6 Vorgesetzte, die keiner will

Diese IT-Manager sind einfach schlecht

08.05.2019
Von 


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.

Der Überforderte

Wie seine ineffizienten Führungsgenossen operiert auch der Überforderte in erster Linie aufgrund von Sorgen und Stress. Seine Angst kann schnell in Herablassung, gesteigerte Aggression oder übertriebene Schroffheit umschlagen. "Versuchen Sie herauszufinden, worin diese Boshaftigkeit begründet ist", rät Greg Law. "In vielen Fällen - speziell bei frischgebackenen Managern - mangelt es einfach an Selbstvertrauen."

Sie sollten also Ihren natürlichen Instinkt (Rückzug) bekämpfen und auf den chaotischen, dauer-brüskierten Zankapfel zugehen, der Ihr Vorgesetzter ist. Das sieht auch Taylor McCaslin so: "Wenn Ihr Boss wegen eines Projekts in Panik ausbricht, ist das Beste, was Sie tun können, zu kommunizieren. Und zwar nicht über unbedeutende Details, sondern die Meilensteine des Projekts und deren Erreichung. Geben Sie Ihrem Vorgesetzten die Antworten auf die Fragen seiner Vorgesetzten. Kommunikation beseitigt Angst, schafft Vertrauen und stärkt den Zusammenhalt."

Es ist dabei gar nicht nötig, dass Ihr Vorgesetzter ein Programmierer-Rockstar ist oder alle Details eines Projekts besser kennt als Sie selbst. Eine klare Kommunikation kann seine Angst vermindern und eventuell verhindern, dass er zum Mikromanager mutiert. "Ein guter Manager", weiß McCaslin, "wird Ihnen und Ihrem Team den Raum geben, um Probleme zu lösen. Schließlich sind seine Aufgaben den Erfolg sicherzustellen, Ablenkungen abzuwenden, Ressourcen zur Verfügung zu stellen und die Kommunikation mit anderen Abteilungen, Stakeholdern und der Unternehmensleitung zu übernehmen."

Wenn Sie jetzt immer noch verzweifelt sind, sind vielleicht genau Sie die Person, die Ihr Vorgesetzter braucht, wie Law sagt: "Ich weiß von mehreren Beispielen, wo ein Senior Developer zur rechten Hand des IT-Managers wurde und das bestens funktioniert hat. Das hilft der Führungskraft dabei, sich auf ihre Aufgaben konzentrieren zu können."

Der Forderer

Nach Meinung von Experten kann Code - genau wie Nahrungsmittel - schnell, billig oder gut sein. Der Forderer will alle Eigenschaften. Und zwar gestern. Dieser Vorgesetzte kann nicht priorisieren, schenkt dringenden Anfragen keine gesteigerte Aufmerksamkeit und stellt nur in den seltensten Fällen das Budget zur Verfügung, dass es bräuchte, um Software zu schreiben, die ihren Zweck erfüllt.

Mit einem Forderer leben zu lernen, heißt, einen Weg zu finden, ehrliches Feedback zu geben, dass Ihre Projekte in der Spur hält. Damit das funktioniert, müssen Sie dieser Art von Manager Grenzen setzen. Und das dürfte nicht immer willkommen sein. "Sagen Sie diesem Boss nicht, dass er zu viel einfordert", rät Patric Palm. "Sagen Sie stattdessen: 'Wenn Sie das tun, sorgt das bei mir und meinem Team für bestimmte Gefühle. Es wäre besser, wenn Sie…' - das funktioniert jedes Mal."

Einige agile Methoden wie Scrum oder die Verschlankung von Zielen, um Deadlines halten zu können, sind dazu gedacht, den Workload auf einem erträglichen Level zu halten. Nach Ansicht von Palm könnte das den Manager dazu zwingen, Prioritäten zu setzen. "Machen Sie einen Backlog zur Diskussionsgrundlage. Fragen Sie: ‚Ich weiß, Sie wollen das alles in dieser Woche umgesetzt haben, aber was sind für Sie die wichtigsten Punkte?‘ So muss der Vorgesetzte keine Kontrolle abgeben und kann priorisieren. Sie können dann auf der anderen Seite die Dinge mit der höchsten Priorität an die Spitze ihres Workflows stellen. So erstellen Sie Ihren eigenen Arbeitsrhythmus und sind in der Lage, dem ewigen Stresskreislauf zu entfliehen."

Nach Meinung von Bill Treasurer sollten Softwareentwickler - wenn Sie Erfolg haben wollen - in der Lage sein, ehrliches Feedback zu geben. Insbesondere dann, wenn der Chef dem Team zu viel Stress zumutet. "Der Trick ist dabei, das Feedback mit den Zielen des Vorgesetzten zu verknüpfen. Wenn Ihr Vorgesetzter Sie beispielsweise ständig mit neuen Dringlichkeiten überhäuft, sagen Sie ihm, dass es Ihnen schwer fällt Prioritäten zu setzen, weil scheinbar alles dringend und wichtig ist. Darüber hinaus sollten Sie dem Manager klar machen, dass es dem Erfolg zuträglich ist, wenn Sie und ihr Team sich auf eine kleinere Zahl von wichtigen Dingen konzentrieren kann."

Fazit: Was wollen Sie?

Der beste Weg ist natürlich, sich von vorneherein von schlechten Managern, Vorgesetzten und Führungskräften fernzuhalten. Und obwohl das eher selten in Ihrer Hand liegen dürfte: In der Regel gibt es erste Warnzeichen, bevor Sie Ihren Job antreten. Ein kurzer Blick auf Karriere- und Bewertungs-Plattformen wie Glassdoor oder Kununu kann dabei genauso hilfreich sein, wie die Nutzung des eigenen Netzwerks. Darüber hinaus sollten Sie auch im Bewerbungsgespräch auf bestimmte Warnzeichen achten.

"Fragen Sie beim Job-Interview, was dem Unternehmen wichtig ist", rät Law. "Denken Sie daran: Sie möchten bei einem Bewerbungsgespräch genauso viel über Ihren künftigen Arbeitgeber erfahren, wie er über Sie. Wenn Ihr Gegenüber mit blumigen Sätzen punkten will wie ‚Das Team trifft seine eigenen Entscheidungen‘, dann fragen Sie nach einem konkreten Beispiel. Wenn der Personaler eines nennen kann, fragen Sie nach einem weiteren. So sollten Sie ein gutes Gefühl dafür bekommen, ob die warmen Worte Substanz haben."

Wenn es schon zu spät ist und Sie bereits unter einem furchtbaren (IT-)Manager leiden, versuchen Sie sich in dessen Rolle hineinzuversetzen und betreiben Sie Recherche: "Machen Sie sich mit den Grundlagen der Psychologie vertraut, um erkennen zu können, wann Ihr Vorgesetzter sich emotional verhält und wann rational. Dann sollten Sie sich nur auf ihn einlassen, wenn er rational agiert", empfiehlt Law.

Sie wollen Ihrem Team und Ihrem Unternehmen gegenüber loyal sein. Aber wenn Ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden, müssen Sie wissen, was Sie wollen und das auch kommunizieren.

"‘Was wollen Sie?‘ ist die vielleicht wichtigste Frage, die die menschliche Sprache je hervorgebracht hat", meint Bill Treasurer. "Und diese Frage müssen Sie mit einem hohen Level an Prägnanz beantworten können, wenn Sie nach einer erfüllten Karriere und einem erfüllten Leben streben."

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer US-Schwesterpublikation infoworld.com.