesenheitserkennung

Dieser Kategorie gehören Apps an, die auf das Betreten und/oder Verlassen von Orten reagieren - GPS-basiert, also mit einer Genauigkeit von etwa fünf Metern, wenn ein Signal verfügbar ist. Diese Apps gibt es im AppStore zur automatischen Zeiterfassung. Das heißt, ich werde eingestempelt, wenn ich das Firmengebäude betrete (also anfange zu arbeiten), beziehungsweise ausgestempelt, wenn ich dieses beim Beenden der Arbeit verlasse. Es existieren aber auch Apps, die derartige Standorte mit einem HTTP-Request beim Betreten oder Verlassen verbinden.

Apple hat die Funktionen der Kurzbefehle-App Siri Shortcuts deutlich ausgebaut.
Apple hat die Funktionen der Kurzbefehle-App Siri Shortcuts deutlich ausgebaut.
Foto: Apple

Egal, welche schönen Szenarien man damit erstellen kann - die neue Kurzbefehle-App macht diese Lösungen absolut unnötig. Mit iOS 13 können Anwender nämlich in der neuen Version der Shortcuts-App festlegen, welche (System-)Events das automatische Ausführen eines Shortcuts ansteuern kann. Zu den verschiedenen System-, Zeit- und ortsgebundenen Events gehören (gemäß der aktuellen Beta) für den hier geschilderten Fall die folgenden Optionen:

  • Ankommen an einem Ort: Anwender definieren eine automatische Aktion für den Moment, an dem sie an einem bestimmten Ort eintreffen;

  • Verlassen eines Ortes: Ausführen einer Automatisierung, wenn der Anwender einen bestimmten Ort verlassen hat.

Davon ausgehend sind den Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt. Es ist zum Beispiel möglich, eine Datei genau mit den Daten zu befüllen, die Sie für Ihre nächsten Arbeitsschritte brauchen, also etwa eine sauber gepflegte Liste mit Datum, Uhrzeit, Ort und den Vermerken Ihrer Wahl.

Sicherlich bedarf es etwas technischem Knowhow, um die Möglichkeiten der neuen Kurzbefehle-App auszunutzen. Die Einstiegshürde ist jedoch sehr niedrig und es lohnt sicher, sich mit Funktionen wie dem automatischen

  • Generieren von SQL-Kommandos;

  • Generieren von E-Mail-Antworten;

  • Berechnen von Hash-Werten für eine übergebene Datei;

  • Konvertieren von PDFs in PNGs;

  • Abbilden einer Standortkarte in einem Foto (als Wasserzeichen);

  • oder dem automatischen Verbinden des Vermerks "Barverauslagt" auf Rechnungen (für die Buchhaltung) mit der Übergabe an die DATEV-Apps

zu beschäftigen.

Kategorie 4: Helferlein für Fotos und Videos

Mit iOS 13 müssen auch viele Anbieter von Foto- und Videobearbeitungs-Tools um ihre Daseinsberechtigung fürchten. So stellt der neue Foto-Editor des Betriebssystems eine sehr solide Weiterentwicklung dar. Anwender erhalten für die Fotobearbeitung nun eine neue zweistufige Benutzeroberfläche im Instagram-Stil.

Zudem hat Apple eine Reihe neuer Bearbeitungs-Tools wie Vibrance, Vignette und mehr hinzugefügt. Anwender sind damit praktisch in der Lage, ihre gesamte Bildbearbeitung direkt in der Fotos-App durchführen. Jede Bearbeitung ist dabei nicht destruktiv, sondern jede Änderung (selbst wenn das Foto gespeichert und neu geöffnet wurde) kann wieder rückgängig gemacht werden.

Auch bei den Filtern hat Apple nachgelegt. Musste man früher entscheiden, ob man einen Filter nutzen möchte oder nicht, kann der Anwender nun auch die Intensität des Effektes per Schieberegler regulieren.

