Digital Top 50 Awards 2020

Diese Startups bringen ITler weiter

05.10.2020
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Anlässlich der Münchner Digitalkonferenz Bits & Pretzels wurden die besten Startups mit den Digital Top 50 Awards 2020 ausgezeichnet. Lesen Sie, welche Tech-Gründungen für Sie interessant sind.
Viele gute Geschäftsideen aus Europa wurden bei Bits & Pretzels mit den Digital Top50 Awards ausgezeichnet. Etliche Gewinnerinnen und Gewinner dürften auch für IT-Organisationen interessant sein.
Viele gute Geschäftsideen aus Europa wurden bei Bits & Pretzels mit den Digital Top50 Awards ausgezeichnet. Etliche Gewinnerinnen und Gewinner dürften auch für IT-Organisationen interessant sein.
Foto: jamesteohart - shutterstock.com

Die Top-50-Finalisten aus den rund 300 Einsendungen kommen in diesem Jahr hauptsächlich aus Mittel- und Westeuropa und umfassen vor allem die Branchen Gesundheit und Biotech, Energie und Umwelt. Viele Startups profitieren mit ihren innovativen Geschäftsideen von neueren Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI), Software as a Service (SaaS), Marktplätzen und Plattformen. Rund ein Drittel der Wettbewerbsteilnehmer wird von Frauen gegründet.

Veranstalter des Wettbewerbs ist das Münchner Team der Veranstaltung Bits & Pretzels, das sich die Unterstützung von McKinsey, Freshfields, Google, 468 Capital und Hering Schuppener Consulting gesichert hat. Preise wurden in den vier Kategorien Best Technology, Best Consumer Business Model Innovation, Best Enterprise Business Model Innovation und Tech for Good vergeben. Außerdem gab es als Sonderpreis einen Greentech Award.

Digital Top 50 Awards 2020 - die Gewinner

Den Sieg in den genannten Kategorien trugen folgende Unternehmen davon:

  • iLoF (Kategorie: Best Technology), ein medizintechnisches Unternehmen aus Großbritannien, das mithilfe von KI und Photonik eine Cloud-basierte Bibliothek von Krankheitsbiomarkern aufbaut. Durch maschinelles Lernen sollen die Kosten und die Zeit der Arzneimittelforschung reduziert sowie Screening- und Schichtungsinstrumente mit einem aktuellen Fokus auf Alzheimer zur Verfügung gestellt werden;

  • Lition Energie (Best Consumer Business Model Innovation), ein deutsches Startup, das eine Blockchain-basierte Plattform entwickelt hat, um einen Marktplatz für den Energiehandel zu schaffen. Ziel ist es, Haushalte mit regionalen Produzenten erneuerbarer Energien zusammenzubringen;

  • Ancora.ai (Best Enterprise Business Model Innovation), eine Schweizer Firma, die Patienten hilft, Gesundheitsinformationen zu finden und diese automatisiert aus dem Fachchinesisch der Ärzte zu übersetzen und zu interpretieren;

  • HelloBetter (Tech for Good), ein Berliner Jungunternehmen, das - begleitet von Psychologen und Psychotherapeuten - digitale Online-Trainings für die Behandlung psychischer Beschwerden wie Stress, Panik oder Burnout anbietet;

  • Enapter (Greentech Award), ein deutsch-italienisches Joint venture mit einem Fokus auf die kostengünstige Herstellung von Elektrolyseure (dienen der Zerlegung von Wasser in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff), um die Mobilitäts-, Wärme-, Industrie- und Energiebranche zu dekarbonisieren und mit einem Energiemanagement-System eine dezentrale Energieerzeugung zu ermöglichen.

DT50-Finalisten - weit entfernt von "ferner liefen"

Unter den Finalisten waren auch viele Startups, die für IT-Verantwortliche und ihre Organisationen interessant sein könnten. Wir stellen sie in aller Kürze vor:

Apheris AI - KI-Modelle auf verteilten Datensätzen trainieren

Die Berliner ApherisAI bietet Unternehmen aus dem Gesundheitswesen und anderen Industrien mit einer Technologie zum verteilten maschinellen Lernen Möglichkeiten, KI-Trainingsdaten unter strenger Einhaltung von Datenschutzrichtlinien aus verschiedenen lokalen Quellen heranzuziehen - und so eine zentrale Konsolidierung zu umgehen. Modelle werden auf verteilten Datensätzen trainiert, was den Vorteil hat, dass die Daten bei den Eigentümern bleiben und aufgrund kryptografischer Methoden und mathematischer Techniken wie Differential Privacy keine Rückschlüsse möglich sind.

