Interne Berater

Diese Qualifikationen brauchen Inhouse Consultants

24.09.2019
Von 


Dr. Daniela Kudernatsch, Inhaberin der Unternehmensberatung Kudernatsch Consulting & Solutions in der Waldstr, 37, 82064 Straßlach bei München, ist Autorin des Buchs "Hoshin Kanri - Unternehmensweite Strategieumsetzung mit Lean-Management-Tools".

 

 
In großen Transformationsprojekten vertrauen viele Unternehmen auf die Kompetenz interner Consultants in unterschiedlichen Rollen. Dabei ist es wichtig, die richtigen Qualifikationen vorzuhalten.
  • Auf der operativen Ebene kommen Umsetzungsspezialisten mit technischem oder kaufmännischem Hintergrund als Inhouse Consultants in Frage
  • Akademiker mit Projekt- und Führungserfahrung unterstützen Abteilungsleiter und Projektmanager
  • Wer das Topmanagement beraten will, muss eine erstklassige Ausbildung, Projektmanagement-Erfahrung und Fachwissen vorweisen können.

Inhouse Consulting boomt in Zeiten des digitalen Wandels. Je ausgedehnter und komplexer ein Vorhaben, desto größer ist der Bedarf an Know-how und praktischer Unterstützung im Change Management - insbesondere auf der Bereichs- und Prozessebene. Vor allem Großunternehmen haben schon vor Jahren firmeninterne Consulting-Bereiche aufgebaut. Sie wollten die Kompetenz für Strategieentwicklung und -umsetzung im eigenen Haus vorhalten und zudem die Kosten senken.

Sind Inhouse Consultants noch im Büro, während der externe Berater schon den Heimweg angetreten hat? Leider stehen uns diesbezüglich keine belastbaren Zahlen und Fakten zur Verfügung.
Sind Inhouse Consultants noch im Büro, während der externe Berater schon den Heimweg angetreten hat? Leider stehen uns diesbezüglich keine belastbaren Zahlen und Fakten zur Verfügung.
Foto: Pressmaster - shutterstock.com

Gegenüber externen Beratern haben die unternehmenseigenen Kräfte einige Vorzüge. Sie kennen die Kultur, die Historie und die Arbeitsabläufe in der Organisation, müssen also nicht erst eingearbeitet werden. Weil sie nur dem eigenen Betrieb verpflichtet sind, können Mitarbeiter sie auch bei akuten Problemen ständig erreichen und ansprechen. Das schafft Vertrauen, was zunehmend auch mittelständische Betriebe erkennen.

Klassische Unternehmensberatungen betrachten die Inhouse Consultants oft noch als unliebsame Konkurrenz und übersehen dabei, dass diese internen Berater andere Stärken mitbringen als sie selbst. Vor allem bei der Strategieumsetzung auf der Bereichs- und Prozessebene sind die internen Kräfte im Vorteil.

Grob lassen sich die internen Berater in drei Gruppen mit unterschiedlichen Funktionen und Profilen unterscheiden:

1. Wissensmultiplikatoren und Umsetzungsbegleiter auf der operativen Ebene

Diese Mitarbeiter haben in der Regel eine technische oder kaufmännische Ausbildung durchlaufen und über einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. Sie sind fachlich versiert und überdurchschnittlich kompetent im Umgang und teilweise auch im Führen von Menschen. In Change-Projekten, in denen große Mitarbeitergruppen in kurzer Zeit qualifiziert werden müssen, sind diese internen Berater gefragt.

Typische Projekte sind das Einführen der bereichsübergreifenden Team- und Projektarbeit in der Produktion oder das Verankern des KVP- (Kontinuierliche Veränderungs-Prozesse) oder Lean-Gedankens in der Organisation. Oft üben diese Mitarbeiter ihre Beraterrolle in Teilzeit aus.

Die Aufgaben dieser Berater bestehen darin, den Mitarbeitern, das Know-how zu vermitteln, das diese fortan bei ihrer Arbeit brauchen werden, und sie bei dessen Anwendung im Arbeitsalltag zu unterstützen. Außerdem stehen die Consultants Führungskräften wie Meistern oder Teamleitern in Fragen der Qualifizierung und Führung beratend zur Seite.