Die genannten Verbesserungen mit iOS 13 gelten aber nicht nur für Fotos. Auch für Videos hält das Update alle grundlegenden Bearbeitungsfunktionen als Video-Editor bereit. Das Tool wirkt damit schon fast wie eine Mini-Version von iMovie. So können Anwender etwa in einem Video schnell das Seitenverhältnis wechseln, den Ton stumm schalten, eine schnelle Farbkorrektur durchführen und das Video in seiner Länge beschneiden. Das Ergebnis muss dabei dank Versionierung nicht zwingend als neues Video gespeichert werden, denn das Original bleibt erhalten und alle Änderungen können wieder rückgängig gemacht werden.

Kategorie 5: PIM/Mail-Container-Lösungen

Bisher hatte Apple bei der Geräteverwaltung Unternehmen im Blick gehabt, die ihren Mitarbeitern iOS-Geräte zum dienstlichen Einsatz bereitstellen (COPE, COBO). Mit der angekündigten Benutzerregistrierung (User Enrollment) in iOS 13 ändert sich das nun drastisch. Es handelt sich dabei um eine modifizierte Version des MDM-Protokolls, bei der der Schwerpunkt auf dem Schutz der Privatsphäre der Benutzer bei gleichzeitiger Informationssicherheit für die Organisation liegt.

Mit der Funktion User Enrollment in iOS13 adressiert Apple die Management-Anforderungen für BYOD-Szenarien. PIM-oder Container-Apps werden nicht mehr unbedingt benötigt.
Mit der Funktion User Enrollment in iOS13 adressiert Apple die Management-Anforderungen für BYOD-Szenarien. PIM-oder Container-Apps werden nicht mehr unbedingt benötigt.
Foto: Travel man - shutterstock.com

So wird bei diesem Verfahren nicht mehr das Gerät selbst, sondern eine spezifische (verwaltete) Apple-ID an das MDM gekoppelt. Das MDM System erfährt dadurch nicht mehr, welche persönlichen Apps der Benutzer installiert hat. Genauso wenig kann ein gesetzter Geräte-PIN durch den Device Admin gelöscht werden. Unternehmensdaten werden, nach dem Rollout, in einem separaten APFS-Volume gespeichert. Dieses Volumen wird nach der initialen Registrierung am MDM erstellt und getrennt von den Benutzerdaten verschlüsselt.

Man kann davon ausgehen, dass diese Umsetzung den Markt für die klassischen PIM/Mail-Container-Angebote dramatisch verändern wird. So stellt sich berechtigterweise die Frage, für was es noch einen abgeschirmten Bereich für PIM-Daten, Dokumente und Co. braucht, wenn die Daten in iOS sauber abgekapselt gespeichert werden. Der Versuch der Container-Anbieter, einen PIM- (Mail, Kalender, etc.) Client zu erstellen, der sich wie die nativen Apps anfühlt, dürfte damit weitgehend der Vergangenheit angehören. Natürlich bieten einige Container weiterhin Funktionen, die iOS selbst nicht vorhält. So beispielsweise das Offline-Vorhalten von Unternehmensadressbüchern im größeren Stil.

Kategorie 6: Tastaturen von Drittherstellern

Swipe-basierte Tastaturen waren seit iOS 8 als Apps von Drittherstellern im AppStore verfügbar. Mit QuickPath führt Apple nun eine eigene Texteingabe über Wischgesten ein und hat diese direkt in die Standard-Tastatur integriert. Diese Art der Eingabe kennen Android Entwickler schon sehr lange. Daher muss man sagen, dass es endlich unter iOS eine Apple-eigene Lösung gibt.

Standardmäßig wird diese Funktion vermutlich mit Erscheinen von iOS 13 aktiviert sein. Natürlich lässt sie sich aber auch einfach deaktivieren (Einstellungen > Allgemein > Tastatur > Swipe to Type). Zu Beginn soll QuickPath eine Unterstützung für die Sprachen Englisch, (vereinfachtes) Chinesisch, Spanisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch enthalten.

Kategorie 7: Screenmirroring Apps

Mit der Sidecar-Funktion bietet Apple auf iOS/iPadOS 13 und macOS Catalina eine Möglichkeit, ein iPad als Zweit-Display zu verwenden. Das Unternehmen gräbt damit zahlreichen Drittanbietern das Wasser ab, die bereits ähnliche Softwarelösungen anbieten. Mit Apple zu konkurrieren wird schwer sein, zumal Sidecar auch eine umfangreiche Interaktion mit der App auf dem geteilten Bildschirm erlaubt.