e-bot7 - automatisierte Kundengespräche

Mit einer "Conversational AI platform", die den Kundenservice durch natürlichsprachige Konversationen mit Kunden ermöglicht, behauptet sich e-bot7 im Kreis der Finalisten. Die hybride Lösung "Agent + AI" führt automatisiert Gespräche mit Webseiten-Besucher, leitet diese durch die Website und sorgt für Vorqualifizierung und Terminvereinbarung. Hybrid ist an der Lösung die volle Kontrolle des Dialogs durch das Support-Team, das sich im Zweifel immer einschalten kann. Mit der "CDE-Prozessautomatisierung" lassen sich zudem Workflows definieren, durch die Kunden geführt werden können.

Ellipz - Datenübertragung per LED-Licht

LiFi (Light Fidelity) statt WiFi: Mit drahtloser Datenübertragung via LED-Licht präsentiert sich Ellipz Smart Solutions aus Hongkong und den Niederlanden. Anstelle von Funkwellen nutzt LiFi LED-Licht für die Datenübertragung. Anwender stecken einen LiFI-Dongle in ihren Laptop, der sich automatisch mit dem Lichtstrahl des nächsten LiFi-LED-Lichts verbindet.

Die Kommunikationstechnik basiert auf den Prinzipien der Visible Light Communication (VLC). Sie wird als schnell, sicher und gesund angepriesen, hat aber den Nachteil, auf einzelne Räume beschränkt zu sein, da Licht keine Mauern durchdringt. Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt derzeit bei rund 100 Mbps. Die Technik soll WiFi ergänzen, nicht ersetzen, und eignet sich besonders für Indoor-Navigation und -Geolokation.

Lumapps & happeo - noch ein Intranet?

Mit seiner "Social-Intranet"-Plattform gehört auch die französische lumapps zum Kreis der Top 50-Finalisten. Das Unternehmen bietet Kunden einen digitalen Workspace an, in den sich die gängigen Collaboration-Suites wie Office 365 und Googles G Suite einbinden lassen. Mitarbeiter erhalten ein Paket aus Social Network, Unternehmensportal und Werkzeuge für die Zusammenarbeit. Kernidee ist es, einen einfachen, geschützten, der Unternehmenskultur angemessenen Raum für die konzernweite Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zu schaffen. Mit einer vergleichbaren Lösung ging happeo in den Wettbewerb und schaffte es ebenfalls in den Kreis der Besten.

Memory - Optimierung von Team- und individueller Arbeit

Mit ihren Tools Timely und Dewo hat auch die norwegische Memory den Sprung unter die Auserwählten geschafft. Timely ist ein Tool für das Zeitmanagement und die Planung von Projektteams. Es bringt unter anderem ein Projektzeiten-Management und Tracking-Funktionen mit. Dewo soll Kopfarbeiter unterstützen, ihr Arbeitsverhalten zu optimieren - also möglichst lange produktiv zu sein und "Flow-Situationen" bestmöglich auszunutzen. Das Tool lernt, was Mitarbeiter ablenkt und zeigt ihnen, wann sie besonders produktiv sind und wie sie beispielsweise Meetings und Calls optimal einplanen.

SegmentStream - Datenplattform für den CMO

Eine Data-Intelligence-Plattform für das Marketing bietet die Londoner SegmentStream Marketing-Chefs und ihren Teams an. Das Unternehmen verfolgt den Ansatz, Daten aus verschiedenen Quellen in einem Data Warehouse zusammenziehen und für Auswertungen aller Art bereitzustellen. Kunden können einzelne Werbekanäle beobachten, Kostenkalkulationen vornehmen, Werbeausgaben und Konversionen kontrollieren, Budgets planen, Reports visualisieren und vieles mehr.

SiaSearch - Rohdaten verwerten

Ein Berliner KI-Startup mit Fokus auf die Autoindustrie ist SiaSearch. Im Angebot ist eine Management-Plattform für das Verwerten von Fahrzeugdaten: Die Technologie indexiert und strukturiert mithilfe semantischer Attribute und Keywords Rohdaten, die von Fahrzeug-Sensoren abgegeben werden. Da jedes Auto im Durchschnitt mehr als ein Terabyte an Daten pro Tag erzeuge, sei es aufgrund dieser Flut an unstrukturierten Rohdaten derzeit kaum möglich, datenbasierte Entscheidungen zu treffen. Die Technologie der Hauptstädter soll helfen, diese Sensordaten nutzbar zu machen.