Wer diese unternehmensinterne Beraterrolle ausübt, hat meistens eine kompakte Trainerausbildung oder ein Train-the-Trainer-Seminaren durchlaufen. Dort wird nicht zuletzt das Thema aufgegriffen, wie Menschen auf Veränderungen und neue Anforderungen reagieren.

2. Changeberater und -unterstützer auf der Projektmanagement- und mittleren Führungsebene

Hier handelt es sich um interne Berater mit einem akademischen Hintergrund, die schon Projekt- und Führungserfahrung gesammelt haben. Dabei haben sie eine hohe Sensibilität für den Umgang mit Menschen bewiesen, und sie wissen, wo potenzielle Probleme lauern und in Projekten üblicherweise Widerstände auftauchen.

Diese Berater empfehlen sich für Projekte, die Auswirkungen auf die Unternehmenskultur haben. Als Change-Experten unterstützen sie die Führungskräfte auf der Abteilungs- und Bereichsebene sowie die Projektmanager im Shopfloor-Bereich. Organisatorisch sind sie meist in der Personal- oder Weiterbildungsabteilung angesiedelt.

Typische Projekte, in denen diese Consultants mitarbeiten, sind das Einführen eines neuen Führungssystems in der Organisation oder Projekte, die auf eine agile bereichs- und funktionsübergreifende Zusammenarbeit abzielen. Sie dienen den Abteilungs- und Bereichsleitern sowie den Projektmanagern als Impuls- und Ratgeber beim Umsetzen von Zielvorgaben. Außerdem moderieren sie Meetings und Workshops auf der Bereichs- und Abteilungsebene - sowie manchmal auch Konflikte.

Meistens haben dies Spezialisten eine Organisationsberater- oder Business-Coach-Ausbildung durchlaufen, in der beispielsweise thematisiert wurde, wie soziale Systeme funktionieren. Außerdem kennen sie sich auf organisationaler wie auf personaler Ebene mit dem Change Management aus.

3. Strategie(umsetzungs-)berater auf der Topmanagement-Ebene

Wer das Management beraten will, muss gut ausgebildet sein: Diese Berater haben eine Top-Universität besucht, verfügen häufig über einen MBA-Abschluss oder waren Teilnehmer eines Generalmanagement-Programms einer international renommierten Business-School. Nicht selten waren sie außerdem mehrere Jahre in einer internationalen Unternehmensberatung als Strategieberater tätig und bringen sich nun in Stellung für eine Top-Management-Position im neuen Unternehmen.

Ihr fachliches Know-how ist exzellent, auch verfügen sie über fundierte Projektmanagement-Erfahrung. In Sachen Change-Management haben sie meist nicht nur ein solides theoretisches Wissen, sondern auch Praxiserfahrung.

Diese Topberater arbeiten meistens in großen Konzernen, wo sie das Top-Management beim Weiterentwickeln der Strategie und des Geschäftsmodells unterstützen. Sie entwerfen Konzepte für das Umsetzen strategischer Entscheidungen, steuern konzernweite Projekte und helfen dem Top-Management sowie den oberen Führungskräften dabei, in ihren Verantwortungsbereichen Strategien umzusetzen.

Typische Projekte, in die diese Berater involviert sind, sind zum Beispiel die Fusion zweier Unternehmen, die digitale Transformation sowie das Entwickeln und Implementieren neuer Geschäftsmodelle. Zu ihren Kompetenzen gehört der Umgang mit Tools, um Change-Prozesse so zu steuern, dass das Unternehmen seine (Entwicklungs-)Ziele erreicht. Als Beispiel seien hier Werkzeuge wie die Balanced Scorecard oder "Objectives and Key-Results" (OKR) genannt, außerdem Klassiker wie KVP, Lean Management und Hoshin Kanri.

An allen drei genannten Gruppen firmeninterner Beratern besteht in den Unternehmen ein wachsender Bedarf. Dabei gilt es jedoch bei ihrer Auswahl und Qualifizierung zu unterscheiden, zu welcher der genannten Gruppen von Beratern die Kandidaten zählen. Sonst zielt ihre Qualifikation am Bedarf vorbei und ihr Handeln entfaltet nicht die gewünschte Wirkung.