Kategorie 8: Crypto-Bibliotheken für App-Entwickler

Einige App-Entwickler nutzen gerne Dritthersteller-Bibliotheken für die Umsetzung von Kryptographie in ihren Apps. Dies ist nicht unproblematisch, da Kryptographie der Sicherung von Informationen dient. Fehler an dieser Stelle können vom Datenverlust über die Manipulation von Daten bis hin zum Datenverlust reichen. Entsprechend vorsichtig sollten Entwickler sein, von welchen Krypto-Bibliotheken sie sich abhängig machen wollen. Nichtsdestotrotz tendieren viele Developer jedoch dazu, freie Bibliotheken mit eigenen Implementierungen der kryptografischen Algorithmen zu nutzen.

Mit iOS 13 bietet Apple dank CryptoKit ein modernes eigenes Framework, das kryptografische Operationen sicher und effizient den Entwicklern zur Verfügung stellt. Das Nutzen von mehr oder weniger guten Open-Source-Lösungen, die teilweise nicht einmal zertifiziert sind, kann damit der Vergangenheit angehören.

Kategorie 9: Dateien-Apps (WiFi-USB-Sticks)

Bislang versuchen viele Hard- und Softwareanbieter, dem fehlenden nativen Support von iOS für Speichersticks und MicroSD-Karten mit eigenen Lösungen entgegenzutreten. So gibt es beispielsweise WLAN-fähige USB-Speichersticks, die in Verbindung mit einer App einen WLAN-Zugriff auf einem iOS-Gerät ermöglichen. Über diese Verbindung ist dann eine Übertragung auf iPhone oder iPad möglich, während die Daten bei Nutzung eines PCs direkt per USB Anschluss aufgespielt werden.

Zur Datenübertragung ermöglichen Geräte wie der Sandisk Connect Wireless Stick in Verbindung mit einer App einen WLAN-Zugriff auf einem iOS-Gerät.
Zur Datenübertragung ermöglichen Geräte wie der Sandisk Connect Wireless Stick in Verbindung mit einer App einen WLAN-Zugriff auf einem iOS-Gerät.
Foto: Sandisk

Mit iOS 13 ändert sich die Ausgangsposition, denn das Betriebssystem erhält einen nativen USB-Massenspeicher-Support. Es kann also eine Festplatte oder einen Speicherstick angeschlossen, entweder direkt per USB-C am iPad Pro oder per Lightning-USB Adapter auf allen anderen iPad- beziehungsweise iPhone Modellen.

Auch kleine Helferlein zum Entpacken oder Komprimieren von Dateien, für den Zugriff auf SMB-Server oder zum Anzeigen von Metadaten werden mit iOS 13 wohl unnötig, da die Dateien-App diese Funktionalitäten ebenfalls mitbringen soll.

Kategorie 10: Cloud-Speicher-Apps

Die neue Dateien-App bringt aber auch die Vertreter einer anderen App-Kategorie in Bedrängnis: Mit iOS 13 hält "Folder Sharing", also das Teilen von Ordnerinhalten mit Familie, Freunden und Kollegen, Einzug in die Anwendung. Bislang waren hier viele Cloud-Speicher noch gegenüber iCloud Drive im Vorteil - aber auch das soll sich mit iOS 13 ändern. Nimmt man das Teilen von Ordnern und fügt sie zu den bereits jetzt bestehenden Möglichkeiten, wie die gemeinsame Nutzung des erworbenen Speicherplatzes mit der Familie (Family Sharing), wird das Cloud-Angebot von Apple zu einem sehr attraktiven Angebot.

Fazit

iOS 13 bringt viel Neues und auch wenn Apple nur wenig (die Erinnerungen-App) oder gar keine Mühe für die Ausgestaltung einiger Features aufgebracht hat, sind die Auswirkungen auf den App-Markt enorm. Viele Apps und die dahinter liegenden Geschäftsmodelle sind gefährdet. Trotzdem sollten die betroffenen App-Entwickler nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. "Gesteved" zu werden ist nicht unbedingt unausweichlich.