Speechly - Quatschen mit der App

Mit fortgeschrittener Sprachtechnologie, die angeblich in jede App und jede Website integriert werden kann, will Speechly aus Helsinki punkten. Der Spezialist für "Voice User Interfaces" wirbt unter anderem mit "Multimodalität": Wird die Sprachschnittstelle beispielsweise in eine E-Commerce-Seite eingebunden, um Kunden den Einkauf mit natürlichsprachigen Befehlen zu ermöglichen, kann in Sprache, in geschriebenen Text oder einem Bild geantwortet werden.

PacketAI - intelligenter Cloud-Betrieb

PacketAI aus Paris überzeugte die Jury mit einer autonomen, Machine-Learning-basierten Monitoring-Lösung für den IT-Betrieb und die Cloud. Traditionelle Tools für das Management von ITOps-Workflows seien in Zeiten dynamischer Umgebungen mit Cloud-basierten Microservcies und containerisierten Architekturen nicht mehr ausreichend, so das Unternehmen. Autonome Monitoring-Tools, die Vorfälle proaktiv erkennen und beseitigen, könnten den Verabntwortlichen angesichts der Fülle der IT-basierenden Prozesse viel Arbeit abnehmen. Der Return on Investments ergebe sich aus dem schnelleren Finden und Fixen von Problemen, der besseren Vorbeugung, dem Abschalten zahlreicher nicht mehr benötigter Tools und vielem mehr.

Scoutbee - Einkäufer treffen Lieferanten

Scoutbee ist eine Lösung für das Procurement, die Einkäufern bei der globalen Lieferantensuche hilft. Auf seiner B2B-Plattform bringen die Würzburger mittels KI- und Big-Data-Systemen Lieferanten und Einkäufer zusammen. In einer Finanzierungsrunde haben die Franken Anfang diesen Jahres stolze 54 Millionen Euro eingesammelt, zu den Investoren gehören Atomico aus London, Next47 (Siemens) und Lakestar (Fonds des deutschen Investors Klaus Hommels). Scoutbee will das Geld für den Ausbau der Plattform nutzen: Kunden sollen künftig nicht nur neue Zulieferer finden, sondern auch ihre Bestandslieferanten verwalten können.

SoSafe - Phishing-Angriffe simulieren

Das Thema Awareness beschäftigt viele Sicherheitsverantwortliche in den Unternehmen: Wie gelingt es, die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, nicht jeden E-Mail-Anhang zu öffnen? SoSafe aus Köln hat sich des Themas angenommen und bietet Kunden anonymisierte Cybertrainings. Beispielsweise können Kunden simulierte Phishing-Angriffe auf ihre Mitarbeiter starten und diejenigen, die darauf hereingefallen sind, auf eine Aufklärungsseite lotsen. Außerdem gibt es ein breites, an den individuellen Bedarf anpassbares E-Learning-Angebot mit bis zu 20 Modulen. Es enthält jede Menge Empfehlungen und Quiz-Elemente.

stackfuel - Data-driven kann man lernen

Mit ihren Trainings hat es auch stackfuel in den Kreis der Finalisten geschafft. Das Startup bietet Ausbildungsprogramme rund um Data-Skills an, also etwa die Beschäftigung mit den gefragtesten Analytics-Tools. Die Titel der Trainings lauten etwa "Data Awareness", "Data Driven Management", Data Storytelling oder auch "Data Analyst" und "Data Scientist" jeweils mit Fokus auf Python.

userlane - Eintauchen in ERP und CRM

Wenn sich Anwender mit neuer Software beschäftigen müssen, ist das nicht immer ganz einfach. Hier kommt userlane ins Spiel: Das Unternehmen bietet interaktive Schritt-für-Schritt-Guides an, die Anwendern das Erlernen neuer Programme erleichtern sollen, ohne dass formelle Trainings nötig sind. Dazu verwendet das Unternehmen seine "Digital Adoption Platform". Anwender lernen ERP, CRM oder Personalsoftware richtig zu bedienen, die für sie relevanten Funktionen zu nutzen und auf diese Weise schneller zu arbeiten.

applied - Recruiting ohne Vorurteile

An Personalabteilungen wendet sich applied mit Lösungen, die eine unvoreingenommene Auswahl neuer Mitarbeiter ermöglichen soll. Oft würden in Stellenbeschreibungen unbewusst Formulierungen verwendet, die beispielsweise Männer stärker ansprechen als Frauen oder umgekehrt. Auch würden Minderheiten unbewusst ausgegrenzt. Das Startup hilft Personalabteilungen auf vielfältige Weise dabei, den Kreis der Kandidaten nicht unbewusst durch falsche Formulierungen zu verkleinern.